Skelette und Siedlungsspuren, die bis zu 10 000 Jahre alt sind, haben Archäologen ans Tageslicht befördert. Die Grabungen erfolgten zwischen Halberstadt und dem Ströbecker Fließ.

Halberstadt l Als archäologische Schatzkammer hat sich die Trasse der im Bau befindlichen 6,3 Kilometer langen neuen Trinkwasserleitung zwischen Halberstadt/Langenstein und dem Ströbecker Fließ erwiesen. "Wir haben auf freier Feldflur wertvolle Siedlungsspuren aus der Jungsteinzeit bis ins frühe Mittelalter gefunden. Das hat uns überrascht", informierte Olaf Kürbis, zuständiger Gebietsreferent des Landesamtes für Denkmalschutz und Archäologie Halle, auf Volksstimme-Nachfrage.

Die ältesten Funde stammen aller Wahrscheinlichkeit nach aus der Jungsteinzeit. Sie sind etwa 10 000 Jahre alt, berichtet Olaf Kürbis. Es handelt sich um ein sogenanntes Hockergrab, in dem der Tote mit angewinkelten Armen und Beinen bestattet wurde, und ein Kindergrab mit einem Gefäß als Grabbeigabe, das aus der sogenannten Bandkeramik-Kultur stammt. Der Name leitet sich von der Verzierung der keramischen Gefäße mit einem Bandmuster aus eckigen, spiral- oder wellenförmigen Linien ab. Darauf sind die Archäologen am Goldbach zwischen Langenstein und Halberstadt gestoßen. Ähnliche Funde hat es in den zurückliegenden Jahren bei Grabungen im Sonntagsfeld in Halberstadt gegeben. Olaf Kürbis: "Der Goldbach ist für die Menschen eine Lebensader gewesen."

Im Bereich des Bahndammes zur ehemaligen Untertageanlage in den Thekenbergen sind die Archäologen auf Vorrats- beziehungsweise Abfallgruben und Reste eines Ofens gestoßen, die aus der frühen Eisen- oder späten Bronzezeit stammen (etwa 3000 Jahre alt).

Das Areal barg noch weitere Spuren. Unter anderem sind zehn Bestattungen aus einer wesentlich späteren Epoche ans Tageslicht befördert worden. "Sie stammen womöglich aus dem 5./6. Jahrhundert. Wir sind uns noch nicht ganz sicher", sagte der Gebietsreferent.

"Der Goldbach ist für die Menschen eine Lebensader gewesen."

Olaf Kürbis, Gebietsreferatsleiter des Landesamtes für Denkmalschutz und Archäologie

Richtung Mahndorf fand das Grabungsteam Fundamentreste einer Warte aus dem 14./15. Jahrhundert - nach Aussagen der Fachleute handelt es sich um die Bischofswarte. Außerdem stieß man auf zwei weitere Bauwerke im Umfeld der Wartereste, deren Bedeutung noch nicht geklärt ist, so Olaf Kürbis. Nach seinen Worten seien alle Funde insofern sehr aufschlussreich, weil die Archäologen sie dort, wo sie gefunden wurden, nicht vermutet haben.

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