Wegeleben/Harsleben/Hedersleben l Der Besuch des Staatssekretärs lockte zahlreiche Kommunalpolitiker nach Hedersleben und Wegeleben. Bei der Tour durch den Vorharz entwickelte sich ein reger Gedankenaustausch.

Für den Standort der Grundschule "Dr. Wilhelm Schmidt" in Wegeleben sehen die Lokalpolitiker dringenden Sanierungsbedarf. Darüber soll demnächst im Sozialausschuss der Verbandsgemeinde diskutiert werden. "Wir wollen EU-Mittel beantragen. Die bekommen wir aber nur, wenn das Vorhaben nachhaltig ist und unter energetischen Aspekten erfolgt", berichtete Verbandsgemeinde-Bürgermeisterin Ute Pesselt (WG Buko). Vor allem in Sachen Brandschutz müsse dringend etwas getan werden, denn seit Jahren könne die vierte Etage der Schule wegen fehlender Fluchtwege nicht genutzt werden.

Wie Schulleiterin Heike Stiemer erläuterte, gibt es in Harsleben aktuell knapp über 60 Schüler. Dort nutzten einige Eltern eine Ausnahmegenehmigung zum Schulbesuch in Halberstadt. Die Schule in Harsleben wird aktuell als Außenstelle der Grundschule Wegeleben geführt. Inzwischen hat das Land mit der verringerten Mindestschülerzahl von 60 für Grundschulen im ländlichen Raum bei der Schulentwicklungsplanung für neuen Diskussionsstoff gesorgt.

"Das wird eine schwierige politische Entscheidung im Verbandsgemeinderat", so die Schulleiterin. "Wir müssen den Leuten reinen Wein einschenken", unterstrich der Staatssekretär. Die Grenze von 60 Schülern gelte für dünn besiedelte ländliche Gebiete, was wohl für Harsleben nicht zutreffe. "Sollte die Verbandsgemeinde beide Schulgebäude erhalten wollen, wird es keine Förderung vom Land geben", machte Felgner unmissverständlich klar. Man müsse jetzt mit vernünftigen Angeboten für den zentralen Schulstandort in Wegeleben werben. Die Entfernung sei zumutbar und die Chancen auf Fördermittel würden bei einer Konzentration auf eine Schule steigen, so Jörg Felgner.

"Wir müssen bei den Investitionen mittelfristig, also mindestens 15 Jahre im voraus, rechnen. Das ist die Grenze, die die EU setzt", so der Staatssekretär weiter. Da ergebe sich ein eindeutiges Bild.

Für eine solche Entscheidung werde es Zeit, mahnte auch Ute Pesselt. Die Kinder gingen heute schließlich auch nach New York oder Australien zum Studium. Wegeleben sei nun mal das Grundzentrum. "Es wäre doch optimal, mit den jetzt zwei vorhandenen Gebäuden die Sanierung durchzuziehen." Sollte die Entscheidung anders ausfallen und an beiden Standorten festgehalten werden, müsste die Kommune die Schulsanierungen aus eigenen Investitionsmitteln stemmen. Dann blieben jedoch kaum Mittel für andere große Aufgaben wie die Kindertagesstätten oder die Feuerwehren.

"Das wird eine schwierige politische Entscheidung im Verbandsgemeinderat. Wir müssen den Leuten reinen Wein einschenken."

Jörg Felgner, Finanzstaatssekretär

Schulleiterin Heike Stiemer hat ihre Erfahrungen mit dem Schulstandort Harsleben. Sie war dort drei Jahre für die Leitung mitverantwortlich und ist es nun ganz. "Die Stelle war drei Jahre lang regelmäßig ausgeschrieben und es gab keine Bewerbungen", erklärte sie. Insgesamt sei sie schon 24 Jahre im Schuldienst in Wegeleben. "Daran hängt mein Herzblut." Die Besetzung mit Lehrkräften für die beiden Schulstandorte sei schwierig. "Wir wollen doch unsere Kinder gut auf die weiterführenden Schulen vorbereiten", sagte sie. Deshalb sei es im konkreten Fall günstiger, nur einen Schulstandort zu haben.

"Die jüngste Entscheidung der Landesregierung hat uns zurückgeworfen", bedauerte Ute Pesselt. Die Verbandsgemeinde sollte bei ihrem Beschluss bleiben, in den alten Verwaltungsgemeinschaften - in Schwanebeck, Hedersleben und Wegeleben - je eine Grundschule zu erhalten. Beim Rundgang durch das Gebäude in Wegeleben stellten die Gäste fest, dass sich gerade für die Lernanfänger durch die großen Klassenräume gute Bedingungen ergeben würden.

"Was uns als musikorientierte Schule fehlt, ist eine Aula für Veranstaltungen", berichtete Stiemer. Auch für die Essenversorgung der künftig deutlich mehr Schüler müssten größere Räume geschaffen werden.

Bau- und Ordnungsamtsleiter Harald Brockelt erinnerte daran, dass auch die Sporthalle in Wegeleben für den Schulsport hergerichtet werden müsse. Insgesamt würden nach ersten Schätzungen mehrere Millionen Euro an Kosten zusammenkommen, wozu die Verbandsgemeinde auch einen Eigenanteil einplanen müsse. "Jetzt sollte man an die Planungen gehen", ermunterte der Staatssekretär. Diese Kosten würden bei Förderbestätigung nachträglich erstattet.

Eingeladen hatte zum Vor-Ort-Besuch der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Steppuhn. Vor der Visite in Wegeleben war die Gruppe in Hedersleben zu Gast. Hedersleben stehe in der Sanierungsnotwendigkeit ganz oben, hatte die Runde dort einhellig festgestellt. In Wegeleben sei in den vergangenen Jahren schon einiges an laufender Instandhaltung getan worden.

Andreas Steppuhn ermutigte die Kommunalvertreter, die Chance des Landesprogramms Stark III zu nutzen: Jetzt müsste den Bürgern die Lage verdeutlicht werden. Nur durch die Konzentration der Schulstandorte innerhalb der Verbandsgemeinde Vorharz werde eine Förderung realistisch.