Der Wegelebener Ulrich Strümpel, zuletzt als Leiter des Amts für Finanzen der Verwaltungsgemeinschaft Vorharz tätig, geht in den Ruhestand. Seine ehrenamtliche Arbeit in der Stadt setzt er jedoch weiterhin mit großem Engagement fort.

Wegeleben l Der Name Ulrich Strümpel steht in Wegeleben für Einsatzbereitschaft, Ideenreichtum und Zuverlässigkeit. Das unterstreicht Bürgermeister Hans-Jürgen Zimmer (CDU) nachdrücklich, wenn das Gespräch auf seinen langjährigen Weggefährten kommt. Auch Verbandsgemeinde-Bürgermeisterin Ute Pesselt (Buko) bedauert das Ausscheiden des Finanzexperten zum 31. Dezember 2014 aus der Verwaltung. Der 60-jährige Strümpel hat den Staffelstab aus gesundheitlichen Gründen an seinen Nachfolger Tino Schmidt weitergereicht. Seit November hat er ihn in den Aufgabenbereich des Amtsleiters für Finanzen eingearbeitet.

Ulrich Strümpel - der zu DDR-Zeiten eine Berufsausbildung mit Abitur in Jena absolviert hat, später an der Handelshochschule Leipzig Diplom-Ökonom studiert und dann als Betriebsteilleiter im Maschinenbauhandel in Halberstadt tätig war - hat in der Wendezeit die Verwaltung der Stadt Wegeleben quasi mit aufgebaut. Ab 1984 war er bei der Stadt Halberstadt tätig und wechselte im Juli 1990 in die Wegelebener Verwaltung. Er übernahm den Posten des Stadtdirektors. "Nach der ersten Verwaltungsreform, als sich Wegeleben und Harsleben einst zur Verwaltungsgemeinschaft Untere Bode zusammenschlossen, war ich für den Bereich Ordnungsamt und Kindertagesstätten verantwortlich", erinnert er sich im Gespräch mit der Volksstimme. "Nach und nach wurde der Verantwortungsbereich durch die Eingemeindungen immer größer. Ein späteres Zusammengehen mit Hedersleben wurde seinerzeit abgelehnt, so dass wir dann mit Schwanebeck zur Verwaltungsgemeinschaft Bode-Holtemme fusionierten." Auch die Schwanebecker liebäugelten seinerzeit eher mit der Stadt Gröningen.

Der letzte große Schritt war die Bildung der Verwaltungsgemeinschaft Vorharz im Jahr 2010, den machte Ulrich Strümpel als mittlerweile erfahrener Verantwortlicher für den Bereich Finanzen mit. Schon 2004 hatte er sich hierauf spezialisiert. "Rückblickend muss ich sagen, dass die Arbeit interessant aber auch sehr intensiv war", resümiert er. "Zu Beginn haben wir uns zu wöchentlichen Sitzungen getroffen. Im Zuge der Verwaltungsreformen wurde der Verantwortungsbereich immer größer." Mit der Größe stiegen die finanziellen Aufwendungen der Verwaltungskonstrukte. "Das war nicht immer einfach", schätzt Strümpel ein. "Man hat vom Landkreis her eigentlich nie honoriert, wenn ein ausgeglichener Haushalt präsentiert wurde." Noch 1991 sei nachgefragt worden, warum denn Wegeleben nicht mit Krediten arbeite. Strümpels Anwort war damals: "Wir arbeiten mit dem, was wir uns leisten können!"

Ab 1993/94 deuteten sich die ersten Verschuldungen an. Die Gewerbegebietserschließung, die Anbindung der Kläranlage, die Straße nach Emersleben - alle diese Projekte hätten einen großen finanziellen Aufwand beansprucht. "Trotzdem hatte die Stadt Wegeleben bis zum Jahr 2010 einen ausgeglichenen Haushalt", hebt Strümpel besonders hervor. "Jetzt sind Schulden an der Tagesordnung." Diese Entwicklung bedauert der Pensionär.

Auch zur weiteren Entwicklung hat Ulrich Strümpel eine Meinung. "Das sind aber persönliche Ansichten", betont er. "Es gibt drei Standorte, da wären Wedderstedt, Schwanebeck und Wegeleben. Für die Bürger sind entsprechende Büros sicher eine gute Sache. Im alltäglichen Ablauf der Verwaltungsarbeit ist das aber eher kontraproduktiv."

Pensionär bleibt weiter ehrenamtlich tätig

E-Mail- und Briefverkehr zwischen den Mitarbeitern seien nicht so produktiv wie das persönliche Gespräch nach dem kurzen Weg von einem Zimmer in das andere. "Dabei betrachte ich noch nicht einmal den finanziellen Bedarf, der für die jeweiligen Grundstücke aufzubringen ist", meint er. "So gesehen hätten wir vielleicht in früheren Jahren mehr Geld in den Ausbau von Verwaltungsgebäuden stecken sollen, einmal abgesehen von den Finanzen, die in die technische Ausstattung geflossen sind." Ein zentraler Standort sei künftig erstrebenswert, aber auch eine finanzielle Frage.

Neben seinem Beruf hat Ulrich Strümpel viel ehrenamtliche Arbeit in Wegeleben geleistet. "Ich habe in unserer Stadt viele offene Ohren für Ideen gefunden", sagt er. "Das ist auch noch heute so, dafür bin ich den Menschen sehr dankbar." Im Jahr 1992 wurde eine alte Tradition wiederbelebt, als sich der Schützenverein Wegeleben gründete. Ulrich Strümpel war von Anfang an dabei, zunächst als Kassenwart und seit sieben Jahren als erster Schützenmeister. "Ich würde mich freuen, wenn die Bürger künftig in größerer Zahl zum Frühschoppen des Schützenfestes oder zum Umzug durch die Stadt kommen würden." Es sei vor einigen Jahren zu einem Missverständnis wegen der Platzreservierungen für Gastvereine im Festzelt gekommen. "Wir sollten das aus der Welt schaffen, die Schützen freuen sich über jeden Besucher", bietet Strümpel an.

Der Pensionär hatte seinerzeit die Idee, das erste Werk der Wegelebener Autorin Christel Trausch über Buchbestellungen von Firmen finanzieren zu lassen. "Ich bin ein großer Fan ihrer Lyrik", gibt er offen zu. Selbst an der Gründung des Heimatvereins hat er einen großen Anteil. "Karl-Heinz Becker übernahm seinerzeit den Vorsitz und leistet mit den Mitgliedern einen großen Beitrag zum kulturellen Leben", schätzt er ein. Auch der mittlerweile 17. Weihnachtsmarkt ist eine Idee von Ulrich Strümpel. Gemeinsam mit Bäckermeister Eberhard Seidenstücker, den Schaustellern - die noch heute dabei sind - sowie engagierten Wegelebenern wurde ein echtes Aushängeschild geschaffen. "Ganz wichtig ist uns hier und bei allen anderen Veranstaltungen das große Engagement von Bürgern, Vereinen und Firmen", sagt er abschließend.