Die Suche nach Fachleuten und deren langfristige Unternehmensbindung hat im Mittelpunkt des diesjährigen Tourismustages gestanden. 160 Vertreter aus Tourismus und Politik haben in Halberstadt über Wege aus dem Fachkräftemangel diskutiert. Zudem wurde der Tourismuspreis verliehen. Jubeln können unter anderem die Halberstädter.

Halberstadt l Das Problem wird mehr und mehr zum allgegenwärtigen: Fachkräftemangel. Betriebe sorgen sich nicht erst seit gestern um gleichsam fachkundigen wie motivierten Nachwuchs und unternehmen immer mehr Klimmzüge, um den internen Pool aufzufüllen. Vor selbigem Problem sieht sich die Tourismusbranche. Jahr für Jahr wird es vor allem in der Saison schwieriger, die offenen Stellen zu besetzen.

In Sachsen-Anhalt haben jüngst mehr als 43 Prozent von gut 1200 befragten Unternehmen aus Tourismus, Gastronomie und Beherbergung ihre Stellen nicht mehr mit ausreichend qualifiziertem Personal besetzen können. Immer häufiger, so eine Studie der Investitions- und Marketinggesellschaft, werde notgedrungen auf ungelernte Kräfte gesetzt, intern umstrukturiert oder mit offenen Stellen agiert. Obendrein entspinnt sich neben dem Wettbewerb um Gäste mehr und mehr der Wettlauf um Mitarbeiter.

Grund genug, das Thema Fachkräftesicherung beim diesjährigen Tourismustag in den Fokus zu rücken. 160 Branchenvertreter diskutierten am Mittwoch im Hotel "Villa Heine" über Wege aus der Misere. Vor der Debatte und einem Vortrag von Klaus Kobjoll vom Nürnberger Hotel Schindlerhof konnten sich die Gäste des Verbandstages auf persönliche Spurensuche begeben. Neben zwei Hotels in Quedlinburg und Wernigerode verriet Peter Dräger vom Autohaus Schubert-Motors in Halberstadt Geheimnisse in punkto Mitarbeitermotivation und -bindung.

Es gehe, so der Tenor des Geschäftsführungs-Assistenten, nicht nur darum, die Kunden mit "Wohlfühlklima" zu verwöhnen und die preisintensive Entscheidung Autokauf für sie als Erlebnis zu inszenieren - Gleiches gelte, bezogen auf das Arbeitsumfeld, auch für die Mitarbeiter. Für Dräger ist die konsequente Suche nach Nachwuchs und deren "Pflege" über den Lehrabschluss hinaus nur logische Konsequenz.

Binnen 25 Jahren sei das einst in Oschersleben gestartete Kleinunternehmen zu einem der deutschlandweit großen BMW-Vertragspartner gewachsen. "In unseren acht Standorten in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen sind rund 300 Mitarbeiter beschäftigt, Jahr für Jahr kommen zwei bis drei Dutzend Auszubildende hinzu", so Dräger. Die Abbrecherquote sei - auch dank vorheriger Praktika - gering, das Ziel glasklar: "Eigengewächse sind unser Trumpf".

Servicemechaniker Lutz Schade ist zwar kein solches Eigengewächs - der 44-jährige Dardesheimer kann aber Vergleiche ziehen. Ursprünglich in Halberstadt ausgebildet, arbeitete Schade viele Jahre in Braunschweig. Seit vier Jahren ist er bei Schubert-Motor tätig. "Der Motivationsfaktor ist etwa vergleichbar mit Braunschweig, die sozialen Komponenten und die Kameradschaftlichkeit sind hier aber eindeutig besser."

Faktoren, die auch der Nürnberger Hotelier Klaus Kobjoll in seinem gleichsam spritzig-interessanten wie emotional und humorvoll präsentierten Referat rund um das Thema Motivation in den Mittelpunkt rückte. Kobjolls Credo: "Nur begeisterte Mitarbeiter machen aus den Gästen Fans". Deshalb dürften die Unternehmer neben den Wünschen der Gäste auch die Bedürfnisse ihrer Teams nie aus den Augen verlieren. Andernfalls drohten sie im Wettlauf um Mitarbeiter schnell ins Hintertreffen zu geraten, so Kobjoll, der sich selbst als Begeisterungsmanager sieht und die Zuhörer in der Villa Heine sichtlich mitzureißen wusste.

Höhepunkte der Verbandstagung waren die Auszeichnung von 28 Unternehmen aus der Tourismusbranche des Landes mit dem Prädikat "ServiceQualität Deutschland" und am späten Abend die Verleihung des Tourismuspreises "Vorreiter" 2014 durch Wirtschaftsminister Hartmut Möllring (CDU). Eine Jury hatte aus 32 Bewerbern zunächst zehn in die engere Wahl genommen. Mit dem Team der Halberstadt-Information, das für die Halberstadt-App mit einem Sonderpreis geehrt wurde, konnten auch Harzer auf das Treppchen klettern.

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