Neinstedt/Thale/Quedlinburg l Die Masche ist keineswegs neu, aber offenbar immer wieder erfolgreich.

In bisher mindestens zehn Fällen ermittelt die Polizei derzeit wegen Warenkreditbetrugs. Laut Peter Pogunke hat die Serie im November 2014 begonnen. Sie konzentriert sich bisher auf Neinstedt, Thale und Quedlinburg.

Das Muster ist immer identisch, sagt der Sprecher des Halberstädter Harzreviers. Ein Täter versieht einen zu einer leerstehenden Wohnung gehörenden Briefkasten mit einem Namensschild. Bevorzugt werden dabei Häuser, in denen möglichst viele Parteien leben. Anschließend erfolgt die Bestellung der Waren bei Versandhäusern an die fingierte Adresse. Pogunke: "Dabei handelt es sich oftmals um Handys oder andere Elektrogeräte." Bei der Lieferung wenden sich die Paketboten dann oftmals an Mitbewohner. Nur wenig später erscheint dann der "neue Mieter", um sich die Sendung aushändigen zu lassen.

So geschehen beispielsweise am Briefkasten eines Gebäudes in der Quedlinburger Käthe-Kollwitz-Straße. Am 13. Januar hatte jemand ein Namensschild auf den Postkasten geklebt. 24 Stunden später war die Ware da und tags drauf der vermeintliche Empfänger.

"Wir gehen von bandenmäßigen Strukturen mit einer straffen Organisation aus."

Peter Pogunke, Polizeisprecher

Am Freitag vor einer Woche schien es, als würden die Ermittler einen Treffer landen. In Neinstedt wurden zwei Männer beobachtet, wie sie an einem Hauseingang in der Kramerringstraße herumhantierten. Eine herbeigeeilte Streife konnte das Duo auch stellen. Aber, so der Polizeirat: "Wir mussten die Tatverdächtigen wieder auf freien Fuß setzen." Die Beweislage war zu dünn. Es handelte sich um einen 26-Jährigen, der zuletzt in Dessau gemeldet war und einen 22-Jährigen mit letztem Wohnsitz Halle.

Die Serie ist damit allerdings nicht zu Ende. Den jüngsten Fall registrierten die Beamten am Mittwoch, 21. Januar. In der Quedlinburger Bahnhofstraße fand der Eigentümer eines Hauses auf einem Kasten unverhofft ein Schild mit einem fremden Namen. Da er nichts von einem Einzug wusste, alarmierte er die Polizei.

Peter Pogunke: "Wir gehen von bandenmäßigen Strukturen mit einer straffen Organisation aus." Dafür spricht die Professionalität der Kriminellen. So stopfen sie zum Beispiel Werbung in die Schlitze, um später bequem an die Benachrichtigungskarten gelangen zu können. Wie die Eigentumsdelikte genau eingefädelt werden, wird hingegen derzeit noch ermittelt. Möglicherweise verwenden die Täter gefälschte Ausweispapiere bei ihren Bestellungen an die Versandhäuser, eventuell agieren sie mit Mastercards.

Um sich vor solchen Gaunern zu schützen, rät Pogunke offensiv Kontakt mit einem neuen Mitbewohner zu suchen. Dabei lassen sich dann auch Details wie eine Paketannahme besprechen. Wer Verdächtige bemerkt, sollte selbige ansprechen und/oder die Polizei informieren. Hinweise werden unter Telefon (0 39 41) 67 41 93 erbeten.