Anlässlich des Harzer Kulturwinters hat eine thematische Führung im Halberstädter Dom stattgefunden. Die Spurensuche nach der Mathematik in der Kirche war vor allem für Kinder vorgesehen, doch diese blieben aus.

Halberstadt l Eigentlich hatte Katharina Wilke mit einer Schar Kinder gerechnet, mit der sie sich auf eine Spurensuche nach der Mathematik im Dom begeben wollte. Stattdessen empfing sie eine größere Gruppe Erwachsener.

"Ich hoffe, dass sie dabei nicht nur Wissenswertes erfahren und Neues entdecken, sondern auch ihren Spaß haben werden."

Kamen der Gemeindepädagogin anfangs Zweifel, ob ihr vorbereitetes Konzept auch Erwachsene begeistern kann, zeigte sich schon bald, dass dieses mit kleinen Veränderungen und Abstrichen zu realisieren war. "Aus unserer Kinder- bzw. Familienführung wird nun eine für ausschließlich Erwachsene", bereitete sie die Besucher auf den Rundgang vor. "Ich hoffe, dass sie dabei nicht nur Wissenswertes erfahren und Neues entdecken, sondern auch ihren Spaß haben werden."

Der Termin im Rahmen des Harzer Kulturwinters unterlag einer langfristigen Planung. "Wir dachten, dass Lehrer mit ihren Schülern das Angebot am letzten Tag vor den Ferien nutzen", begründete Katharina Wilke den Termin. Da die Kinder ausgeblieben sind, könnte man ja ausprobieren, was an dem bekannten Sprichwort dran ist, dass in jedem Mann ein Kind steckt, und ob es nicht auch für Frauen, denen es zugeschrieben wird, Gültigkeit hat, motivierte sie die Neugierigen aus Halberstadt, Braunschweig, Thale und Dessau.

Auf dem Weg durch den Kreuzgang zum Kirchenraum bekamen die Besucher erste Informationen über die 250 Jahre währende Baugeschichte und Bedeutung des Domes St. Stephanus und St. Sixtus sowie seines berühmten Domschatzes. Nach einem kurzen Rundgang durch den Ostteil der Kirche mit einem Blick in die Marienkapelle und der Vermittlung weitere Details zur Architektur und des Baugeschehens begann vor dem Altar die eigentliche mathematische Spurensuche.

"Mit den Kindern würde ich jetzt den Grundriss legen", sagte Katharina Wilke und fand sofort Helfer, die ein langes Seil in Form eines Kreuzes auf den Boden legten. Danach galt es den Grundriss aus einem Papierbogen auszuschneiden und entlang der Symmetrieachse zu falten. Beim weiteren mehrmaligen Falten stellten die Frauen und Männer fest, dass der Grundriss aus vielen Quadraten besteht.

Nun begann man über die Bedeutung geometrischer Formen beim Kirchenbau und deren Symbolik zu sprechen. Das Quadrat verkörperte im Mittelalter die Erde, seine vier Ecken standen für die Himmelsrichtungen, Elemente, Jahreszeiten und die Evangelien. Quadrate im Kirchenraum zu finden, gestaltete sich als eine leichte Aufgabe. Auch bei der Suche nach anderen geometrischen Formen wurden die Besucher schnell fündig. "Das Dreieck symbolisiert Gottvater, den Gottessohn und den Heiligen Geist. Der Kreis, da ohne Anfang und ohne Ende, steht für Gott und für Vollkommenheit und Unendlichkeit", klärte Katharina Wilke auf.

"Ohne Computer errichteten die mittelalterlichen Bauherren Kathedralen als Symbole für die göttliche Ordnung."

Alles habe Symbolgehalt, nichts sei bei der Errichtung und Einrichtung der Kirchen dem Zufall überlassen worden. "Ohne Computer errichteten die mittelalterlichen Bauherren Kathedralen als Symbole für die göttliche Ordnung. Maße und Proportionen wurden beeinflusst durch die christliche, teils aus der Antike übernommene Zahlensymbolik." Das sei an vielen Details auch im Dom nachzuvollziehen.

Was in der Kirche wichtige Funktionen habe, sei achteckig wie zum Beispiel Taufbecken und die tragenden Hauptpfeiler. Eine dieser imposanten Säulen musste für ein Experiment herhalten, das sich mit historischen Maßangaben beschäftigte. "Während junge Leute damit selten oder gar nichts anzufangen wissen, nutzen Erwachsene oft noch alte Maßeinheiten wie Zoll, Pfund, Zentner und Dutzend", stellte die Gemeindepädagogin unter Zustimmung ihrer Begleiter fest. Und fragte: "Doch kennen sie ein Klafter?" Das war niemandem geläufig. "Als Längenmaß geht das Klafter auf die Spanne zwischen den ausgestreckten Armen eines erwachsenen Mannes zurück", klärte Katharina Wilke auf. "Wenn sie die Spanne zwischen ihren ausgestreckten Armen kennen, besitzen sie ein verlässliches Maß, das sie nutzen können." Das wurde bestätigt, als mehrere Männer eine der Säulen umfassten und die "persönlichen Klafter" zusammen gerechnet hatten.

"Zimmerleute informierten sich früher im Rathaus, was in der Stadt als Meter oder Elle gilt."

"Zimmerleute informierten sich früher im Rathaus, was in der Stadt als Meter oder Elle gilt", erfuhren die Spurensucher im Dom. Als Katharina Wilke diese abschließend zur Vermessung der langgestreckten, dreischiffigen Basilika mit einem Metermaß einlud, wollte dann doch niemand mehr von dem Kind in sich wissen. "80 Mal hätten sie sich bücken müssen", erfuhren alle. "Es war sicher die richtige Entscheidung, sich das nicht anzutun."

"Es gibt verschiedene thematische Führungen", sagte die Gemeindepädagogin zum Abschied, "wenn es Ihnen heute gefallen hat, sagen Sie es weiter und interessieren auch Ihre Kinder und Enkel." Neben der Mathematik- gebe es unter anderem eine Drachenführung. Geplant sei eine Fernglas-Führung, bei der es Dinge zu entdecken geben wird, die mit bloßem Auge kaum oder nicht zu erkennen sind.

Kontakt: Domschätze Halberstadt und Quedlinburg Claudia Wyludda M.A., Domplatz 16a, 38820 Halberstadt, Tel. (0 39 41) 242 37, E-Mail: halberstadt@die-domschaetze.de, Internet: www.die-domschaetze.de