Rund 250 Gäste erleben am Sonnabend eine bewegende Stunde. In Erinnerung an die erste Demonstration nach einem "Gebet für unser Land" wird an der Westfassade der Martinikirche ein Kunstwerk enthüllt.

Halberstadt l "In Berlin und Leipzig hat man lange und fruchtlos über Denkmale zum Anlass des 25. Jahrestages der friedlichen Revolution gestritten, in Halberstadt haben wir das Projekt "Denkort Martini" realisiert", sagte am Sonnabend Kristine Paul nicht ohne Stolz. Die Grünen-Politikerin war es, die vor fast fünf Jahren das Projekt mit einem Antrag im Stadtrat initiiert hatte.

Eine Initiativgruppe, als Arbeitsgruppe des Stadtrates gegründet, hat seit 2009 kontinuierlich an der Umsetzung dieser Idee gearbeitet. "Die Stadt konnte und kann aufgrund ihrer Haushaltssituation keine finanzielle Beteiligung ermöglichen und so wurden sämtliche finanziellen Mittel, die notwendig waren, durch Spenden eingeworben. Viele Halberstädterinnen und Halberstädter, Freunde der Stadt, der Idee und der beteiligten Menschen haben gespendet und den Denkort Martini zu einem Bürgerinnenprojekt gemacht" sagte Paul, "das in einer Reihe steht mit Ratslaube, Dachreiter und Glockenguss".

Jens Reich, in Halberstadt aufgewachsener Mitbegründer des Neuen Forum in Berlin, forderte dazu auf, die Ereignisse vor dem Mauerfall nicht zu vergessen, sondern sich darauf zu besinnen, was die Menschen damals gewagt hatten. Er widersprach der These, es habe kein politisches Programm gegeben in der Wendebewegung. "Im Gegenteil, es war ein umfangreiches demokratisches, bürgerliches politisches Programm, was von der gesamten Bürgerschaft der DDR damals getragen wurde", sagte Reich.

Verbunden mit dem Wunsch, dass der Mut, Neues zu wagen, sich einzumischen und Visionen zu entwickeln, den Halberstädtern bewahrt bleibe und dass das Kunstwerke dazu ermuntere, wurde anschließend die Stele enthüllt.

   

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