Halberstadt l Überraschung im Stadtrat Halberstadt: Der erst im Sommer ins Gremium gewählte CDU-Abgeordnete Andreas Gatzemann hat sein Mandat niedergelegt. Über die Gründe für den Rückzug aus der Kommunalpolitik ist nichts bekannt. Gegenüber der Volksstimme wollte sich Gatzemann nicht äußern. Möglicherweise steht der Abgang von der politischen Bühne mit Fehltritten und staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen in Zusammenhang.

Der Förderschullehrer hatte im Sommer dieses Jahres mehrfach für Schlagzeilen gesorgt. Bei der Kommunalwahl am 25. Mai wollte der Christdemokrat sowohl in den Kreistag als auch in den Stadtrat Halberstadt einziehen. Wild entschlossen, beim Urnengang zu punkten, fuhr Gatzemann einen breiten Wahlkampf und plakatierte trotz hinterer Listenplätze weit mehr als gestandene Parteifreunde. Obendrein spannte er Schüler seiner Förderschule in den persönlichen Wahlkampf ein. Er gab zu, Schülern in größerer Stückzahl Wahlflyer zur Weitergabe an die Eltern übergeben zu haben. Dies sei jedoch in Absprache mit den Eltern, die die Flyer weiter verteilen wollten, geschehen, so Gatzemann damals.

Während dieses Handeln in Halberstadt noch für allgemeines Kopfschütteln und für Verstimmung im Lehrerkollegium sorgte, klopften wenig später Polizei und Staatsanwaltschaft bei dem Halberstädter an. Anlass waren Vorwürfe von sexuellen Übergriffen. Schülerinnen der Förderschule berichteten von extremer Nähe. Vorwürfe, die schwer wogen. Die Staatsanwaltschaft ermittelte - der Halberstädter Behördenchef Hauke Roggenbuck sah schließlich sexuelle Beleidigungen und Nachstellungen bewiesen. Letztlich wurde das Verfahren gegen den Kommunalpolitiker gegen Zahlung von 1000 Euro eingestellt.

Während Gatzemann damit weiter ohne Vorstrafe bleibt, zog die Schulverwaltung Konsequenzen. Zunächst beurlaubt, wurde der Pädagoge später fristlos gekündigt. Er klagt dagegen vor Gericht.