Wenn der Applaus verklungen ist, wuseln sie auch sichtbar über die Bühne, die Mitarbeiter von Requisite und Bühnentechnik des Nordharzer Städtebundtheaters. Bei den Doppelvorstellungen in der Vorweihnachtszeit ist das manchmal ein Kampf gegen die Uhr.

Halbertadt l "Lass doch den Vorhang runter", sagt Gerlinde Glendenberg. Doch Marko Lohmann schüttelt nur den Kopf und drückt auf einen anderen Schalter. "Wir machen erstmal die Vorbühne fertig", sagt der Bühnenmeister. Dort hat Uwe Südow schon das Krankenbett wieder an die richtige Stelle gebracht, Michel Zelas stellt einen Stuhl in einiger Entfernung daneben. Hier wird in einer halben Stunde die Eingangszene spielen.

An den Seiten der großen Bühne stehen die Kulissen, die später die hohen Berge und das Haus vom Matthias im Heckenrosental darstellen werden. Mittlerweile ist das graue Tuch herabgelassen, das den Blick auf die Hauptbühne versperrt. Die Zuschauer haben den Saal verlassen und Uwe Südow hockt gemeinsam mit Gerlinde Glendenberg auf der Schräge mitten auf der Bühne, sammelt weiße und rosafarbene Federn auf und legt sie in einen kleinen weißen Eimer. Der muss noch nach oben auf den Schnürboden, damit kurz vor Ende der Geschichte die Federn, die man auch als Kirschblüten deuten könnte, wieder auf die mutigen und innig miteinander verbundenen Brüder Löwenherz herabrieseln können.

Kurz darauf wirft Gerlinde Glendenberg noch einen Blick auf den Tisch, auf dem der Bauchladen, Becher und einige andere Utensilien stehen, die die Schauspieler wenig später wieder in die Hand nehmen.

Dann ist Frühstückspause. Um 7 Uhr hat die Schicht der Bühnentechniker begonnen. "Vorbereitet haben wir die Bühne noch gestern abend", berichtet Marko Lohmann. Da waren sie gerade mit allen Kulissen und Requisiten vom Gastspiel in Aschersleben zurückgekehrt. "Wenn nachher die zweite Vorstellung zu Ende ist, packen wir alles wieder ein und bringen die Sachen nach Quedlinburg und bauen dort auf", sagt Lohmann. Denn am Donnerstag stehen die "Brüder Löwenherz" in Quedlinburg auf dem Spielplan.

Quedlinburg ist auch das Zuhause von Lohmann. Der 46-Jährige ist seit Februar 1992 am Theater, damals noch bei den Städtischen Bühnen Quedlinburg, seit der Fusion der beiden Häuser am Nordahrzer Städtebundtheater. Er hat eine Meisterausbildung absolviert und ist ein Quereinsteiger wie fast alle bei der Bühnentechnik. "Den Ausbildungsberuf zum Veranstaltungstechniker gibt es erst seit Ende der 1990er Jahre", berichtet er.

Auch Gerlinde Glendenberg ist ein Quereinsteiger. Die gerlernte Zierpflanzengärtnerin hat als Aushilfe an der Kasse des Quedlinburger Theaters angefangen. "Ich habe fast überall mal als Aushilfe mitgearbeitet", sagt die 62-jährige Timmenröderin. "Dann bin ich bei der Requisite gelandet. Damals waren wir noch fünf, jetzt noch zwei", sagt sie. Im Zuge der ganzen Sparpläne sind Requisite und Bühnentechnik zusammengelegt worden. Zuständig sind sie "für alles, was man mit zwei Händen tragen kann und an dem kein 220-Volt-Kabel hängt", erklärt Lohmann den Unterschied der Bühnentechnik zu Beleuchtung und Tontechnik.

Im Foyer ist es inzwischen wieder laut geworden, die nächsten Kinder und Jugendlichen sind im Haus, um die wunderschön erzählte Geschichte zu verfolgen. Marko Lohmann und Gerlinde Glendenberg sind derweil wieder hinter den Kulissen, um zuzureichen, was gebraucht wird.