Halberstadt l Der Dienstplan ist geschrieben, die ersten Schichten absolviert - die vor kurzem von engagierten Bürgern und der Liebfrauengemeinde Halberstadt ins Leben gerufene Flüchtlingshilfe am Hauptbahnhof hat den Dienst aufgenommen. Die Frauen und Männer kümmern sich um Menschen in Not, die in den Abendstunden am Bahnhof Halberstadt ankommen und in der für sie fremden Stadt bisher allein gelassen wurden. Der Weg zur 4,5 Kilometer entfernten Zentralen Aufnahmestelle für Flüchtlinge (ZASt) am südlichen Stadtrand - für sie ein Buch mit sieben Siegeln.

"Die Menschen wussten weder, wo sich die ZASt befindet, noch wie sie dort in der Nacht hinkommen. Bus und Straßenbahnen fahren nicht mehr." - Reinhard Beck, Flüchtlingshilfe

"Damit ist jetzt Gott sei dank Schluss", ist Reinhard Beck erleichtert. Der Halberstädter gehört zu den Gründungsvätern der Flüchtlingshilfe. Ein Aufruf in der Volksstimme, dass die Initiative Mitstreiter sucht, sei auf fruchtbaren Boden gefallen. Insgesamt 16 Frauen und Männer haben sich daraufhin gemeldet. Reinhard Beck: "Bis auf wenige Ausnahmen schaffen wir es mittlerweile, den Dienst am Bahnhof abzusichern." Die Ehrenamtlichen sind montags bis freitags meist von 18 bis 23.30 Uhr vor Ort und helfen den ankommenden Flüchtlingen, Barrieren auf dem Weg zur ZASt zu überwinden. Nach dem Empfang im Bahnhof begleiten die Helfer die Flüchtlinge zum Taxi, das sie sicher zur Einrichtung bringt.

"Die Menschen wussten bisher weder, wo sich die ZASt befindet, noch wie sie dort in der Nacht hinkommen. Bus und Straßenbahnen fahren nicht mehr", erklärt Reinhard Beck. Er erinnert sich gut an dramatische Situationen, als nachts eine Familie im Regen vor dem geschlossenen Bahnhof stand und nicht weiter wusste. Das sei jetzt Geschichte. Daran habe die Bahnhofsmission einen großen Anteil. Die ist zwar am Abend geschlossen, aber Missionsleiter Constantin Schnee unterstützt die Helfenden. Reinhard Beck: "Wir haben einen Schlüssel für die Räume und können uns zwischen den Zugankünften dort aufwärmen."

"Die Ankommenden benötigen Hilfe. Sie sind hier fremd, sprechen die Sprache nicht und manche sind völlig hilflos."
- Norbert Kleist, Flüchtlingshilfe

Norbert Kleist aus Halberstadt weiß: "Die Ankommenden benötigen Hilfe. Sie sind hier fremd, sprechen die Sprache nicht und manche sind völlig hilflos." Der Notar hat bereits Flüchtlinge mit seinem Pkw privat zur ZASt gefahren, als die Hilfsaktion noch nicht aus der Taufe gehoben war. Für die Betroffenen sei die Arbeit der Flüchtlingshilfe eine große Erleichterung.

Das bestätigt Helene Vibrans. Die junge Frau, die derzeit eine Ausbildung im Kirchenmusikalischen Seminar Halberstadt absolviert, ist von Anfang an dabei. "Wir haben alle Hände voll zu tun am Bahnhof. Pro Abend kommen durchschnittlich 14 Flüchtlinge an, denen geholfen wird", berichtet Helene Vibrans. Es habe aber schon Tage mit 30 Hilfesuchenden gegeben. Helene Vibrans: "Einmal musste ein Taxi dreimal zur ZASt fahren, um eine Großfamilie zu befördern."

Probleme mit der Taxibeförderung konnten mittlerweile ausgeräumt werden, ist Reinhard Beck erleichtert. Bislang waren einige Taxifahrer verunsichert, ob und wie ihre Dienstleistung bezahlt wird. "Das ist jetzt mithilfe des ZASt-Leiters geklärt worden. Die Zusammenarbeit mit der Taxigenossenschaft ist super."

Trotz des erfolgreichen Starts der Flüchtlingshilfe in Halberstadt werden weiter Ehrenamtliche gesucht. Interessierte Bürger können sich im Büro der Liebfrauengemeinde Halberstadt unter Telefon (0 39 41) 2 42 10 oder per E-Mail an reformiert-hbs@t-online.de melden.