Halberstadt l Um 1939 gab es rund 2800 Synagogen und Gebetshäuser in Deutschland. "Weil sie wie kein anderer Gebäudetyp die Präsenz der jüdischen Gemeinde deutlich machten, wurden Synagogen bei Judenpogromen immer wieder zerstört", schreibt die Literaturwissenschaftlerin Stefana Sabin, "zuletzt im Nationalsozialismus".

Über die Hälfte der Bauten wurde in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 in Brand gesteckt oder in der Folgezeit abgerissen wie die Synagoge in Halberstadt. Am 9. November jährt sich die Pogromnacht zum 76. Mal. Zur Erinnerung an die barbarische Zerstörung der Synagogen als "symbolischer Entsprechung der `Heimstätte Gottes auf Erden`", zeigt die Moses-Mendelsohn-Akademie "Paintings to Remember" (Gemälde zur Erinnerung) von Alexander Dettmar (61).

Die Ausstellung wird unmittelbar nach der Veranstaltung an den "Steinen der Erinnerung" (17 Uhr) in der Klaussynagoge um 17.45 Uhr eröffnet. Seine Bilder von zerstörten Synagogen hat Dettmar zu einem großen thematischen Zyklus zusammengefasst, zu dem auch die Alte Synagoge in Halberstadt gehört. Der Architekturmaler mit internationalem Renommee will mit seinen Arbeiten die "verschollene Architektur" vor dem Vergessen retten. "Durch meine Malerei will ich ein wenig die Erinnerung zurückholen, wie diese Gebäude früher einmal gewirkt haben müssen", begründet der Ernst-Barlach-Preisträger von 1995 sein künstlerisches Credo. 1992 hat Dettmar sein erstes jüdisches Gotteshaus gemalt, die Neue Synagoge in Berlin.

Grundlagen für dieses Gemälde wie für alle nachfolgenden sind historische Fotos, Baupläne, Zeichnungen, Berichte. "Ich versuche mir daraus ein inneres Bild zu schaffen", so der Künstler. Dieses innere Bild trägt Dettmar nach außen in überwiegend dunklen, an Paula Modersohn-Becker erinnernden Farben. Und auch dafür gibt er eine Erklärung: "Die vergleichsweise dunkle Farbgebung steht dabei auch für Trauer - eine Farbwahl, die aber eher unbewusst abgelaufen ist". Eingedenk der hohen Zahl der Gotteshäuser und Betstuben hat sich dieses Thema mittlerweile zu einer Lebensaufgabe für den Maler entwickelt. Beenden will er diesen thematischen Zyklus erst dann, wenn das Thema für ihn "künstlerisch ausgereizt" ist.

Danach sieht es im Moment aber nicht aus. "Weil ich eine große Sehnsucht nach den Menschen spüre, die dort waren", so Dettmar.