Wenige Wochen vor den Bürgermeisterwahlen in sechs Harz-Orten werden die Konturen klarer und die Namen der Bewerber, die sich dem Wählervotum stellen wollen, zahlreicher.

Von Dennis Lotzmann

Ballenstedt/Blankenburg/Quedlinburg/Schwanebeck/Thale/Wernigerode l Nach Recherchen der Volksstimme sind bislang zehn Bewerber bekannt, die am 22. März in Ballenstedt, Blankenburg, Quedlinburg sowie Thale ernsthaftes Interesse haben, im hauptamtlich dotierten Bürgermeisterstuhl Platz zu nehmen. Hinzu kommen weitere zwei Anwärter auf das ehrenamtliche Amt in Schwanebeck. Wenn am 12. April die Wähler in Wernigerode und den Ortsteilen aufgerufen sind, den hauptamtlichen Oberbürgermeister für die kommenden sieben Jahre zu küren, werden - nach jetzigem Stand - drei Namen auf den Stimmzetteln stehen.

Ballenstedt

In Ballenstedt ist Amtsinhaber Michael Knoppik gesetzt. Der 41-jährige Christdemokrat strebt eine zweite Amtsperiode an, um begonnene Projekte fortzusetzen. "Ich würde daran gern anknüpfen", sagt der von der CDU nominierte Knoppik. Nach den Worten von SPD-Ortsvereinschef Kurt Neumann werden die Sozialdemokraten keinen eigenen Kandidaten stellen. Gleiches gelte knapp zwei Wochen vor dem Meldeschluss am 24. Februar auch für die Links-Partei, erklärte Vorstandsmitglied Horst Lange am Dienstag nach einer Sitzung der Ortsgruppe. Die FDP hat laut Ortsverbandschef Markus Jacobs bislang noch keinen eigenen Kandidaten. Ob die Liberalen am Ende womöglich Knoppiks Kandidatur unterstützen werden, sei gegenwärtig offen.

Allein Hendrik Behrens will Knoppik bislang die Stirn bieten. Der 43 Jahre alte parteilose Polizeibeamte will am 22. März als Einzelbewerber ins Rennen gehen. Die entscheidende Hürde, dafür mindestens 81 Unterstützer-Unterschriften von Ballenstedter Wählern vorzulegen, hat er nach Volksstimme-Informationen wohl bereits genommen.

Blankenburg

Während die Ballenstedter nach dem jetzigen Stand mit keiner Stichwahl rechnen müssen, könnte das in Blankenburg passieren. Mit Heiko Breithaupt (CDU), Philipp Eysel (SPD) und Frank Wermut (Die Linke) sind bislang drei Kandidaten ins Rampenlicht getreten.

Alle drei sind von Parteien nominiert. Das Trio - bestehend aus Sparkassen-Filialchef und Halberstädter THW-Vizechef Breithaupt, dem städtischen Ordnungsamtsleiter Eysel und Ingenieur und Karnevalspräsident Wermut - will Hanns-Michael Noll (CDU) beerben, der altersbedingt nicht wieder kandidiert.

Womöglich, frotzeln Beobachter, komme es dann ja in Blankenburg zu einer etwas skurrilen Situation: Ziehe Karnevalist Frank Wermut ins Rathaus ein, müsste der sich am 11.11. höchstselbst die Schlüsselgewalt fürs Rathaus übereignen. Aber abwarten.

Quedlinburg

In der Welterbestadt Quedlinburg warten große Aufgaben. Amtsinhaber Eberhard Brecht (SPD) wechselt Ende Juni altersbedingt in den Ruhestand. Ob es ihm gelingt, bis dahin das Kurzentrum im Ortsteil Bad Suderode zu veräußern, und damit die Großbaustelle schlechthin fertigzustellen, ist unklar. Jüngst ist Verkaufsversuch Nummer zwei geplatzt. Brecht selbst möchte seinem Nachfolger erklärtermaßen ein geordnetes Erbe übergeben. Ob dies beim Kurzentrum klappen wird, scheint gegenwärtig völlig offen.

Dessen sind sich wohl auch die potenziellen Nachfolger bewusst. Frank Ruch und Bernd Skudelny wollen jedoch auf die Brücke klettern, um den Dampfer, der auch finanziell in schwierigem Fahrwasser unterwegs ist, künftig zu dirigieren. Am Start sind damit zwei Anwärter, die sich bestens kennen dürften, denn beide arbeiten in der Kreisverwaltung. Während CDU-Mann Ruch im Amt für Organisation und Personal agiert und gleichzeitig schon als Stadtrats-Vorsitzender in Quedlinburg Spuren hinterlassen hat, leitet Skudelny den Bereich Kreisentwicklung und Planung der Verwaltung.

