Wernigerode/Schierke l 27. März 1899, 14. August 1961, 3. Dezember 1989 und 15. September 1991 - vier historische Daten rund um die Brockenbahn: Nach ihrer Eröffnung im Jahr 1899 setzte ein wahrer Besucheransturm ein, der auch nach dem Zweiten Weltkrieg anhielt. Im August 1961 dann das jähe Ende. Einen Tag nach dem Bau der Berliner Mauer wurden der Brocken und das umliegende Areal zum Grenzsperrgebiet, in dem keine Dampfbahn mehr rollen durfte. Gut 28 Jahre später - am 3. Dezember 1989 - erzwangen die Bürger wieder den Zutritt zum hermetisch abgeriegelten Brockenplateau und machten so den Weg frei für die Wiederaufnahme des Bahnverkehrs. Knapp zwei Jahre später war es soweit, im September 1991 schnaufte der erste Zug hinauf auf 1141 Meter.

Wenn sich am morgigen 25. Jahrestag der friedlichen Brockenöffnung Tausende Wanderer aufmachen in Richtung Brocken, um dieses Ereignis zu feiern, herrscht auch bei den Harzer Schmalspurbahnen (HSB) Feststimmung. "Der 3. Dezember ist für uns ein ganz bedeutendes Datum. An diesem Tag wurde nicht nur die Weiche für die Wiederaufnahme des Brockenbahn-Betriebs gestellt, sondern auch die Basis für die Gründung der HSB geschaffen", erinnert Unternehmenssprecherin Heide Baumgärtner.

Dabei sahen die Zeichen nach dem Mauerbau 1961 ziemlich düster aus. Der Personenverkehr Richtung Brocken wurde eingestellt, der neue Endbahnhof hieß nun Schierke. Doch selbst dieser Ort war aufgrund seiner Lage im Grenzgebiet nur noch eingeschränkt zugänglich. Gänzlich unerreichbar blieb für Bürger aus Ost wie West der Brocken als "Sehnsuchtsberg".

Erst mit dem Fall der Brockenmauer - am morgigen Mittwoch vor 25 Jahren - gab es die Hoffnung, die Brockenstrecke aus dem Dornröschenschlaf zu erwecken. 28 Jahre lang hatte die Brockenbahn bestenfalls für logistische Transporte rauf aufs abgeschottete Plateau gedient.

Michael Ermrich, fast 20 Jahre lang Landrat in Wernigerode und im Harz, gehörte zu jenen, die damals die Chance erkannten und nutzten. Er holte im März 1991 alle am Streckennetz liegenden Kreise und Kommunen an einen Tisch, um über die Zukunft der einzigartigen Schmalspurbahnen im Harz zu diskutieren. Die Anrainer und später auch die Länder Sachsen-Anhalt und Thüringen waren sich einig: Alle Strecken im Harz - einschließlich der zum Brocken - sollen erhalten werden.

Es ging zügig voran. Am 17. Juni 1991 begann die Sanierung der Brockenbahn. Nach nur drei Monaten war am 15. September der lang ersehnte Augenblick da: Die Brockenstrecke wurde nach rund 30 Jahren Stillstand mit zwei Sonderzügen offiziell wiedereröffnet, am 1. Juli 1992 begann der Regelbetrieb.

Passend zum Jubiläum serviert die HSB am morgigen Mittwoch ein besonderes Bonbon: Zur Feier des Tages kostet das Brockenticket 25 Euro - gültig ab allen Einstiegsbahnhöfen einschließlich Rückfahrt.

Mehr im Internet unter www.hsb-wr.de

 

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