Auf der Osterwiecker Brückenbaustelle wird am heutigen Freitag Bauruhe für mehrere Wochen einkehren. Seit Dienstagnachmittag kann das Bauwerk bereits genutzt werden.

Osterwieck l Letztendlich hat es doch knapp drei Wochen länger gedauert, bis am Donnerstag der als Umleitungsstrecke genutzte Behelfsbrückendamm mit den 14 riesigen Stahlrohren aus der Ilse geholt werden konnte. Der 30. November hatte hier ursprünglich als Termin gestanden. Aber die Unterbrechung im Sommer durch das plötzliche Ilse-Hochwasser nach einem Wolkenbruch konnten die Bauleute nicht mehr aufholen. Die Verantwortlichen aus der Landesstraßenbaubehörde, Fachbereichsleiter Hilmar Klietz und René Franke, können damit umgehen. "Wir sind sehr zufrieden", betonten sie und äußerten sich mit Respekt über die Leistungen der Bauleute aus der Blankenburger Firma Umwelttechnik und Wasserbau. Der zwischenzeitliche Kanalbau nach einer Havarie auf der südlichen Uferseite habe zu keinen weiteren Verzögerungen geführt. Das sei mit einem zusätzlichen Bautrupp erledigt worden. Wenngleich die Sperrung des Damms bei Autofahrern für Unmut gesorgt habe.

Sogar an einem Sonntag sei auf der Brücke gearbeitet worden, um das komplizierte Geflecht des Bewehrungsstahls zu knüpfen. "Das ist alles Handarbeit, dafür gibt es noch keine Maschinen", erklärte Franke.

Bis mindestens 19. Januar ist nun Ruhe auf der Baustelle, so lange habe die Firma Betriebsferien, berichtete Klietz. Wann es danach weitergeht, ist witterungsabhängig. "Wir brauchen mindestens zehn Grad", erläuterte Franke. Diese Temperatur benötigt ein Harz, der auf die Betonoberfläche aufgetragen wird und den Beton mit dem weiteren Aufbau der Fahrbahn verbindet. Der jetzt aufgetragene Asphalt ist nur ein Provisorium für den Winter und wird wieder abgetragen.

Zurzeit ist die neue Brücke lediglich einspurig befahrbar. Das wird auch bis zum Ende der Bauzeit so bleiben, damit die Bauleute ihren Platz zum Arbeiten haben. So muss nicht nur die spätere Fahrbahn noch aufgebaut werden, auch die beidseitigen Gehwege samt Geländer fehlen noch und werden im Frühjahr aus Beton hergestellt.

Welch ein kompliziertes, ja sensibles Bauwerk solch eine Brücke ist, zeigt sich versteckt im Untergrund. Gleich zum Beginn im Sommer waren insgesamt 17 Pfähle, jeder 90 Zentimeter im Durchmesser, neun Meter tief in den Boden gedreht worden, damit später nichts absackt. Der 19 Meter lange Brückenkörper ist nicht in einem Stück mit den Widerlagern aus Beton gegossen worden, sondern liegt auf lediglich vier kleinen Punkten, jeder nur rund ein Viertelquadratmeter groß, gepuffert auf elastischem Kunststoff. Auf der Südseite gibt es über die gesamte Breite eine Dehnungsfuge, denn die Brücke könnte sich temperaturabhängig um bis zu sieben Zentimeter strecken.

"Bei einem Standard-Winter könnte die Brücke noch im Frühjahr fertig werden", schätzt René Franke ein. Nach den Verträgen hat die Firma für das 1,5 Millionen-Euro-Vorhaben aber bis Ende August Zeit. Im Zuge der Brückenbauarbeiten werden auch die beiden Kreuzungsbereiche angepasst. Ziel sei es in Abstimmung mit der Stadt, dass in dem Zuge gleich der löchrige Straßenabschnitt vor dem "Kinderhaus der Ilse" mit asphaltiert wird.

   

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