Die Aktion Buchpaten des Gleimhauses Halberstadt stößt auf großes Interesse. Die Leitung der Helios Bördeklinik und einige Chefärzte unterstützen die Restaurierung alter Bücher mit 1154,27 Euro.

Halberstadt l In der aktuellen Sammlung des Gleimhauses zu "Neues Leben für alte Bücher" entdeckte Prof. Steffen Rickes zwei historische Bücher, die eng mit der Medizin zusammenhängen. Kürzlich lud er deshalb die Leitung der Helios Bördeklinik Oschersleben-Neindorf und einige Chefärzte zu einem Rundgang durch die Ausstellung ein.

"Es war eine große Freude, diese Bücher hier zu entdecken und da viele Mitarbeiter sowie Patienten unserer Klinik aus Halberstadt kommen, wurde die Idee einer Buchpatenschaft als Zeichen unserer Verbundenheit schnell aufgegriffen", berichtete er.

Dabei geht es einmal um das Buch von Carl Westphal "Der Arzt als rathender Hausfreund" - ein medizinischer Ratgeber, der 1830 im Verlag Gottfried Basse, Quedlinburg/Leipzig erschien. Das Buch hat Oberflächenverschmutzungen sowie leichte Beschädigungen am Buchblock und Einband. Die Restaurierungskosten wurden auf rund 273 Euro geschätzt.

Wesentlich älter und stärker beschädigt ist das Buch "Apollinare, Q.: Kurtzs Handtbüchlin und Experiment vieler Artzneyen", erschienen 1563 in Frankfurt bei Georg Rabe und Weygand Hanen Erben. Hier fehlt der hintere Deckel, es gibt eine starke Oberflächenverschmutzung. "Die losen Blätter müssen mit Latexschwämmen gereinigt, die Risse geschlossen und neu geheftet werden", erläuterte Bibliothekarin Annegret Loose. Rund 882 Euro soll die Restaurierung kosten.

"Wir haben uns gern der Bücher mit einem Bezug zum Krankenhaus angenommen", sagte Klinik-Geschäftsführer Michael Lange. Über die Verbundenheit freut sich auch Gleimhaus-Direktorin Dr. Ute Pott.

Aufgrund der oft enthaltenen handschriftlichen Kommentare der Besitzer oder Widmungen der Autoren und der besonderen Einbände sind diese Bücher einmalige Zeitzeugen, die es zu erhalten gilt, betonte sie. Rund 12 000 Bände füllen heute die Regale des Gleimhauses. "Die Aufbewahrungsbedingungen der Bibliothek, die heute im modernen Erweiterungsbau des Gleimhauses sehr gut sind, waren leider nicht immer so optimal."

"Es war eine große Freude, diese Bücher hier zu entdecken und da viele Mitarbeiter sowie Patienten unserer Klinik aus Halberstadt kommen, wurde die Idee einer Buchpatenschaft als Zeichen unserer Verbundenheit schnell aufgegriffen."

Prof. Steffen Rickes

1997 kamen eine große Anzahl von so genannten "Beutebüchern" aus Georgien nach Halberstadt zurück, deren Restaurierung oft sehr aufwändig ist. Ziel sei es, alle Bücher wieder einer Nutzung zuzuführen, betonte die Gleimhaus-Direktorin. "So wie die Patienten im Krankenhaus", lautete ihre scherzhafte Ergänzung.

Hausherr Wilhelm Ludwig Gleim habe eine große Sammelleidenschaft bewiesen, die später vom Halberstädter Oberdomprediger Christian Friedrich Bernhard Augustin (1771-1856) fortgesetzt wurde. Von ihm stammt auch das erstgenannte Arzt-Buch.

Seit zwei Jahren ist Stefanie Volmer als Restauratorin im Gleimhaus tätig. Sie muss sich neben den Büchern auch um viele Handschriften, Grafiken, Ausstellungen, den Leihverkehr sowie um die Beratungsstelle des Landes kümmern. Mit den Gästen wurde über die gewaltigen Aufgaben gesprochen, die nach solchen Unglücken wie dem Bibliotheksbrand in Weimar oder dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs auf die wenigen Buchrestauratoren in Deutschland warten. "Wir leben auch von den Katastrophen", sagte sie.

In der aktuellen Ausstellung des Gleimhauses verbleiben die beiden zu restaurierenden Bücher noch bis zum 26. Februar und gehen dann auf die Reise zu zwei Restauratoren nach Berlin. "Die Arbeit kann hier nicht geleistet werden, deshalb die Ausschreibung", so Gleimhaus-Direktorin Ute Pott. Insgesamt rund 20 000 Euro kamen bereits von verschiedenen Buchpaten zusammen. Noch warten viele Exemplare auf Sponsoren, die für eine Buchrettung jeweils 200 bis 2000 Euro bereitstellen müssten.

Weitere Infos: www.gleimhaus.de, Sammlungen, Buchpatenschaften