Das Aktionsbündnis "Landkreis Harz inklusiv" will seinen Zielen mit Hilfe von sechs Arbeitsgruppen näherkommen. Die erste Vollversammlung hat einstimmig eine Geschäftsordnung beschlossen und ihre Vorstellungen in einer Willensbekundung präzisiert.

Halberstadt l Das Bündnis setzt sich für die in der UN-Behindertenkonvention genannten Menschen ein mit dem Ziel, ihre Rechtsansprüche umzusetzen und ihre umfassende Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen. Angestrebt wird ein umfassender Aktionsplan für den Harz-Kreis.

"Wir müssen die Barrieren in den Köpfen abbauen" sagte Landrat Martin Skiebe (CDU) am Mittwoch bei der ersten Vollversammlung im Halberstädter Rathaus. Man sollte sich dabei auf Themen konzentrieren, die in Verantwortung der Kreisverwaltung oder seiner Bündnis-Mitglieder liegen.

Zuvor gab es ausführliche Diskussionen über vorgetragene Ergänzungs- oder Änderungswünsche zur Geschäftsordnung und der Willensbekundung der Vollversammlung. Das Bündnis will Visionen, Aufgaben und Ziele erarbeiten und konkrete Handlungsfelder ableiten. Dazu sind sechs Arbeitsgruppen gebildet worden. Diese befassen sich mit den Schwerpunkten Teilhabe am Arbeitsmarkt, Barrierefreiheit und Mobilität sowie Gesundheit und Pflege. Auch um Bildung und Erziehung, Kultur, Freizeit und Sport sowie selbstbestimmtes Leben geht es in den Gremien. "Menschen mit Beeinträchtigungen sollten alle Barrieren abgeräumt werden, um möglichst ohne fremde Hilfe am täglichen Leben teilnehmen zu können", sagte Robert Richard vom Referat Behindertenhilfe im Ministerium für Arbeit und Soziales. Der Landesaktionsplan umfasse 164 Punkte, wobei aktuell der Arbeitsmarkt ein Schwerpunkt sei.

Eine anspruchsvolle Aufgabe sei es jetzt, alle 1600 Normen des Landes auf ihre Tauglichkeit entsprechend der UN-Konvention zu überprüfen. "In Halberstadt ist das neue Spielemagazin ein gutes Beispiel für die Einbeziehung der Behinderten", hob der Redner hervor.

In den Medien sei dem Thema schon Aufmerksamkeit geschenkt worden. Das Land wolle 2015 seinen Internetauftritt barrierefrei gestalten. Die integrative Kinderbetreuung soll wohnortnah umgesetzt werden. Unterstützung von integrativem Schulunterricht sowie entsprechenden Angeboten an den Hochschulen seien weitere Schwerpunkte im Land.

"Die Vision sollte sein, bis 2025/2030 alle Hindernisse zu beseitigen."

Detlef Eckert, Bündnis-Vorsitzender

Einen "Aufbruch beim Denken in den Ämtern und Gremien" forderte der neu gewählte Vorsitzende des Aktionsbündnisses Detlef Eckert. Bereits 2006 sei die UN-Konvention beschlossen worden. "Andere bauen beim Bau Barrieren auf, die müssen weg." Anders als auf Bundesebene hätten hier die Betroffenen den Aktionsplan in der Hand. Zunächst müsse es eine ehrliche Analyse geben. "Die Vision sollte sein, bis 2025/2030 alle Hindernisse zu beseitigen, damit später solch ein Bündnis nicht mehr nötig ist", so Eckert. Man werde zwar nicht alles gleichzeitig schaffen. "Die Kostenfragen lasse ich aber nicht gelten", betonte Detlef Eckert.

Die Arbeitsgruppen sollen jetzt konkrete Schritte mit einem Zeithorizont vorschlagen. Ende 2015 werden ein Zwischenbericht erwartet und der erste Entwurf des Inklusions-Bündnisses für Dezember 2016 angestrebt. Der Halberstädter: "Das ist ein ehrgeiziges Ziel."