Säurefraß bedroht im Historischen Archiv Halberstadt den Aktenbestand aus der Zeit von 1945 bis 1990. Im Rahmen eines Modellprojekts sollen die Dokumente gesichert werden.

Halberstadt l Kostspielig ist die Sicherung alter Schriften und Akten im Historischen Stadtarchiv Halberstadt. Zu den Schätzen der Einrichtung gehören nicht nur fast 1000 Jahre alte Urkunden wie die von König Heinrich IV. aus dem Jahr 1068, die die Privilegien und Rechte der Halberstädter Kaufleute bestätigt. Akut im Bestand gefährdet sind Dokumente aus neuerer Zeit, aus den Jahren von 1945 bis 1990. Für deren Rettung hat das Historische Archiv Fördergelder erhalten.

72 laufende Meter Akten, die die Entwicklung Halberstadts nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Wiedervereinigung 1990 dokumentieren sind stark gefährdet - 45 Jahre Zeitgeschichte. Der Säurefraß droht sie auszulöschen. Archiv-Chefin Franziska Schumacher: "Die Akten bestehen zu etwa 75 Prozent aus Thermo- beziehungsweise Ormigpapieren, diese unterliegen dem endogenen Zerfall." Damit ist die Stabilität und die Lesbarkeit der Informationen in den Papieren nicht dauerhaft gewährleistet. Kurz gesagt, die Tinte zerfällt. Dieser Prozess kann zwar nicht völlig gestoppt aber durch ein spezielles Entsäuerungsverfahren wesentlich verlangsamt werden, berichtet Franziska Schumacher.

Die Mitarbeiterinnen des Stadtarchivs Halberstadt haben frühzeitig die Alarmglocke geläutet und sich bei der Koordinierungsstelle für die Erhaltung des schriftlichen Kulturguts (KEK) bei der Stiftung Preußischer Kulturbesitz um entsprechende Gelder zur Finanzierung der Rettungsaktion beworben - erfolgreich. Vor Kurzem ist von der Staatsbibliothek Berlin, wo das KEK angesiedelt ist, ein Fördermittelbescheid in Höhe von 33 805,28 Euro im Rathaus Halberstadt eingetroffen. Angesichts der angespannten Haushaltslage und einer 100-prozentigen Förderung hat der Stadtrat Halberstadt grünes Licht für das Modellprojekt gegeben.

Gut die Hälfte des Gesamtbestandes - 30 laufende Meter - können mit dem Geld gesichert werden. Franziska Schumacher und ihre Kollegin Anette Bartl haben die Papiere bereits an das Zentrum für Bucherhaltung GmbH Leipzig übergeben. Nach der Entsäuerung erfolgt durch Mitarbeiter der Firma die bestandserhaltene Verpackung der Akten. "Bereits im Dezember soll die Aktion abgeschlossen und die Dokumente wieder nach Halberstadt zurückgekehrt sein", sagt Franziska Schumacher.