Schwanebeck l Die Infoveranstaltung zur eventuellen Übergabe der Johanniskirche in die Hände des Schwanebecker Heimatvereins hat 30 Bürger, darunter sieben Gemeinderäte, in den Versammlungsraum der Familie Thölert gelockt.

Architekt Jörg Gardzella, der gleichzeitig im Bauausschuss der Kirchengemeinde tätig ist, stellte den Anwesenden den Zustand der Kirche vor. "Es gibt derzeit statische Probleme an der Nord- und der Westseite", erläuterte Gardzella. "Daher sind Bauarbeiten vorgesehen. Zunächst wird der Stützpfeiler an der Nordseite abgetragen und saniert." In der Summe investiere die Kirchengemeinde knapp 50000 Euro in die Arbeiten. Das seien notwendige Investitionen, zu denen man als Eigentümer verpflichtet sei. Gardzella nahm kein Blatt vor den Mund. "Das sind Ausgaben für eine Kirche, die eigentlich niemand mehr braucht", äußerte er offen. "Die evangelische Gemeinde nutzt bereits die Petrikirche." Das Gotteshaus im ehemaligen Dorf Büblingen stelle im derzeitigen Zustand eine Belastung dar, die notfalls auch durch einen Abriss aus der Welt zu schaffen sei.

Pfarrer Christian Plötner klärte die Besucher darüber auf, dass es nicht die Absicht der Kirchengemeinde sei, diesen endgültigen Schritt auch wirklich zu gehen. "Die Sanierungsarbeiten beginnen nicht sofort, daher gibt es genug Zeit, über eine Übernahme durch den Heimatverein nachzudenken", sagt er. Gardzella setzte hinzu, dass die Gemeinde sehr interessiert an dieser Variante sei und sogar noch bereit wäre, eine Geldsumme für die weiteren Sanierungsarbeiten zur Verfügung zu stellen. "Über die Höhe der Mittel muss man sich unterhalten", sagte er. Plötner warf ein, dass ein eventueller Abriss nicht plötzlich erfolge, sondern Jahre der Vorbereitung und Abstimmung mit den entsprechenden Behörden nötig seien.

Jürgen Kreißig, der stellvertretende Vorsitzende des Heimatvereins äußerte sich spontan dazu: "Geben sie uns das Geld, welches sie für den Abriss aufbringen müssen, und wir übernehmen das Gotteshaus sofort." So einfach stellte sich die Lage für die Anwesenden aber nicht dar.

Genaue Aussagen zu den Kosten bleiben aus

Vereinsmitglied Uwe Hoffmann befand: "Solch eine Übernahme bricht uns das Genick. Man muss allein die monatlichen Kosten sehen." Auf Volksstimme-Nachfrage konnte Jörg Gardzella diese allerdings nicht genau beziffern. Hoffmann, der als Immobilienverkäufer tätig ist, veranschlagte grob runde 1000 Euro. Die Aussage sorgte dafür, dass eifrig diskutiert wurde. Auch Mitglieder des Heimatvereins äußerten ihre Bedenken.

Der stellvertretende Bürgermeister, Benno Liebner (Freie Wähler Nienhagen), machte auf die Statuten des Heimatvereins aufmerksam. "Nach einer eventuellen Auflösung des Vereins würde das Grundstück an die Stadt fallen", erörterte er. "Damit geht das Thema uns alle an." Gemeinderatsmitglied Norbert Schade (Die Linke) verwies auf die klamme Haushaltslage von Schwanebeck. Letztendlich empfahl Liebner dem Verein, erst einmal intern über die Verfahrensweise abzustimmen. "Sollte es zu einem Votum für die Johanniskirche kommen, kann das Konzept dem Gemeinderat vorgestellt werden. Auch eine Bürgerbefragung wäre dann empfehlenswert."

Eine genaue Vorstellung, welche Summen eine komplette Sanierung kosten würde, wurde nicht geäußert. "Wir würden Schritt für Schritt vorgehen wollen", meinte Jürgen Kreißig. Auf der nachfolgenden Sitzung des Heimatvereins gab es denn auch keine Entscheidung zu dem Vorhaben. "Wir sprechen im nächsten Jahr noch einmal darüber", informierte Kreißig. "Genug Zeit dafür haben wir eingeräumt bekommen."