Halberstadt (dl) l In einem Punkt ist sich das Trio einig: Ja, wir würden das wieder so machen. Wieder couragiert zusammenstehen, nicht wegschauen, auch nicht sensationslüstern am Tatort gaffen, sondern einem Opfer beherzt zur Seite stehen. So hat das Trio - und ein junger Mann, der gestern zeitlich verhindert war - am 4. Januar gehandelt. Damals war ein 62-jähriger Halberstädter von einem 19-Jährigen an einem EC-Automaten überfallen worden. Augenblicke später gelang es dem Opfer zusammen mit seinen Helfern, den Täter zu überwältigen und an die Polizei zu übergeben. Am Donnerstagnachmittag dankte der Halberstädter Polizeichef Dietmar Schellbach zusammen mit Kripochef Eckhard Gluschke den drei Anwesenden.

"Das war eine bemerkenswerte Leistung und eine ganz tolle Form von Zivilcourage", so Polizeioberrat Schellbach. Solch gegenseitige Hilfe und Einstehen füreinander wünsche man sich öfter, sagte der Chef der Harzer Polizeibeamten.

An jenem 4. Januar hatte das mittlerweile 63 Jahre alte Opfer gegen 16.50 Uhr in einer Bankfiliale im Breiten Weg in Halberstadt 50 Euro aus dem EC-Automaten gezogen. "Plötzlich spricht mich jemand von hinten an: Geld her!", berichtete der Halberstädter. Er habe zunächst an einen Scherz gedacht, aber dann in den Lauf einer Pistole geblickt. Der Halberstädter verwirft Gedanken des Widerstandes, überlässt dem erst 19-Jährigen seine 50 Euro und verhält sich defensiv. Danach folgt er dem Täter vorsichtig. Als der vor der Filiale aufs Fahrrad steigt, scheint die Chance gekommen. Das Opfer reißt den 19-Jährigen zu Boden, ein 71-jähriger Passant hilft ihm, eine 57-jährige Frau ruft die Polizei, ein 30-Jähriger entwaffnet den Täter.

Perfekt, bilanzierte nun Schellbach. Mutig, aber nicht ganz risikolos, ergänzte der Kripochef. Schließlich hatte der 19-Jährige eine Schreckschusswaffe dabei, die einer scharfen Pistole täuschend ähnelt und, aus nächster Nähe abgefeuert, auch schwere Verletzungen verursachen kann.

Das Trio freute sich nun nicht nur über den Dank der Harzer Polizeispitze, sondern vor allem darüber, einen schon zuvor polizeibekannten Jugendlichen dingfest gemacht zu haben. Der Drogensüchtige sitzt wegen schwerer räuberischer Erpressung in Haft.