Halberstadt l "Wie hoch der Sanierungsbedarf tatsächlich sein würde, das habe ich damals, ehrlich gesagt, unterschätzt", sagt Volker Lind. Der Dombaumeister steht gemeinsam mit Gunter Elzner vor dem Gerüst, das der kleinen provisorischen Lagerhalle Stabilität verlieh. Die Holzplanken sind schon weg, das Gerüst wird spätestens zum Jahresende abgebaut sein. "Dann ist die hässliche E-Box endlich weg", sagt Gunter Elzner. Als Vorsitzender des Fördervereins Dom und Domschatz zu Halberstadt hatte er es sich ganz perönlich zum Ziel gesetzt, die mit den Jahren immer unansehnlicher werdende "Lagerhalle" schnellstmöglich abzubauen.

Immerhin zehn Jahre stand die graue Hülle im Garten des Kreuzgangs, versperrte den Blick auf die Neustädter Kapelle, nahm dem hübschen kleinen Brunnen die Wirkung. Aber damals wurde sie gebraucht. Anlass war die Sanierung des unteren Kreuzganges, die im Vorgriff auf die Umgestaltung der Domschatzpräsentation notwendig war. Aber wohin sollten die steinernen Grabmale, die an Domherren und Bischöfe erinnerten? Sie hatten bis ins 19. Jahrhundert hinein im Dom gelegen, waren dann im Kreuzgang aufgestellt worden. Feuchtigkeit, Streusalz - all das hinterließ sichtbare Spuren an den Epitaphen. Bevor man sie in den Kreuzgang zurückbringen konnte, sollten sie restauriert werden.

Keine leichte Aufgabe für die mit dieser Arbeit betraute Diplomrestauratorin Corinna Grimm. Immerhin 30 der Steinepitaphe lagerten in dem Provisorium. "Das war Absicht, damit die Epitaphe nicht irgendwo liegen, sondern im Blick bleiben", erklärt Lind die damalige Entscheidung für die Lagerung im Domgarten. Und so war es denn auch, irgendwann nervte der Anblick Besucher, Mitarbeiter und Vereinsmitglieder. Die riefen 2010 die Aktion "Die E-Box muss weg" ins Leben und machten sich intensiv ans Spendensammeln.

"Keiner dachte damals, dass wir das stemmen. Schließlich hatten wir kurz zuvor ja für den Dachreiter rund 80 000 Euro gesammelt. Und nun schon wieder so ein Großprojekt", sagt Gunter Elzner. Das Geld kam zusammen. "Wir haben Firmen gefunden, die Großspender waren, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz beteiligte sich und auch die Domstiftung übernahm nennenswerte Summen. Dazu kommen sehr viele kleinere Spenden, die am Ende die Restaurierung der 30 Epitaphe erlaubten. Und zum Glück hat es Corinna Grimm geschafft, die Arbeiten an den Grabmalen noch in diesem Jahr fertigzustellen."

Noch liegen einige der restaurierten Steinplatten verpackt im Kreuzgang, spätestens im Frühjahr werden sie auf die bereits vorhandenen Sockel gestellt. Andere warten noch auf eine Restaurierung, sie waren damals in der Stephanuskapelle gelagert worden. "Um die werden wir uns als Verein wohl vorläufig nicht kümmern können, unser nächstes Projekt ist die Restaurierung eines großen Holzepitaphs im Dom", erklärt Elzner.

Und der Kreuzganggarten? "Der wird erstmal nur wieder in den alten Zustand versetzt", erklärt Dombaumeister Lind. Es gibt zwar Pläne seitens der Kirchengemeinde, den Garten umzugestalten und besser für Veranstaltungen nutzbar zu machen, aber diese Ideen werden wohl warten müssen.

"Für die vorgesehene Gestaltung des Domgartens fehlt uns das Geld für die Planung und auch für die Ausführung. Über einen Zeitpunkt der Umsetzung des Vorhabens kann ich deshalb noch keine Aussagen treffen", sagte dazu auf Nachfrage Ralf Lindemann, Direktor Bau und Liegenschaften der Stiftung Dome und Schlösser in Sachsen-Anhalt.