Die Osterwiecker Ortsfeuerwehr ist 2014 unter den 18 Wehren im Stadtgebiet die mit Abstand meistbeschäftigte gewesen. 41 Mal mussten die Einsatzkräfte ausrücken. Trotzdem wird aktuell in der Stadt diskutiert, dass sie eines ihrer zwei Löschfahrzeuge abgeben soll.

Osterwieck l Lange war es ruhig auf der Jahreshauptversammlung. Wehrleiter Jens Mönnekemayer hielt seinen Jahresbericht, nannte die nicht wenigen Sorgen der Einsatzkräfte beim Namen. Er berichtete von der katastrophalen, weil oft ausfallenden, Digitalfunktechnik zur Alarmierung der Leute. Vom Ausbildungsstau der Führungskräfte, weil es nicht genügend Lehrgangsplätze gibt. Von den fehlenden Atemschutzgeräteträgern. "Die Kameraden werden eben älter." Von den Parkplätzen vor dem Gerätehaus, die oft von Anwohnern belegt seien.

Über die aktuell in einer Arbeitsgruppe mit Ortswehrleitern diskutierte Risikoanalyse und Bedarfsplanung der Stadt sprach er eher indirekt. "Der Technikbestand muss stabil bleiben. Das brennt allen auf den Nägeln. Wir haben die meisten Einsätze und gut ausgebildetes Personal", sagte Mönnekemayer. Unter den Einsatzkräften ist längst bekannt, was in dem Gremium im Raum steht: Die Osterwiecker sollen eines ihrer beiden Löschfahrzeuge einer anderen Wehr abtreten, weil anderswo Fahrzeuge zu alt sind.

"Ich warne davor", machte Helmut Patzak in der Diskussion unmissverständlich klar. "Die beiden Fahrzeuge sind eine taktische Einheit. Es gibt in einer Stadt mit 4000 Einwohnern keine Feuerwehr mit nur einem Auto." Und: "Die Fahrzeuge widerspiegeln die Leistungsfähigkeit einer Feuerwehr. Nur ein Fahrzeug, das würde die Nicht-Leistungsfähigkeit widerspiegeln." Die Stadt müsse mehr in die Fahrzeugtechnik investieren. An Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (Buko) richtete er die Worte: "Mit einem ausgeglichenen Haushalt kann man keine Feuer löschen." Patzak erinnerte daran, dass Feuerwehr eine Pflichtaufgabe sei. "Die Stadt bekommt unsere Manpower, und wir erwarten eine vernünftige Technik."

Wagenführ betonte, dass die Risikoanalyse nichts mit dem Haushalt zu tun habe. Alle Kommunen seien verpflichtet, diese zu erstellen. Bis die Bedarfsplanung abgeschlossen ist, sei es noch ein langer Weg. "Was dabei rauskommt, lässt sich noch nicht sagen." "Es gibt Dinge, die mir auch nicht gefallen", fügte Stadtwehrleiter Frank Kenzig hinzu. "Aber es gibt Zwänge, denen wir uns stellen müssen."

Insgesamt 41 Einsätze hatten die Osterwiecker im vergangenen Jahr, berichtete Wehrleiter Jens Mönnekemayer. Darunter befanden sich acht Brände, teilweise Brandstiftungen mit großem Schaden. Auch bei einem Verkehrsunfall mit Toten musste die Wehr helfen.

28 Einsatzkräfte haben die Osterwiecker in ihren Reihen, darunter fünf Frauen. Es gab Abgänge, aber auch vier neue Einsatzkräfte. Lob gab es für die starke Nachwuchsarbeit in der Jugend- und der Kinderfeuerwehr. Verschiedene Werbeaktionen haben Zuwachs gebracht. Mönnekemayer hofft, "dass aus dem Nachwuchs noch einige nachrücken".

Gäste der Hauptversammlung waren auch Vertreter aus Neuenkirchen, einem Ortsteil von Liebenburg im Landkreis Goslar. Zu dieser Feuerwehr bestehe seit 25 Jahren eine regelmäßig gepflegte "freundschaftliche Verbindung ohne Vertrag und Siegel", so Mönnekemayer".

Bilder