Die Feiertage tragen das Feiern schon im Namen. Oft bedeutet das ähnlich wie bei Geburtstagen und Co. auch erhöhten Alkoholkonsum. Eine schwere Zeit für alljene Suchtkranken, die versuchen, vom Alkohol loszukommen. Hilfe gibt es in der Voigtei.

Halberstadt l "Wir unterbreiten ein Angebot, das die Abstinenz sichern soll", sagt Petra Weißgerber. Sie betreut, getragen vom Arbeiter-Samariter-Bund Halberstadt/Wernigerode (ASB), gemeinsam mit drei Teilzeitkräften die Menschen, die Hilfe auf dem Weg weg von der Sucht brauchen.

Dazu hat der ASB unterschiedliche ambulante Angebote in Halberstadt. Neben einer Beratungsstelle für Menschen mit Suchtproblemen gibt es eine Tagesstätte sowie ambulant betreutes Einzelwohnen. Wer sich in die Obhut von Petra Weißgerbers Team begibt, hat meist schon einen schweren Weg hinter sich. "Die Einsicht, dass man Hilfe braucht, fällt vielen Abhängigen schwer. Meist wird ihnen das erst bewusst, wenn sie ganz unten sind. Wenn der Job weg ist, Familie und Partner ebenfalls", berichtet Petra Weißgerber. Die meisten ihrer Schützlinge haben den Entzug in einer Therapieklinik hinter sich, versuchen, wieder Fuß zu fassen im Alltagsleben.

Manche kommen auch über die Vermittlung der Suchtberatungsstelle, die allerdings meist ein Angebot in der Nachsorge ist. "Aber manche Arbeitgeber schicken Angestellte zur Beratung, wenn sie ihnen eine letzte Chance geben wollen, ihr Problem in den Griff zu bekommen. Auch von der Kommunalen Beschäftigungsagentur wird das manchmal so gehandhabt."

Betreutes Wohnen großer Schritt in Selbständigkeit

Meist jedoch geht der ambulanten Hilfe die stationäre voraus. Entgiftung, Heimaufenthalt und anderes mehr. Den Großteil der Betreuten machen Alkoholabhängige aus, andere Drogen spielen zumindest bislang in ihrer Arbeit eine untergeordnete Rolle, berichtet die Leiterin des Fachbereichs Suchtbetreuung des ASB.

Zwölf Plätze bietet das betreute Wohnen. "Wer wieder in einer eigenen Wohnung lebt, hat schon einen sehr großen Schritt in ein selbstständiges Leben geschafft", sagt die engagierte Sozialarbeiterin. Eine der besonderen Herausforderungen für trockene Alkoholiker ist zum Beispiel die Einsamkeit. Abends allein in der Wohnung, die Suche nach einem neuen Freundeskreis, das ist nicht leicht zu bewältigen. Die, die im betreuten Wohnen Hilfe erhalten, sind meist zwischen Anfang 20 und Ende 50.

Neben der Begleitung in Alltagsfragen, zum Beispiel bei Behördenangelegenheiten, bei der beruflichen Wiedereingliederung oder Kontaktaufnahme zu den Angehörigen erleben die Betreuten auch gemeinsame Urlaubstage, wenn die Finanzen das hergeben. "Das sind oft ganz neue Erfahrungen", sagt Weißgerber. Denn in den Urlaub zu fahren, können sie sich oft nicht leisten. Selbst wenn sie Arbeit haben. "Oft müssen Schulden abbezahlt werden, ist Unterhalt zu zahlen und, falls eine neue Familie da ist, muss ja auch deren Auskommen gesichert werden."

Wichtig ist das Gespräch, der Austausch über die Probleme, sagt die erfahrene Sozialarbeiterin. Das gibt es individuell sowie aller zwei Wochen in der Gruppe. "Es ist nicht einfach, in unserer Gesellschaft abstinent zu leben. Alkohol gehört für die meisten wie selbstverständlich zum täglichen Leben ."

Tagesstätte schafft Struktur

Die Aufgaben in der Tagesstätte sind etwas anders gelagert, berichtet die Sozialarbeiterin. Maximal 20 Betroffene können hier Hilfe dabei erfahren, den Tag sinnvoll zu gestalten - ohne Suchtmittel. Sie lernen, ihrem Tag wieder eine Struktur zu geben. Von 8 bis 14 Uhr gibt es ein vielschichtiges Tagesprogramm. Dazu gehören Ergotherapie, Gruppengespräche, Hirnleistungstraining, Sport, kulturelle Angebote, Ausflüge. "Es wird auch gemeinsam gefeiert - natürlich ohne Alkohol."

Um die Abstinenz zu stabilisieren, kann auch mal Akupunktur zum Einsatz kommen, um Krisenzeiten besser zu überwinden.

Die Zeit, die in der Tagesstätte verbracht werden kann, ist unterschiedlich bemessen. Wer Rente bezieht, kann die sechs Stunden täglich komplett ausnutzen. Wer noch arbeitsfähig ist, hat maximal 15 Stunden in der Woche, damit die Verfügbarkeit für den Arbeitsmarkt gewährleistet ist.

"Alle unsere Angebote sind einkommensunabhängig", sagt Weißgerber. Finanziert wird ihre Arbeit und die ihrer Kollegen vom Landessozialamt, mit dem Tagessätze ausgehandelt werden. Wobei es seit Jahren keine Erhöhung der Sätze gab. "Wir sind geübt darin, zu sparen", sagt die Sozialarbeiterin, aber manchmal ist es schwer, alle Kosten im Griff zu behalten. Deshalb sind Spenden willkommen, gerade auch für das Projekt "Schutzhütte".

"Kinder von Suchtkranken sind immer mit betroffen", sagt Petra Weißgerber. In Halberstadt, schätzt sie, sind es zwischen 300 und 450. In dem offenen Angebot gibt es Platz für maximal zehn Kinder. Sie erleben Zuwendung, Hilfe, sie erfahren, was mit ihren Eltern los ist und erleben unbeschwerte, schamfreie Stunden.

Suchtberatungsstelle Voigtei 38, Telefon(0 39 41) 6 78 16 21; Tagesstätte/Ambulant Betreutes Wohnen, Voigtei 37, Telefon (0 39 41) 6 78 16 28