Einen Generationswechsel hat es an der Spitze des Kuratoriums Stadtkultur gegeben. Der erste neugegründete Verein Halberstadts wirkt meist im Hintergrund als kritischer Begleiter der Stadtentwicklung und unterstützt eine große Anzahl von Angeboten.

Halberstadt l Mit der Neuwahl des Vorstandes endete am Montagabend eine Ära in der Geschichte des ersten Halberstädter Vereins nach der Wende. 22 Jahre lang organisierten Dr. Walter Kraus und Karl-Heinz Melzer die Arbeit des heute Kuratorium Stadtkultur heißenden unabhängigen Bürgergremiums. Beide legten nun das Schicksal des Kuratoriums in jüngere Hände. Neuer Vorsitzender ist Dr. Frank Aedtner, sein Stellvertreter Christian Mokosch. Die Finanzen behält künftig Marko Eggert im Blick, Schriftführer ist Roger Schulze. Ulrich Schäffner und Rainer Schöne sind als Beisitzer "für alle operativen Aufgaben zuständig", wie der neugewählte Kuratoriumschef Aedtner nach der Konstituierung des Vorstandes mit einem Schmunzeln sagte.

Mit der Verjüngung des Vorstandes ist es gelungen, den Fortbestand des Vereins zu sichern. Ein Fakt, den Walter Kraus mehrfach betonte. Schließlich sah es eine Zeit lang so aus, als ob das Kuratorium nicht über sein 25-jähriges Gründungsjubiläum hinaus bestehen könnte.

Dabei hat der Verein in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten auf sehr unterschiedliche Art und Weise die Stadtentwicklung befördert. Gegründet worden war der Verein als Sanierungsfonds Halberstadt am 8. März 1990. "Damals wollte Rolf Schnellecke sicherstellen, dass die Niedersachsenhilfe auch tatsächlich der Rettung der Altstadt in Halberstadt zugute kommt und nicht in irgendwelchen Kanälen versickert. Schließlich war das noch zu DDR-Zeiten", erinnerte Rainer Schöne. Der war im März 1990 zum Vorsitzenden gewählt worden und ist noch immer dankbar für das Engagement des späteren Wolfsburger Oberbürgermeisters. Schnellecke war damals Chef der Staatskanzlei in Hannover und organisierte Dachziegel, Baumaterial und Werkzeug, damit die Halberstädter ihre vom Verfall bedrohten Fachwerkhäuser erhalten konnten. Gemeinsam mit dem Verein "Reko statt Abriss" und der wenig später neugewählten Verwaltungsspitze gelang dieses ehrgeizige Vorhaben. Es ist wohl auch diesem guten Start zu verdanken, dass Halberstadt in das Modellstadtprojekt des Bundes aufgenommen wurde und so in den Genuss von vielen Millionen Mark Fördergeld für den Wiederaufbau kam.

Schöne erinnerte daran, dass sich 1992 der Sanierungsfonds in Kuratorium Stadtentwicklung umbenannte und sich neue Statuten gab. "Das unabhängige Gremium sollte fortan die Stadtentwicklung kritisch begleiten." Und da er als Baudezernent diese Entwicklung seitens der Stadtverwaltung steuerte, konnte er nicht länger dem Kuratorium vorstehen. Nach langer Überzeugungsarbeit übernahm schließlich Walter Kraus diese Aufgabe.

Die Dachziegelaktion für Martini ist sicher vielen Halberstädtern in Erinnerung, ebenso die Umfragen, die das Kuratorium Mitte und Ende der 1990er Jahre auf dem Altstadtfest startete. Die Rekonstruktion der Westfassade des Rathauses, der Aufbau der Ratslaube waren Projekte, die der Verein ebenfalls vorantrieb, gemeinsam mit der Bürgeraktion Holzmarkt/Fischmarkt. Bei der Sanierung der Aussichtsplattform in den Martinitürmen half der Verein, ebenso bei der Errichtung der "Steine der Erinnerung" oder dem Aufbau des Dioramas der Schlacht von Mars la Tour im Museum. Unterstützt werden seit Jahren die Kirchenmusik in Halberstadt, die beiden Literaturpreise des Gleimhauses.

2005 erfolgte eine erneute Statuten- und Namensänderung. Das Kuratorium Stadtkultur legt nun seinen Schwerpunkt auf die Bewahrung der kulturellen Vielfalt. "Aber die Entwicklung der Altstadt bleibt weiterhin ein Schwerpunkt in unserer Arbeit", versprach Frank Aedtner am Montag.