Federfarbe, Schnabelform, Haltung - all das ist wichtig, wenn sich Rassegeflügel den strengen Augen der Zuchtrichter stellt. In Langenstein präsentierten erfahrene und junge Züchter gleichermaßen die Ergebnisse ihrer Arbeit.

Langenstein l Ein bisschen ist es schon wie eine Miss- oder eine Mister-Wahl. Frisch gewaschen, Schnabel, Kamm, Kehllappen, Läufe und Zehen vorsichtig gefettet und die Federn fein geputzt, manchmal auch gefönt (wie im Fall der niedlichen Seidenhühner) präsentierten sich die Schönen in Langenstein und wetteiferten um die Gunst der Zuchtrichter aus dem Harzkreis. Gut versorgt mit Futter und Wasser nahm das Rassegeflügel gelassen den Besuch der großen und kleinen Gäste in der Turnhalle der ehemaligen Grundschule am Wochenende auf. Und nur gelegentlich machten die Hähne in unterschiedlichen Tonlagen darauf aufmerksam, wer hier am Sonnabend und Sonntag "Hahn im Korbe" ist.

Die Rassegeflügelschau in Langenstein fand mitten in der Ausstellungssaison statt, die von Mitte Oktober bis Januar/Februar dauert. Eine Zeitspanne, in der die Züchter nicht nur die Lorbeeren für ihre Züchtungen vor Ort ernten, sondern auch auf Reisen gehen, um ihre Zuchtergebnisse einer interessierten Öffentlichkeit zu präsentieren, eventuell weitere Auszeichnungen zu holen und sich mit Züchterkollegen anderer Vereine auszutauschen. Insgesamt waren bei der Ausstellung des Rassegeflügelzuchtvereins Langenstein von 1963 e.V. 390 Tiere in all ihrer Vielfalt und Farbenpracht zu sehen, wobei die Tauben das Gros der Tiere stellten, gefolgt von Enten, Hühnern und Zwerghühnern. Sie sind die eindrucksvollen Zuchtergebnisse von 44 Züchterinnen und Züchtern aus Langenstein, Aschersleben, Blankenburg, Börnecke, Büttenstedt, Danstedt, Dedeleben, Derenburg, Halberstadt, Harsleben, Pabstorf und Westerhausen.

Neun Mal wurde durch die Jury das Prädikat "vorzüglich" und 25 Mal das Prädikat "hervorragend" vergeben, berichtete nicht ohne Stolz Mike Giebel, der ab diesem Jahr dem Verein vorsteht. Jugendwart Holger Abel freute sich besonders, dass auch drei Jugendliche sich an der Schau beteiligt haben und Sonderpreise erhielten. Trotz allen Stolzes auf die eigene züchterische Leistung ist für Mike Giebel und seine Züchterkollegen in Langenstein klar, dass ohne die wertvolle Unterstützung von Sponsoren der Verein die Ausstellung nicht hätte stemmen können. Deswegen richtete er einen herzlichen Dank an alle Unterstützer.

So breit gefächert wie das Alter der 16 Mitglieder des Vereins (von 10 bis 76) sind auch deren Spezialisierungen bei der Geflügelzucht.

Dirk Schröder hat gemeinsam mit Wilfried Schröder und Gleichgesinnten 2010 den Erhaltungszuchtring für schwarze Sachsen-Hühner gegründet. Die Sachsen-Hühner sind auf der Roten Liste der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen e.V. (GEH) als "gefährdet" eingestuft. "Das wesentliche Ziel des Zuchtrings besteht in der Erhaltung dieser erstmals Ende des 19. Jahrhunderts gezüchteten, markanten Landhuhnrasse auf genetisch gesunder Basis", so der stellvertretende Vereinschef. Oder Marlies und Rüdiger Hoffmeister, die seit 1987 Mitglied im Verein sind. Sie züchten Brahmas gelb- schwarz - columbia und wurden für ihre Züchtungen mit vielen Auszeichnungen geehrt. Aber auch Familie Giebel kann sich sehen lassen. Während Mike Giebel sich erfolgreich auf Tauben spezialisiert hat, züchten seine Frau Seidenhühner und sein Sohn Christoph Zwerghühner. Und das mit Erfolg, wie die Bewertung der Zuchtrichter ergaben. Mike Giebel gewann sogar den Ehrenpreis "Langensteiner Band".

Und weil die Rassegeflügelzucht einfach zum Dorf dazu gehört, wie der Vereinschef sagte, ließen es sich Ortsbürgermeister Jürgen Meenken und seine Vorgängerin im Amt, Ursula Kirste (beide CDU), sowie Ortschronist Siegfried Schwalbe nicht nehmen, zu den ersten Gästen der Ausstellung zu gehören.

Essen und Trinken, ein musikalischer Frühschoppen mit der "Original Langensteiner Blasmusik" am Sonntag sowie eine Tombola mit Tier- und Sachpreisen rundeten die Rassegeflügelschau der kleinen, aber hoch motivierten Gemeinschaft ab.

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