Halberstadt l Die Kreisstadt ist derzeit um eine Ausstellung reicher. Im Schraubemuseum wird eine Werkschau von Franz Tautz (1934-1998) gezeigt. 54 Bilder, Landschaften zu wechselnden Jahreszeiten, Stillleben, Porträts, Selbstbildnisse, Alt-Halberstadt, sind in der Ausstellungsscheune zu sehen. Sie sind lediglich ein kleiner Teil des äußerst umfangreichen künstlerischen Nachlasses, der auf 6000 Arbeiten geschätzt wird.

Gleichwohl geben die Werke dank der sorgsamen Auswahl und der geschickten Hängung in Verantwortung von Horst Scholke und Simone Bliemeister einen sehr informativen Querschnitt über die Schaffensperioden des ausgesprochen produktiven Halberstädter Malers. Sie umfassen Aquarell, Öl, Mischtechnik, Pastell und graphische Techniken.

"Mein Mann skizzierte, wo er ging und stand", sagt Dorothea Tautz. Die bekannte Pädagogin - Mathematik / Physik - und spätere Schulleiterin hat fast 40 Jahre das Leben mit dem Künstler geteilt, und war stets seine erste Kritikerin, wie sie mit einem kleinen Lächeln erinnert.

"Mein Mann skizzierte, wo er ging und stand."

Dorothea Tautz

Dorothea Tautz weiß, wie sehr ihr Mann ständig an sich arbeitete, nie aufgab, und wie er in seinem künstlerischen Streben aufging. 1985 wurde Tautz mit dem Kulturpreis der Stadt Halberstadt geehrt.

Sie ist dem Städtischen Museum und insbesondere Simone Bliemeister, der stellvertretenden Leiterin, dankbar, die Idee aufgegriffen zu haben, eine Ausstellung in memoriam zu gestalten. Tautz, der im Dezember 2014 80 Jahre alt geworden wäre, gehörte der Nachfolgegeneration von Walter Gemm, O.-W. Brennwald, Walter Ebeling und Julius Barheine an. Die lebenslange Achtung für Julius Barheine spricht auch aus dem Porträt, das Tautz von seinem Mentor gemalt hat und das in der Ausstellung zu sehen ist. Und wie Barheine hat Franz Tautz die nächste Künstlergeneration in Halberstadt auf den Weg gebracht.

1975 leitete und betreute er den Förderzirkel Malerei/Grafik in Halberstadt. Seit 1990 war er Künstlerischer Leiter des Malerei- und Grafikzirkels im Verein "Kreativ" und Mitglied der Künstlervereinigung "Gruppe 90" im Kultur- und Heimatverein Magdeburg e. V.

In all den Jahren gelang es ihm, seine hauptberufliche Arbeit als Malsaalvorstand mit Bühnenbildverpflichtung im damaligen Volkstheater mit seinen eigenen künstlerischen Intentionen zu verbinden.

"Ich möchte nicht nur für mich malen, sondern für andere Menschen" lautete sein Credo. In Umsetzung dieses Leitmotivs findet am Sonntag; dem 19. April um 15 Uhr, ein Ausstellungsgespräch mit Dorothea Tautz im Schraubemuseum bei Kaffee und Tee statt. Und als besondere Überraschung wird Dorothea Tautz weitere bislang noch nicht gezeigte Arbeiten ihres Mannes vorstellen. Die Moderation übernimmt Simone Bliemeister.

Entgegen der ursprünglichen Planung ist die Ausstellung im Schraubemuseum noch bis zum 25. Mai zu sehen. "Ursprünglich hatten wir das Ende der Ausstellung auf den 15. März datiert", sagt die stellvertretende Chefin des Städtischen Museums. "Aber die hohe Resonanz, die die Ausstellung bei den Besuchern seit ihrer Eröffnung gefunden hat, hat uns darin bestärkt, die Ausstellung um zwei Monate zu verlängern".