Ein wichtiger Meilenstein ist geschafft: Für den geplanten Deersheimer Dorfladen ist eine Genossenschaft gegründet worden.

Deersheim l Es ist ein Modellprojekt weit über die Stadt Osterwieck hinaus. Auch in der Magdeburger Landesregierung schauen die Verantwortlichen auf die Initiative der Deersheimer, eigenständig eine Einkaufsmöglichkeit im Dorf zu schaffen. Zwei Jahre währten die Vorbereitungen, die ihren Anstoß durch das Projekt "ZukunftsWerkStadt" in Osterwieck erhielten. Dort hatte ein Fachmann aus Nordrhein-Westfalen solch ein Dorfladen-Konzept, das bundesweit in teils noch kleineren Orten als Deersheim bereits erfolgreich läuft, vorgestellt. In Sachsen-Anhalt sind die Deersheimer die Ersten.

Schon seit über einem Jahr konnten die Einwohner ihr Interesse an einer Mitgliedschaft in der Genossenschaft abgeben. 123 Personen, vereinzelt auch aus anderen Orten, hatten das getan. Zur Gründungsversammlung am Dienstagabend im "Dorfkrug" waren es 89 Personen, die ihre Unterschrift unter die zuvor verabschiedete Satzung setzten und damit Miteigentümer des Dorfladens werden wollen. "Das ist ein guter Anfang", schätzte Hans-Jürgen Müller ein. Er gehört zur zehnköpfigen Lenkungsgruppe, die die bisherigen Vorbereitungen koordiniert hat. Sie wird nun abgelöst vom Vorstand und Aufsichtsrat, der am Dienstag von den Mitgliedern gewählt wurde. Geschäftsfähig wird die Genossenschaft nach ihrer Eintragung, die vielleicht noch dieses Jahr erfolgen kann, wie Karina Nitz sagte. Die Rechtsanwältin aus Halle begleitet als Vertreterin des Fachprüfungsverbandes von Produktivgenossenschaften in Mitteldeutschland die Deersheimer bei der Gründung ihrer Genossenschaft.

Keine Überraschung war es, dass die Mitglieder der Lenkungsgruppe auch die Stützen in Vorstand und Aufsichtsrat bilden. Zum Vorstand gehören Karola Eichloff, Imke Junghans, Arnd Müller und Elke Selke. Einen Vorsitzenden wird es nicht geben, die Vier wollen gleichberechtigt agieren. Der Aufsichtsrat setzt sich aus acht Personen zusammen. Vorsitzender ist Ortsbürgermeister Wolfgang Englert, Stellvertreter Rüdiger Brandt, außerdem arbeiten in dem Gremium Reinhard Böhland, Andy Brandt, Doris Herrmann, Franziska John, Hans-Jürgen Müller und Gertraud Wolff mit.

Genossenschaft möchte Fördermittel einwerben

Die schwierigste Aufgabe steht den Deersheimern aber noch bevor. Der Aufbau des Dorfladens kostet etwa 150 000 Euro. Die Mitgliedsanteile ab 50 Euro leisten dazu einen Beitrag, die Genossenschaft kann auch Kredite aufnehmen, ohne Fördermittel wird das Vorhaben aber nicht zu stemmen sein. Elke Selke ist zuversichtlich, dass staatliche Zuschüsse eingeworben werden können. Sie arbeitet in der Wirtschaftsförderung des Landkreises und hat damit einen Überblick über mögliche Förderquellen. Wie es überhaupt eine Stärke von Vorstand und Aufsichtsrat ist, dass deren Mitglieder verschiedenstes Fachwissen, das zum Aufbau des Dorfladens benötigt wird, einbringen können.

Selke berichtete, dass die Initiative der Deersheimer auch in anderen Orten Beachtung finde. So habe ein Unternehmer seine Hilfe angeboten für die Ladeneinrichtung.

Das Geschäft soll in einem ehemaligen Stallgebäude auf dem Edelhof entstehen. Dieses wird von der Stadt Osterwieck zur Markthalle umgebaut. Zwei Bauabschnitte sind gelaufen, der letzte soll im Frühjahr beginnen. Die Auftragsvergabe für ein Gewerk steht auf der Tagesordnung der Stadtratssitzung am 13. November.

Die Stadt saniert jedoch nur die Gebäudehülle. Für die Ladeneinrichtung ist später die Genossenschaft zuständig.

Der Dorfladen soll neben der Grundversorgung mit Waren des täglichen Bedarfs auch Dienstleistungen vorhalten. Zum Beispiel einen Paketdienst, Apotheken-Bringedienst, Internetnutzung sowie ein Café. Daneben ist eine wöchentliche medizinische Sprechstunde in dem Gebäude ein Wunsch der Einwohner. Für den Ladenbetrieb wird mit vier Beschäftigten gerechnet.

Derweil wird die Genossenschaft weiter auf Mitgliederwerbung gehen. So will sie sich beim Karnevalsauftakt am 15. November und zur Weihnachtsfeier am 29. November präsentieren.

Neugeborene bekommen Mitgliedschaft geschenkt

Ortsbürgermeister Englert hat unterdessen angekündigt, dass er jedem Deersheimer Neugeborenen, der von Januar 2014 bis zum Ende der Amtszeit 2019 geboren ist, einen Mitgliedsanteil von 50 Euro schenkt. Dafür verwendet er den Betrag, um den seine Aufwandsentschädigung im Sommer erhöht wurde.

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