Halberstadt (sc) l Die Altstadt Halberstadt steht im Mittelpunkt der nächsten Veranstaltung in der Nachwende-Gesprächsreihe des Nordharzer Städtebundtheaters. Ebenso wie Quedlinburg litt auch Halberstadt zu DDR-Zeiten daran, dass die Altstadt verfiel. Es fehlte nicht nur an Material und Geld, um die historische Bausubstanz ordnungsgemäß zu sanieren, es war politischer Wille, diese Geschichtszeugnisse verfallen zu lassen. Privatinitiativen haben immer wieder versucht, die Abrisskonzepte der Stadt zu stoppen. Viele Häuser fielen dieser "zweiten Stadtzerstörung" nach dem Bombenangriff 1945 zum Opfer, andere sind heute renoviert und die einst in schlechtem Ruf stehende Unterstadt ist nun als Altstadt ein Schmuckkästchen Halberstadts geworden.

Gäste des Podiumsgesprächs am Sonnabend, dem 21. Februar, sind Siegrun Ruprecht, Rainer Schöne und Daniel Priese. Die Rückschau und Diskussion beginnt um 18 Uhr im Städtischen Museum.

Mit der Veranstaltungsreihe bietet das Theater eine besondere Art der Erinnerung an die Geschehnisse von Wendeherbst, Mauerfall und Wiedervereinigung vor 25 Jahren. "Das offizielle Erinnern und das starre Blicken auf den Abend des 9. Novembers 1989 unterschlägt oft die großen Unterschiede, die dieses Ereignis für einzelne Orte und Menschen hatte. Für vieles, was heute den Alltag in Halberstadt bestimmt, war 1989 nicht das Ende, sondern der Anfang", sagt Johanna Jäger. Die Schaupieldramaturgin moderiert die von der Landeszentrale für politische Bildung unterstützten Gespräche, die den Fragen nachgehen soll, wohin sich das Blatt hier in 25 Jahren gewendet hat, was wurde aufgebrochen, was brach ab? Was entwickelte sich und was brach ein?

Die Hoffnungen, Wünsche, Ereignisse und Ergebnisse der 25 Jahre, die "Nachwende", sollen im Vordergrund stehen. In fünf Gesprächen an den Orten des damaligen Geschehens wird der Wiederaufbau Halberstadts Altstadt, der Denkmalschutz in Quedlinburg, das langsamste Musikstück der Welt und die Lebenswege der Zu- und Weggezogenen betrachtet. "Es ist Zeit, ein Resümee zu ziehen, was die Bürger dieser Städte auch nach 1989 geleistet und wie sie den Wandel ihrer Welt erlebt haben", so Jäger. Dazu gehört, dass man sich an einer anonymen Umfrage beteiligen kann. Die Umfragezettel gibt es an den Theaterkassen. Die anonymen Beiträge werden in die Gespräche mit einbezogen, so Jäger.