Im Nationalpark Harz ist eine Ära zu Ende gegangen. Nach Jahren der traditionellen Arbeit mit Rückepferden ist das letzte verbliebene Tier abgegeben worden. Damit finden zugleich spezielle Angebote mit den Kaltblüter-Pferden im HohneHof ein Ende.

Drei Annen Hohne/Schierke l Sanftmütig und liebevoll zu Kindern, aber auch tierisch kraftvoll. Unendlich geduldig, aber stets auch absolut verlässlich. Markenzeichen, die wohl fast jeder Besucher des HohneHofs in den vergangenen Jahren mit den Rückepferden verbunden hat. Egal, ob sie Lotte, Benno, Bubi, Max oder Eros hießen. Seit 1993 gehörten die unermüdlichen tierischen Helfer zum Nationalpark-Team im HohneHof. Die Arbeit als kraftvolle Pferde im Forst rückte aber immer wieder in den Hintergrund. Vielmehr avancierten die zotteligen Kaltblüter zu Stars bei den Besuchern und wurden Aushängeschilder des Nationalparks. Sie begleiteten Kinder- und Jugendgruppen, zogen im Winter ganze Schlittenkarawanen durch den Wald und machten, wie sich Hohne-Revierförster Martin Bollmann erinnert, auch als Fernsehstars eine richtig tolle Figur.

"Nachdem die regionalen Medien immer wieder über unsere Helfer berichtet hatten, gaben sich diverse Fernsehsender die Klinke in die Hand. Ob ZDF, NDR oder MDR - jeder wollte einen Film mit möglichst viel Pferd im XXL-Nationalparkwinter drehen", berichtet Bollmann schmunzelnd. Und dabei hätten sich die Pferde mitunter cooler verhalten, als es manch` Reporter erwartet hatte. "Die Wiederholung von Filmsequenzen ertrugen die beiden ebenso gelassen wie einen im Schnee versunkenen Kameramann. Selbst fünf Stunden Drehzeit für fünf Sendeminuten seien kein Problem gewesen. "Und nicht nur sie - auch unsere beiden Gespannführer Erwin Kirchner und Andreas Wolf ertrugen tapfer 15 Grad Kälte. Gekonnt ist eben gekonnt."

Schließlich seien dank der breiten medialen Präsenz viele Kinder und Erwachsene eben wegen dieser vierbeinigen "Mitarbeiter" zum HohneHof gekommen, um bewusst mit den Tieren die Natur im Nationalpark Harz zu erleben.

Begonnen hatte die tierische Präsenz kurz nach der Wende 1993, erinnert sich Förster Bollmann. "Der staatliche Forstbetrieb Wernigerode besaß damals über 20 Gespanne für die Waldarbeit. Eines dieser Teams - die Pferde Roland und Lotte - wurden in den Nationalpark hinübergerettet und versahen bei uns lange ihren Dienst", berichtet der 50-Jährige.

Später folgte Roland Partner Bubi, der bis 2009 im Nationalpark-Stall stand. "Lotte und Bubi waren ein tolles und starkes Team." Lotte sei letztlich das dienstälteste Tier gewesen und habe bis ins hohe Alter von 20 Jahren gearbeitet. Mit Benno folgte 2009 ein Voltigierpferd, das zunächst als Azubi in Sachen Holzrücken noch die Schulbank drücken musste, um Bubi als versiertes Rückepferd zu ersetzen.

Nach Lottes Tod 2010 sei die Zukunft der Rückepferde ungewiss gewesen, erinnert sich Bollmann. Um so größer war die Freude, als das Land den Kauf zweier neuer Pferde genehmigte. Da Benno wegen seines ungestümen Temperaments nie so richtig in den Rückepferde-Stall passte, wurde er abgegeben.

Zum fünfjährigen Jubiläum des gemeinsamen Nationalparks wurde die innerdeutsche Fusion auch bei den Tieren vollzogen: Im Januar 2011 zogen das blonde Westfälische Kaltblutpferd Max und das schwarzmähnige Rheinisch-Deutsche Kaltblut Eros aus Sachsen-Anhalt im Nationalpark-Stall in Drei Annen Hohne ein. "Und Moritz, unser grauer Hohne-Kater, war damit sofort einverstanden", erinnert sich Bollmann lachend.

"Die Dreharbeiten ertrugen die beiden ebenso gelassen wie einen im Schnee versunkenen Kameramann."

Martin Bollmann, Förster im Nationalpark Harz

Die beiden neuen Tiere erfüllten ihre Erwartungen, halfen 2011 beim umweltfreundlichen Aufarbeiten des extremen Windbruchs mit und starteten wie ihre Vorgänger zu Wanderungen mit Schulkindern.

In diesem Sommer ist Eros leider unheilbar erkrankt. "Pferde sind Herdentiere und fühlen sich allein auf Dauer nicht wohl", berichtet Nationalparksprecher Friedhart Knolle. Deshalb sei lange nach einer Lösung für Max gesucht worden. "Er ist kürzlich zu Rüdiger Hasenbalg, einem Anbieter von Kutschfahrten im Eckertal, umgezogen und wird dort die tierische Mannschaft verstärken", so Knolle auf Anfrage. Der Nationalpark habe - auch wegen des Alters von Gespannführer Erwin Kirchner, der mittlerweile 57 Lenze zählt - entschieden, die Rücketradition nicht weiter fortzusetzen, so Knolle.

Dem Harz und dem Nationalpark bleibt Max gleichwohl erhalten. Rüdiger Hasenbalg organisiert hier Kutschfahrten und Schlittentouren. Und der Kreis hat sich gewissermaßen geschlossen: In Hasenbalgs Stall hat Max nämlich einen alten Bekannten getroffen: Voltigierhengst Benno. "Die beiden fühlen sich pudelwohl und sind ein richtig gutes Team", berichtet Rüdiger Hasenbalg.