Mitten in Europa gibt es Orte, in denen bitterste Armut herrscht. Guido Reuter (19) aus llsenburg hat diese Not in einem Roma-Dorf in Rumänien dokumentiert und damit zwei Filmpreise gewonnen.

Wernigerode l Im Studio des Offenen Kanals in Wernigerode ist noch nicht viel los. Kameras stehen herum, eine Wand ist mit einem grünen Tuch bedeckt - die Fläche wird später per Computer mit dem jeweiligen Hintergrund der Fernsehsendung ausgefüllt.

Guido Reuter ist 19 Jahre alt und absolviert derzeit eine Ausbildung zum Mediengestalter für Bild und Ton beim Offenen Kanal. 2013 hat der Ilsenburger eine Anfrage erhalten und sofort zugesagt: Der Verein "Kinderhilfe für Siebenbürgen" unterstützt seit vielen Jahren die Menschen in einem Roma-Dorf. Guido Reuter sollte dort einen Dokumentarfilm über einen Besuch von Schülern des Landschulheims Grovesmühle drehen.

Der 19-Jährige hat die Lebensverhältnisse in Rumänien mit der Kamera eingefangen, mit Menschen gesprochen und das Hilfsprojekt vorgestellt. Herausgekommen ist ein professionell produzierter Dokumentarfilm. Der Film hat schließlich auch die Jurys zweier Wettbewerbe überzeugt. Im Mai belegte Guido Reuter den ersten Platz beim Europapreis für Bürgermedien, kürzlich folgte der re-flect Kunst- und Kulturpreis.

Der Film überzeugte die Jury des Europapreises "mit einer präzisen Arbeit, mit beeindruckenden emotionalen Vor-Ort-Bildern und sehr gut in Szene gesetzten Interviews", hieß es in der Begründung der Preisverleihung. 70 Konkurrenten habe Guido Reuter beim Europapreis gehabt und etwa 50 beim re-flect-Preis, berichtet Ausbilder Sebastian Hösel.

Die Zustände in Sura Mare, wo das Kinderhilfe-Projekt angesiedelt ist, seien noch immer schlecht, sagt Guido Reuter. "Doch es wird erträglicher. Es gibt jetzt Strom und Wasser. Und die Leute bauen sich Steinhütten, das tut man nur, wenn man dort auch bleiben möchte."

Überall würden die Roma angefeindet. "Das Problem ist vor allem der Rassismus", sagt Guido Reuter. Roma würden kaum Arbeitsplätze in rumänischen Unternehmen erhalten. Sie müssten dann wiederum betteln, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. "Doch Betteln ist in Rumänien verboten. Immer wieder werden die Roma dann von der Polizei misshandelt", sagt der Ilsenburger.

In der Schule würde den Roma-Kindern oft Hass und Diskriminierung entgegengebracht werden, erzählt Guido Reuter. Dass die Kinder aber überhaupt eine Schule besuchen, ist in Rumänien bereits ein Fortschritt. Ihre Eltern sind oftmals Analphabeten.

Im Gedächtnis ist Guido Reuter vor allem der Kontrast zwischen der Stadt Sibiu und dem unmittelbar benachbarten Roma-Slum von Sura Mare geblieben. Sibiu gehört zu den wohlhabendsten Städten in Rumänien und kann auf einen andauernden Wirtschaftsaufschwung verweisen. "Es gibt keinen Kontakt zwischen den Menschen in Sibiu und den Roma", sagt Guido. "Wenn man dort steht, sieht man vorne die Hütten und dahinter die reiche Stadt."

Der etwa 15-minütige Film

"Roma - Europas arme Kinder" ist bei YouTube zu sehen: http://bit.do/TJgF

Unter www.ok-wernigerode.de findet Ihr den Offenen Kanal Wernigerode