Bald ist sie fertig: Die historische Fachwerkfassade für das Gleimhaus. In der Ströbecker Zimmerei ist das Schmuckstück schon zu bewundern.

Halberstadt l "Eine Fachwerkfassade wandert" heißt das ehrgeizige Projekt von Lions-Club, Stadtverwaltung, Aus- und Weiterbildungs GmbH (AWZ), Volksbank und nicht zuletzt Zimmerermeister Gordon Adams aus Ströbeck. Der hat einen großen Anteil am Gelingen des Vorhabens. Schließlich obliegt es seinem Geschick, ob die derzeit recht triste Fassade des Gleimhaus-Anbaus bald einen schmucken Anblick bietet. Die Chancen dafür stehen gut, wie sich die Akteure dieser Tage selbst überzeugen konnten. Zimmerer Adams hatte nach Ströbeck eingeladen, um zu zeigen, wie weit er und seine beiden mit dem Projekt befassten Mitarbeiter bereits gekommen sind.

Ziemlich weit, lobte Adams: "Die Jungs sind fleißig." Das zwölf Meter breite Erdgeschoss ist bereits fertig, das Obergeschoss ist in Arbeit. Die meisten Teile stammen von dem früher im Westendorf 38a stehenden, gut 500 Jahre alten Fachwerkhaus, das vor zehn Jahren in sich zusammengestürzt war. Lions, Stadt und Volksbank gemeinsam bringen die rund 84 000 Euro auf, damit das alte Fachwerk restauriert und vor der Gleimhaus-Fassade angebracht werden kann.

Mit dem Aufbau könnte theoretisch noch im Dezember begonnen werden. Doch Adams warnt davor. Denn dann kämen Betriebsferien und vielleicht auch winterbedingter Stillstand auf der Baustelle, Gerüst und halbfertige Fassaden würden über die Weihnachtsfeiertage stehen bleiben. Das soll nicht geschehen, und so wird wohl erst im März, wenn sich der Winter wirklich verabschiedet hat, der Aufbau beginnen. Im Mai muss alles fertig sein. Dann feiert der Halberstädter Lions-Club seinen 25. Geburtstag, die Fassade ist sein Geschenk an sich und die Halberstädter.

Ob die Fassade weitere 500 Jahre stehen wird, das weiß Jens Klaus, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, natürlich nicht. Aber eine Zukunft hat sie bestimmt. Eigentlich sollte an der Ostseite des Gleimhauses weitergebaut werden, eine Bibliothek war vorgesehen. Daraus wurde nichts, und dass in absehbarer Zeit ein Investor die Brache am Osthang des Domplatzes bebaut, damit rechnet Klaus nicht.

Also bauen Adams und sein Team für die Ewigkeit - oder zumindest für sehr lange. Da nicht alle Einzelteile des Originalfachwerks gerettet werden konnten, behilft sich der Zimmerer mit "neuem alten" Holz von einer Scheune, die abgerissen wurde. Dass alles an seinen richtigen Ort kommt und am Ende so aussieht wie früher, dafür sorgen Fotos, die die alte Fassade in ihrem ursprünglichen Zustand zeigen. Der Fassadenbau selbst ist für die auf Restaurierung spezialisierten Ströbecker nichts Besonderes, sagt Gordon Adams. Außergewöhnlich ist nur der Umfang des Projektes: "Eine komplette Fassade ist schon ungewöhnlich."

 

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