Rhoden (mhe) l David Kawitzke ist der jüngste Ortsbürgermeister weit und breit. Vergangenen Sommer wurde der Rhodener, gerade mal 26-jährig, gewählt. Ein halbes Jahr ist er nun im Amt.

Durchsetzungsvermögen und Geduld nennt David Kawitzke zwei Eigenschaften, die ihm als Ortsbürgermeister helfen. Außenstehende schätzen seine Ruhe. Wohl wissend, dass es auf Rhodener Ratssitzungen auch mal turbulent zugehen kann. Geprägt hat Kawitzkes Stärken auch seine Leidenschaft als Fußballschiedsrichter. "Dort muss man auch seinen Mann stehen." Wochenende für Wochenende ist der Rhodener auf den Fußballplätzen unterwegs, überwiegend in der Landesklasse, als Assistent aber auch in noch höheren Ligen.

Dass David Kawitzke trotz seiner ruhigen Art reden kann, beweist er schon seit seinem achten Lebensjahr. Seitdem steht er beim Rhodener Karnevalsverein in der Bütt, natürlich auch jetzt als Ortschef. Wenn im Fallsteindorf Karneval ist, stellt er sogar den Fußball in den Hintergrund.

Und Kawitzke engagiert sich von Jugend an in der Feuerwehr. So sehr, dass er zur ersten Sitzung des Ortschaftsrates, auf der er gewählt wurde, in Feuerwehrhose kam. Die Rhodener Wehr war nämlich zum Zeitpunkt der Sitzung gerade im Einsatz in Steinmühle. Kawitzke und sein Ratskollege Alexander Kottwitz fuhren zwischendurch nach Rhoden und nach der Wahl wieder zurück zum Einsatz. "Man muss eben flexibel sein."

Der damals 26-Jährige kam ohne Ambitionen auf den Bürgermeisterposten in jene Sitzung. Klar war nur, einer der neugewählten fünf Abgeordneten musste es machen. Und plötzlich war es David Kawitzke.

Dabei war er eigentlich schon froh, überhaupt den Sprung in den Rat geschafft zu haben. Von der Stimmenzahl an dritter Stelle. Ulrich Köhler hatte ihn seinerzeit angesprochen, mit als Kandidat auf der Liste der Wählergemeinschaft "Aktiv für Rhoden" anzutreten. Junge Leute wurden gesucht, nachdem mehrere Erfahrene, wie auch sein Vater Axel Kawitzke, nicht wieder antraten.

"Für mich stand fest, hier wohnen zu bleiben", erklärt er sein Engagement für sein Heimatdorf. Beruflich hat David Kawitzke eine dreiviertel Autostunde entfernt Arbeit, als pädagogischer Mitarbeiter an einer Förderschule in Goslar-Hahnenklee.

"Ich möchte im Dorf etwas bewegen, Herzblut reinstecken, für jeden ein offenes Ohr haben", hat er sich vorgenommen. Und hat in dem halben Jahr Spaß an diesem ehrenamtlichen Job gefunden. Seine erste öffentliche Bewährungsprobe hatte er mit einer Informationsveranstaltung für den Ausbau der Fallsteinstraße. Ein Vorhaben, das in Federführung des Landkreises dieses Jahr beginnen soll, aber auf der Wunschliste der Kommunalpolitiker schon seit bald zwei Jahrzehnten steht.

Wie so eine Ratssitzung abläuft, hatte der junge Mann vor seiner Berufung überhaupt erst einmal erlebt. Das war im Zeitraum zwischen seiner Wahl in den Rat und dessen konstituierende Sitzung gewesen. Ins kalte Wasser geworfen hat er sich trotzdem nicht gefühlt. Auch dank der Rathausmitarbeiter, wo er sich im Sommer vorstellte und in Angelika Oelke eine direkte Ansprechpartnerin hat.

Ortsbürgermeister zu sein, bedeutet nicht nur Politik zu machen, sondern seinen Ort auch zu repräsentieren. Zum Beispiel wenn die ältesten Einwohner runde Geburtstage haben. "Ich hatte das Glück, mit Hermann Steinkampf gleich einen Hundertjährigen besuchen zu dürfen. Mir bedeuten diese Gespräche sehr viel. Ich kann viel von früher erfahren. Die Leute kennen mich ja auch von kleinauf. Ich bin schließlich hier groß geworden."

Groß geworden ist David Kawitzke auch mit dem Rhodener Kulturhaus. Ein Bollwerk im 440-Seelen-Dorf, in den letzten Jahren der DDR gebaut. Für dessen Erhalt zu kämpfen, das hat sich der neue Ortschef trotz der notwendigen teuren Sanierung von Feuchtigkeitsschäden auf die Fahne geschrieben. Er zählt auf, wer in dem Haus alles seine Heimat hat: das Fallsteinorchester, der Karnevalsverein, der Schützenverein, der Jugendklub, eine Musikband und nicht zuletzt die Kindertagesstätte. "Ohne Kulturhaus stirbt das kulturelle Leben in Rhoden aus."