Osterwieck l Die Flammen schlugen schon aus dem Dach, als zunächst die Osterwiecker Feuerwehrleute an den Brandort kamen. Um 2.17 Uhr war der Alarm ausgelöst worden. Dass das Feuer abseits der Osterwiecker Wohnbebauung zu nachtschlafender Stunde überhaupt entdeckt wurde, "war purer Zufall", berichtete Stadtwehrleiter Frank Kenzig. André Bindseil, der Hessener Ortswehrleiter, sei gerade über die B 6 und Schauen von einer Dienstfahrt zur Fundtierunterkunft zurückgekommen, als er die Flammen sah und die Diensthabenden in der Kreis-Leitstelle informierte. Dadurch wurde wohl noch größerer Schaden am betroffenen Gebäude sowie möglicherweise auch an der Nachbarhalle der Firma Degu, in der zu dieser Zeit die Nachtschicht arbeitete, verhindert.

Einsatzkräfte aus Osterwieck, Berßel, Bühne, Lüttgenrode und Schauen hatten nach etwa zwei Stunden das Feuer gelöscht. "Einige haben wir dann nach Hause geschickt, ein Teil musste ja am Morgen zur Arbeit", berichtete Kenzig. Abgeschlossen war der Einsatz gegen 8 Uhr.

Schwierig sei für die Feuerwehrleute gewesen, dass die 45 mal 50 Meter große Halle völlig verraucht war und sie nicht wussten, was sich darin befindet. Drei Gasflaschen wurden letztendlich herausgeholt. Auch ein Gabelstapler und ein Kleintransporter standen in dem Raum. Polizeisprecher Peter Pogunke nannte außerdem Mobiliar, eine Musikanlage, mehrere Laptops, ein Pocketbike, eine Lichtanlage sowie ein Beamer und andere Gestände, die ein Raub der Flammen wurden.

"Heimspiel" heißen die Partys in der Halle, deren fünfte Auflage am Wochenende über die Bühne gehen sollte. "Ich dachte, ich träume", sagte Mitbetreiber Julian Duy aus Osterwieck über den Moment, als er in den frühen Morgenstunden geweckt wurde. Er fuhr gleich zum Brandort. Sein Partner Hagen Preuße aus Quedlinburg kam später ebenfalls vor Ort. Zum Glück, so die beiden, sei die Halle für die nächste Party noch nicht komplett eingerichtet gewesen.

Fieberhaft bemühten sich die Veranstalter noch am Vormittag, in der Region einen neuen Ort für ihre Party, zu der gewöhnlich Gäste aus einem Umkreis von 100 Kilometern kommen, zu finden. Den Standort in Osterwieck wolle man aber grundsätzlich nicht aufgeben, blickte Preuße voraus. Er geht von einer Sanierung des Gebäudes, das die Veranstalter von der Firma Degu gepachtet haben, aus.

Ob es dazu kommt, ließ Siegfried Fiedler, Geschäftsführer der Degu Silikon Elastomer Kunststofftechnik und Gummiverarbeitung GmbH, am Dienstag offen. "Ich muss jetzt erstmal abwarten, was die Brandermittler herausfinden. Und dann geht es um die Frage, ob die Halle statisch zu halten ist und was die Sanierung kostet", sagte er. Früher seien die Gummi- und Silikon-Spritzguss-Produkte auch in dieser Halle gefertigt worden. Aktuell werde sie lediglich als Lager oder eben für Veranstaltungen genutzt.

Polizeisprecher Pogunke bezifferte den Gesamtschaden unter Berufung auf die Geschädigten auf etwa 150 000 bis 200 000 Euro.

Hinweise zur Brandursache liegen bisher nicht vor. Spezialermittler gingen am Dienstagvormittag auf Spurensuche. "Ein schlüssiges Ergebnis liegt noch nicht vor", erklärte Pogunke. Die Polizei sucht Zeugen. Sie werden gebeten, sich an das Polizeirevier Harz, Telefon (0 39 41) 67 41 93, zu wenden.

Auf dem Degu-Gelände am Stadtrand hat es übrigens nicht zum ersten Mal gebrannt. Im Dezember 2007 zerstörte ein Feuer die Nachbarhalle, in der jetzt wieder produziert wird. Es entstand ein Millionenschaden. Damals war laut Geschäftsführer ein Maschinenbrand die Ursache.

Erst am zurückliegenden Wochenende hatte es in Osterwieck eine größere Brandstiftung gegeben, als Abfallkübel in der Mauerstraße brannten und das Feuer auf die Fassade eines Mehrfamilienhauses übergegriffen hatte.

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