Eine besondere Begegnung für einen ehemaligen Baderslebener in seinem Afrika-Urlaub. Unvermittelt entdeckt er die Fahne seines Heimatortes und erfährt eine spannende Geschichte.

Badersleben l Harald Hohmann staunte nicht schlecht, als er am Rande der Wüste Namib mitten in Afrika eine Fahne von Badersleben entdeckte. "Ich war mit vier Freunden unterwegs durch Namibia. In der Gästefarm `Klein-Aus Vista` machten wir Halt. Plötzlich erkannte ich in dem dazugehörigen Restaurant die Fahne von Badersleben."

Der Besitzer der Farm, Piet Swiegers, sei mindestens ebenso erstaunt gewesen, dass ein Besucher diese Fahne kennt. Hohmanns erste Vermutung, dass einer der Gäste die Fahne mitgebracht hatte, löste sich schnell auf, als er mit Piet Siegers ins Gespräch kam. Dieser ist in Afrika geboren und wusste lange Zeit nicht viel von seinen Vorfahren. Wegen seines Namens habe er zunächst vergeblich in Richtung Holland recherchiert. Doch er habe nicht aufgegeben und weitergesucht. Auf der Suche nach seinen Wurzeln habe er dann vor etwa drei Jahren den Ort Badersleben besucht und sei in der dortigen evangelischen Kirche fündig geworden. Schließlich habe er die Taufurkunde seines Großvaters in den Händen gehalten.

Der Vorsitzende des Heimatvereins von Badersleben, Dietmar Küchenmeister, erinnert sich noch recht gut an den Besuch aus Namibia. "Er wollte alles sehen und wissen, Tierarztmuseum, Kirchen und Heimatmuseum." Und er habe eben auch besagte Fahne mit nach Afrika genommen. Küchenmeister blättert in einer Chronik aus dem Jahr 1724. Hier sind alle damaligen Hausbesitzer von Badersleben aufgeführt. Darunter befindet sich auch der Name der Schwiegers, die Vorfahren des Piet Swiegers. Das "ch" im Namen ist irgendwann auf der Strecke geblieben. Im Zusammenhang mit einem Haus Nummer 58 (Nähe Spieltor) tauchen in der Chronik die Namen Johann, Conrad und Marcus Schwiegers auf. Von Piet Swiegers selbst hat Dietmar Küchenmeister erfahren, dass dieser von Johann abstammt. Fest stehe auch, dass Johann im Jahr 1756 ausgewandert ist. Sein erstes Zeil sei Südafrika gewesen, erst später habe er in Namibia in der Nähe von Lüderitz seine endgültige neue Heimat gefunden.

Ob Bruder Conrad und dessen Sohn Marcus mitgegangen sind, bleibt Spekulation. Fakt sei jedoch, dass nach 1757 der Name Schwiegers in der Baderslebener Chronik nie wieder auftaucht, hat Dietmar Küchenmeister festgestellt.

Für den ehemaligen Baderslebener Harald Hohmann war diese Begegnung mit Piet Swiegers in Namibia höchst spannend. "Da reist man um die halbe Welt und trifft auf ein Stück Heimat." Anders als Swiegers hat Hohmann, der erst kürzlich zum 40jährigen Abitur in Badersleben weilte, immer noch guten Kontakt zur ehemaligen Heimat.

Piet Swiegers habe versprochen, wiederzukommen, sagt Küchenmeister und fügt hinzu: "Wir haben Adressen und Telefonnummern ausgetauscht."