Ein großer Baum, ein leuchtender Stern, Krippenfiguren, brennende Kerzen. Zu den Weihnachtsgottesdiensten präsentiert sich der Dom besonders geschmückt. Viel Arbeit für Uwe Seiwert.

Halberstadt l Große Strohsterne hängen an den Zweigen der sechs Meter hohen Tanne. Uwe Seiwert steht auf der Leiter, macht sich lang, dann hängt auch das letzte der gut 100 kleinen Kunstwerke. "Die haben uns mal Bewohner des Hephataheimes geschenkt", berichtet Uwe Seiwert und betrachtet einen besonders kunstvoll gestalteten Stern. Ein kleines Stück weiter hinter diesem liegt ein kleines Vogelnest. "Das hatte ich in dem ersten Baum gefunden, den ich als Küster hier im Dom aufgestellt habe. Seitdem lege ich das Nest jedes Jahr in den Weihnachtsbaum."

Uwe Seiwert lächelt, als er die Geschichte erzählt. Derweil begibt sich Christina Gruschinski wieder zum Eingang des Domes. Sie hat gerade Dienst als Aufsicht im Dom und deshalb beim Aufhängen der Strohsterne geholfen. Ebenso wie Steven Borgsdorf, der ein Praktikum beim Küster der evangelischen Kirchengemeinde Halberstadt absolviert.

Der 28-jährige Halberstädter packt die Kartons zusammen, in denen die Strohsterne aufbewahrt werden. Nun fehlen nur noch die Krippe und die Krippenfiguren, um die kleine Weihnachtszenerie neben dem Altar komplett zu machen. Beide Männer verschwinden einen Moment, holen die Krippe, die Figuren der stillenden Maria und des Josef. Eine Laterne gehört in dessen linke Hand, doch die Aufhängung ist kaputt. "Macht nichts, das repariere ich gleich", sagt der Küster. Mit derlei kennt er sich aus, kleinere Arbeiten erledigt er in seiner Werkstatt selbst.

Seit 2007 ist der Halberstädter für die evangelischen Kirchen der Stadt tätig. "Ich kenne sie alle vom Keller bis zum Dach", sagt er, während er sich die Halterung der kleinen Laterne genauer ansieht. Dann rückt er die geschnitzten Figuren zurecht. Stroh wird er nicht in die Krippe legen, "das macht zuviel Dreck", bemerkt er, bevor er die Absperrung hinstellt, damit keiner der Besucher aus Versehen die Figuren umreißt.

Den Baum im Dom zu schmücken, das sei schon etwas Besonderes, gibt er zu. Die Kathedrale hat es ihm besonders angetan. Steven Borgsdorf liebt die Moritzkirche. Dort und in der Laurentiuskirche haben die beiden Männer gemeinsam mit dem Team von Willi Co in diesem Jahr Weihnachtsbäume aufgestellt. "Die Jungs helfen mir schon seit Jahren. Anfang November suche ich in den Baumschulen der Region die Bäume aus, die wir dann gemeinsam abholen und aufstellen", berichtet der 49-Jährige. Während in Wehrstedt und in der Altstadt ehrenamtliche Helfer die Bäume schmücken, ist das im Dom "Chefsache". Dass elektrische Kerzen am Baum leuchten, hat sicherheitstechnische Gründe. Der Dom ist zu den hohen Kirchentagen immer rappelvoll.

Vor der ersten Christvesper heute um 16 Uhr im Dom klettert Uwe Seiwert wieder auf seine Leiter und zündet die Kerzen auf dem großen Radleuchter an. Schwindelfrei zu sein, ist Voraussetzung für seine Arbeit, ebenso wie Geduld zu haben. "Bis die 60 Kerzen brennen, das dauert schon seine Zeit." Vor dem 23-Uhr-Gottesdienst wiederholt er diese Prozedur.

 

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