"Vielfalt ist Reichtum" unter diesem Motto steht die Halberstädter Erklärung, die gegen Fremdenhass und für Demokratie, Freiheit und Respekt plädiert. Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke), Stadträte, Vertreter des Bürgerbündnisses für ein gewaltfreies Halberstadt und Superintendentin Angelika Zädow sind Erstunterzeichner.

Halberstadt l "Wir sind in Halberstadt Pegida einen Schritt voraus und rufen zu Vielfalt und Toleranz auf. Gut, dass wir damit nicht gewartet haben", sagt Rainer Neugebauer vom Bürgerbündnis für ein gewaltfreies Halberstadt. Bürger und Politiker wollen in Halberstadt ein starkes Zeichen gegen Fremdenhass und für ein friedliches Miteinander setzen. Das Bürgerbündnis für ein gewaltfreies Halberstadt, der Evangelische Kirchenkreis Halberstadt, die Moses Mendelssohn Akademie Halberstadt sowie Vertreter des Stadtrates und der Verwaltung haben gemeinsam die Halberstädter Erklärung unter dem Motto "Vielfalt ist Reichtum" zu Papier gebracht und am Freitag vorgestellt.

"Wir wollen zeigen, dass Rassismus und Fremdenhass in unserer Stadt keinen Platz haben", betont Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke). Niemand habe das Recht, Hass und Frust auf Menschen mit anderer Religion und Kultur zu übertragen. "Das ist menschenunwürdig." Man müsse sich mit der Pegida-Bewegung, die Deutschland spalte, auseinandersetzen. Henke dankte Angelika Zädow, Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Halberstadt, auf deren Initiative die Erklärung erarbeitet worden sei.

"Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir mit dem Rechtsextremismus in der Mitte der Gesellschaft umgehen."

Rainer Neugebauer, Bürgerbündnis

"Wir haben nicht zu viele Menschen aus anderen Ländern, sondern zu wenige. Sie bereichern unsere Kultur", unterstreicht die Superintendentin. Nächstenliebe kenne keine Grenzen, weder kulturelle, religiöse noch nationale, stellt Angelika Zädow fest.

Pegida habe starke nationalistische und rassistische Tendenzen, man müsse das ernst nehmen, ruft Rainer Neugebauer auf. "Wir müssen uns die Frage stellen, wie wir mit dem Rechtsextremismus in der Mitte der Gesellschaft umgehen. Man kann nicht so tun, als ob es ihn nicht gibt." Die engagierten Helfer der Flüchtlingshilfe, die am Bahnhof Halberstadt ankommende Flüchtlinge mit einem Willkommensschild um den Hals begrüßen, würden das richtige Zeichen in Halberstadt setzen.

"Das Abendland geht nicht unter, weil wir Flüchtlinge aufnehmen. Es mögen noch viele kommen."

Frauke Weiß, Stadträtin (CDU)

CDU-Stadträtin Frauke Weiß fordert, die Halberstädter Erklärung auch in den Schulen auszulegen. "Das Abendland geht nicht unter, weil wir Flüchtlinge aufnehmen. Es mögen noch viele kommen", so die Christdemokratin. Stadtratspräsident Volker Bürger (CDU) würde es begrüßen, wenn der komplette Stadtrat die Erklärung unterzeichnen würde. "Wir sind gern bereit, Menschen aufzunehmen. Sie müssen sich unserer Gesellschaft aber auch anpassen. Es ist ein Geben und Nehmen."

"Bei uns kommen Menschen unterschiedlicher Nationen, Kultur und Religion zusammen. Ich hoffe, dass das Langzeitwirkung hat", sagt Jutta Dick von der Moses Mendelssohn Akademie Halberstadt. Aus persönlichem Erleben weiß sie, dass es im Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen auch Probleme gebe.

Stadtrat Jürgen Jüling (Linke) ruft dazu auf, "nicht nur auf der Straße zu meckern. Demokratie lebt nur, wenn alle mitmachen". Und das fange ganz unten an. "Es lohnt sich, andere Kulturen kennenzulernen. Darum sollte man auch den Kontakt zu den Flüchtlingen suchen", sagt Stadtrat Jens Müller (SPD).

Die Halberstädter Erklärung liegt unter anderem im Bürgerbüro der Stadt Halberstadt im Rathaus am Holzmarkt und im Büro des Kirchenkreises, Domplatz 50, für diejenigen aus, die sie ebenfalls unterzeichnen möchten.

   

Bilder