Thale/Magdeburg (dl) l Im Tauziehen um den auf der Thalenser Roßtrappe geplanten Baumwipfelpfad soll offenbar in Kürze eine Grundsatzentscheidung fallen. Es geht um die alles entscheidende Frage, ob das Land der Investorengruppe die nötigen Waldflächen auf der Roßtrappe überlässt. Sowohl im Landesforstbetrieb (LFB) als auch im Umweltministerium hält man sich mit Details bedeckt. Sicher ist jedoch: Es gab vor wenigen Tagen ein Gespräch zwischen LFB-Chef Bernd Dost und Investorin Pamela Groll. Und sicher ist auch, dass der Naturschutzbund Sachsen-Anhalt (Nabu) das Projekt mit rechtlichen Mittel verhindern will, wie Landes-Geschäftsführerin Annette Leipelt betont.

Besagten Gedankenaustausch bewerten sowohl Groll als auch Dost positiv. Pamela Groll erinnert sich an ein "konstruktives Gespräch" und begrüßt, dass man nun beim Planungsstand und den beabsichtigten Details auf einem Stand sei - "wir haben uns geup­datet". LFB-Direktor Dost hebt hervor, dass es nun nicht mehr um die ursprünglichen 33 Hektar gehe, sondern lediglich noch um rund fünf Hektar im Landschaftsschutzgebiet oberhalb des Bodetals. Gleichwohl, so Dost, gebe es noch Rückfragen und Klärungsbedarf. Danach werde im LFB entschieden, ob das Land den Investoren die benötigten Waldflächen veräußere.

Doch ist die LFB überhaupt frei in ihrer Entscheidung? In der Vergangenheit war hinter vorgehaltener Hand immer davon die Rede, dass die Entscheidung längst eine politische sei und ganz oben angebunden bei Umweltminister Hermann Onko Aeikens (CDU).

Darauf setzt auch Nabu-Landesgeschäftsführerin Leipelt. Sie will Aeikens beim Wort nehmen und verweist auf ein Schreiben des Ministers vom September 2012 an den Nabu. Darin skizziert Aeikens nicht nur den damaligen Planungsstand, sondern schreibt: "Unabhängig von der aktuellen Sach- und Rechtslage habe ich im Hinblick auf die bestehende naturschutzfachliche Problematik nunmehr den LFB angeweisen, für den geplanten Baumwipfelpfad keine (Landes-)flächen bereitzustellen."

Bezieht sich diese Anweisung allein auf den damaligen Planungsstand oder ist es eine grundsätzliche Aussage des Ministers? Aeikens Vize-Sprecherin Jeanette Tandel erinnert daran, dass sich die Planungen seit 2012, als Aeikens sich so positionierte, verändert hätten. "Nun gibt es eine neue Situation, die zu prüfen ist." Hier sei die LFB am Zuge, dem Ministerium einen Vorschlag zu machen. Dann werde endgültig entschieden.

Damit bleibt die Entscheidung weiter offen und spannend. Nicht zuletzt, weil sich die Beteiligten an verschiedene Äußerungen des Ministers erinnern. Während Annette Leipelt an Aeikens Schreiben erinnert und zuletzt Ende 2013 vom Minister eine klare Absage an einen Verkauf gehört haben will, berichtet Thales Bürgermeister Thomas Balcerowski (CDU) von gänzlich anderen Zusagen seines Parteifreundes. Ministeriumssprecher Detlef Thiel wurde jüngst ebenfalls mit der Verkaufszusage zitiert. Vorausgesetzt, der Bebauungsplan für den Pfad hat rechtlichen Bestand. Und das wiederum will Nabu-Chefin Leipelt verhindern.

   

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