Schloss Wernigerode erfreut sich unveränderter Beliebtheit. Zum vierten Mal in Folge könnten zum 31. Dezember steigende Besucherzahlen zu Buche stehen. Ein Grund dafür dürfte die Sonderausstellung "Pomp and Circumsdance" sein. 2015 soll mindestens ebenso erfolgreich werden.

Wernigerode l "Das Jahr ist gut gelaufen", resümiert Christian Juranek. Aber: "Wie es wirklich war, kann ich erst am Ende sagen."

Der Geschäftsführer der Schloß Wernigerode GmbH rechnet zum vierten Mal in Folge mit steigenden Besucherzahlen. Es sei der bisher beste Februar überhaupt gewesen und ein November mit fast 9000 Gästen "so gut wie seit 15 Jahren nicht".

Zudem habe die große Sonderausstellung "Pomp and Circumstance. Das deutsche Kaiserreich und die Vorgeschichte des Ersten Weltkrieges" dem Haus "einen exzellenten August" beschert. Juranek: "Wir hatten dadurch viel auswärtiges Publikum." Und: "Ohne die großzügige Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung und der Harzsparkasse wäre diese Schau nicht zu Stande gekommen." Es sei "außerordentlich traurig gewesen", sie Ende November wieder einpacken zu müssen. Zumal die erstmals praktizierte Ausweitung der Exposition über die gewohnten Räume hinaus in die Dauerausstellung eine äußerst positive Resonanz erfahren habe.

Unter dem Strich könnten heute Nachmittag für 2014 also rund 200 000 Besucher stehen. Offiziell bestätigen möchte der 50-Jährige dies aber noch nicht. Dazu sei der Aufstieg zum Wernigeröder Wahrzeichen zu sehr vom Wetter abhängig.

Christian Juranek: "Baulich sind wir ebenso vorangekommen." Der zweite Abschnitt zur Restaurierung des Fahnenturmes habe im Frühjahr beendet werden können. Jetzt über den Winter würden die Arbeiten am Haupttreppenhaus endgültig erledigt. Die Stiftung Schloß Wernigerode habe nach über einem Jahr die Sanierung des Bergfrieds abgeschlossen. Diese sei unbedingt erforderlich gewesen. Der Geschäftsführer: "Durch herausbrechende Steinteile war tatsächlich eine enorme Gefahrenquelle vorhanden."

Dank der Hilfe durch Bund und Land habe außerdem die statische Erneuerung des Kirchganges vorgenommen werden können. Juranek lobt die hohe handwerkliche Qualität der Umsetzung des Projekts am Tunnel, der vom Außenring in den Innenhof führt. Gleichzeitig spricht er ein Dilemma an. Für eine Verblendung habe das Geld nicht gereicht, so dass "wir zunächst mit einer rohen Betonfassade an dieser Stelle werden leben müssen".

Diese finanziellen Sorgen drückten im Übrigen beim gesamten Ringmauersystem. Der Geschäftsführer: "Wenn wir sechs, sieben Jahre lang 600 000 bis 900 000 Euro für dessen Sanierung bekommen würden, wäre uns schon sehr geholfen." Denn: "Ich möchte nicht erleben, dass das Mauerwerk berstet." Schließlich befinde sich dort die einzige Zufahrt zum Schloss.

Was die weitere Profilierung der Dauerausstellung anbelange, so habe sich dort ebenfalls einiges getan. Am Sichtbarsten im Rundgang sei vielleicht, dass in den Königszimmern weiter an der Rekonstruktion von originalen Vorhängen gearbeitet wird. Christian Juranek: "Auch die Festsaaltafel hat nach den fulminanten Erfahrungen mit dem originalen Geschirr, Gläsern und Silber aus dem Eigentum von Kaiser Wilhelm II. eine deutliche Veränderung erfahren." Kustodin Eva-Maria Hasert habe gemeinsam mit ihrem Mitarbeiter Bernd Fraaß das Kleinod mit Porzellan eingedeckt. Die Blumendekoration aus der Pomp-Ausstellung sei dabei stehengeblieben. Das Ensemble präsentiere sich dadurch jetzt "außerordentlich schön und vielfältig".

Geht es nach Christian Juranek und seinem Team, so soll das nächste Jahr mindestens ebenso erfolgreich werden wie das ausklingende. Eine besondere Rolle spiele dabei der 200. Geburtstag des Reichskanzlers Otto von Bismarck (1815-1898). Dieser habe bekanntlich intensive Beziehungen zum Schloss und seinem Hausherren Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode (1837-1896) unterhalten. Erneut mit Unterstützung des Landes Sachsen-Anhalt werde es hier eine Sonderausstellung, speziell zu den innenpolitischen Aspekten der Regierungszeit des ersten Reichskanzlers des Deutschen Reichs (1871-1890), geben.

Ein "neues Experiment" verspricht der Geschäftsführer zudem für das nächste Frühjahr. Die Hamburger Künstlergruppe um Carmen Oberst werde unter dem Titel "Tektonik der Bildersprache" verschiedene stilistische Formen der Annäherung an Architektur zeigen. Dabei handele es sich um ein Verbundprojekt zwischen mehreren Standorten in Deutschland, wie zum Beispiel Schloß Bruchsal (Baden-Württemberg), Schloss Clemenswerth (Niedersachsen) und der Sternwarte in Hamburg-Bergedorf. Christian Juranek: "Ein bisschen verrückt wird es dabei zugehen."

Doch damit nicht genug: Nach Bismarck folge ein weiterer Promi. Der gebürtige Wernigeröder und international renommierte Künstler Otmar Alt werde 75 Jahre alt. Er habe sich gewünscht, auf dem Schloss eine Retrosperspektive zeigen zu dürfen.

Das Haus hoch oben über der bunten Stadt wandele sich inhaltlich und optisch noch beständig weiter. Es sei interessant und werde hoffentlich immer anziehender für die Besucher, sagt Juranek. Dies müsse allerdings auch der Anspruch bleiben. Der Wissenschaftler: "Denn wie es so schön heißt: Stillstand heißt Rückschritt."

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