Die Pfadfinder haben sich im Winterlager in eine für sie fremde Welt begeben und mit Hilfe eines interaktiven Spiels in die Situation von Flüchtlingskindern hineinversetzt.

Badersleben l Wie mag sich ein Kind fühlen, das ganz plötzlich seine Heimat verlassen muss und wochenlang auf der Flucht ist? Welche Gefahren lauern auf der Flucht?

Mit diesen und vielen weiteren Fragen haben sich die Pfadfinder aus Badersleben im Winterlager Eggerode beschäftigt.

Die diesjährige Jahresaktion der Deutschen Pfadfinderschaft hat mit dem Thema "Gastfreundschaft für Menschen auf der Flucht" ein brisantes und hochaktuelles Thema gewählt, das die Wölflinge und Jungpfadfinder im Alter von 8 bis 14 Jahren an das Thema Flucht und Vertreibung heranführen soll.

Unter anderem haben alle gemeinsam an einem Spiel mitgewirkt. Betreuerin Annett Küchenmeister: "Mit dem interaktiven Spiel `Auf der Flucht` haben wir die Kinder spielerisch an das Thema Flucht und Verfolgung herangeführt. Wir versetzten uns in die Rolle eines Flüchtlings." Das Spiel drehe sich um die Frage: "Wie würdest Du Dich entscheiden, wenn Du plötzlich von zu Hause fliehen müsstest? Wem vertraust Du und welche Dinge sind wirklich wichtig?"

In dem Spiel gehe es um einen Jungen, der sich plötzlich mitten im Bürgerkrieg wiederfindet und gerade noch mit seinem Onkel fliehen kann. "Dabei werden verschiedene Handlungsstränge angeboten, man muss sich immer für einen entscheiden. Wir haben gelernt, dass nicht jede Flucht gut endet und dass oft Kleinigkeiten über den Ausgang und damit das Schicksal entscheiden können", sagt Annett Küchenmeister. In Eggerode sei es eine fehlende Taschenlampe gewesen, an der die gesamte Flucht gescheitert ist.

Einige der Kinder reflektieren die Erkenntnisse aus dem interaktiven Spiel recht bewusst. Die Abenteuer des Jungen auf der Flucht möchten sie nicht erleben.

Beim Thema Gastfreundschaft haben sich die Gruppen damit beschäftigt, was sie tun können, damit sich Menschen, die nach ihrer Flucht hier angekommen sind, nicht nur sicher, sondern willkommen fühlen. Das seien weit mehr als materielle Hilfe wie Geld, Kleidung und Spielzeug. Vielmehr können persönliche Kontakte mit Einladungen zum Essen oder in die Gemeinschaft viel mehr bewirken.

Nele erzählt, dass sie ein großes Tischtuch in vier Teile zerschnitten und diese dann zum Thema Gastfreundschaft bemalt hätte. Nun werden diese wieder zusammengenäht und sollen als Tischtuch benutzt werden.

Gelegenheit dafür könnte eine geplante Begegnung mit einer Flüchtlingsfamilie aus Syrien sein, die sich gegenwärtig in Halberstadt aufhält. Das Treffen musste zwar verschoben werden, bestätigt Jeannette Neumann, die Vorsitzende der Pfadfinder, soll jedoch auf jeden Fall noch stattfinden. "Schließlich beschäftigen wir uns mit diesem aktuellen Thema noch das gesamte Jahr über."

Spiel als Download unter: www.dpsg.de