Geht es nach Matthias Kirsch, soll das Duo den Wettstreit nicht unter sich ausmachen. Kirsch, Einzelhändler in der Quedlinburger Innenstadt und Mitglied der Freien Fraktion Quedlinburg im Stadtrat, will als Kandidat Nummer drei in den Ring klettern. Er nährt damit sowohl die Spannung als auch die Wahrscheinlichkeit einer Stichwahl am 19. April. Ob andere Parteien Kandidaten ins Feld schicken oder weitere Einzelbewerber ins Rennen gehen wollen, ist unklar.

Thale

Klar ist derweil, was in Thale allenthalben erwartet wurde. Thomas Balcerowski strebt eine dritte Amtszeit an. Hatte sich der 42-Jährige noch bis vor Kurzem gescheut, offen zu sagen, dass er sein Büro im Rathaus höchst ungern räumen würde, ist es nun amtlich. Die Mitglieder des Ortsverbandes haben ihn jüngst einstimmig als Kandidat nominiert. Die 26 anwesenden von ingesamt 86 Ortsgruppenmitgliedern hätten für ihn votiert, so ein Vorstandsmitglied.

Balcerowski findet klare und auch ein wenig theatralische Worte: "Es ist eine schöne Aufgabe, Bürgermeister in der Heimatstadt zu sein." Und: "Ich habe mich im Amt bislang weder gequält noch gelangweilt."

Heiko Marks von den Bündnisgrünen will derweil dafür sorgen, dass es am 22. März zumindest die Qual der Wahl gibt und Balcerowskis Gegner ihre Wahlentscheidung nicht nur mit Abstinenz deutlich machen können: "Ich will kandidieren und gehe davon aus, dass ich vom Regionalverband nominiert werde", so der 55-Jährige zur Volksstimme. Ob weitere Kandidaten ihren Hut in den Ring werfen wollen, ist bislang offen. Auch in Thale läuft die offizielle Meldefrist in der letzten Februar-Woche ab.

Schwanebeck

In Schwanebeck wird derweil gerätselt, ob Amtsinhaberin Christina Brehmer (Linke) erneut antritt. Bislang hielt sich Brehmer in dieser Frage öffentlich bedeckt. Versuche, mit ihr Kontakt aufzunehmen, blieben erfolglos. Da sie als Amtsinhaberin für eine Kandidatur keinerlei Hürden nehmen muss, könnte sie quasi fünf Minuten vor Zwölf Nägel mit Köpfen machen. Die Linkspartei entscheide am 16. Februar, ob und wen sie ins Rennen schickt, so Ortsverbandschef Gerald Dannenberg, der keinen Namen nennen wollte. Vielleicht gar er selbst? Gleichwohl scheint Brehmer eine heiße Anwärterin zu sein.

Ganz gleich, ob sie am 22. März mit auf den Stimmzetteln auftauchen wird, steht schon jetzt fest, dass es mit der parteilosen Einzelbewerberin Simone Schuldt und Benno Liebner (CDU) schon jetzt zwei Alternativen gibt für die Wähler. Die beiden haben ihre Kandidatur für den ehrenamtlichen Posten angekündigt.

Wernigerode

In Wernigerode ist dafür noch Zeit, weil die Wähler erst am 12. April aufgerufen sind, den Nachfolger von Amtsinhaber Peter Gaffert zu küren. Der Parteilose geht für die SPD erneut an den Start. Zwei Herausforderer, die ihm beim Urnengang das Amt streitig machen wollen, sind bislang ins Rampenlicht getreten: Sabine Wetzel will für die Grünen kandidieren, Pirat Michael Miede hat ebenfalls Ambitionen, den hauptamtlichen Rathaus-Sessel zu entern.

Die CDU hat dem Vernehmen nach keinen Kandidaten und denkt wohl über eine Unterstützung Gafferts nach. Erfolglos beendet haben auch die Linken die interne Kandidatensuche. Ob sie sich auf die Seite eines Kandidaten schlagen werden, ist offen. Hartnäckig halten sich Gerüchte, dass die Liberalen einen eigenen Kandidaten nominieren wollen.

Stichwahlen

Wie auch immer der Dreh am Personalkarussell ausgehet, sind die Regularien klar: Holt bei den jeweiligen Wahlgängen keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit von mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen, finden am 12. April in Thale sowie am 19. April in Ballenstedt, Blankenburg, Quedlinburg und Schwanebeck Stichwahlen statt. In Wernigerode würden die Wähler bei Bedarf am 26. April zur alles entscheidenden Stichwahl an die Wahlurne gebeten.