554 Jahre nach dem ersten Richtfest ist am gestrigen Montag der wohl ältesten Fachwerkfassade Halberstadts zum zweiten Mal die Richtkrone aufgesetzt worden. Die schon verloren geglaubte Holzkonstruktion wird am Ostgiebel des Gleimhauses erneut aufgebaut.

Halberstadt l Das Gleimhaus bekommt ein besonderes Schmuckstück. Am Ostgiebel des Literaturmuseums wird die wohl älteste erhaltene Fachwerkfassade Halberstadts wieder aufgebaut. Eine Aktion, die im Oktober 2013 ins Leben gerufen wurde. Am Montagnachmittag ist mit dem Richtfest der Aufbau der Holzkonstruktion abgeschlossen worden.

Dank des Engagements vieler blieb das ehrgeizige Vorhaben kein Papiertiger - trotz der enormen Finanzbarriere. Insgesamt etwa 84 000 Euro sind für den Wiederaufbau veranschlagt. Die Projektpartner haben in den zurückliegenden Monaten kräftig die Werbetrommel rühren müssen, um den Eigenanteil in Höhe von 16 600 Euro aufbringen zu können. Erst der sicherte, dass das Land Sachsen-Anhalt das Gros der Investsumme übernimmt. Allein die Vereinigte Volksbank spendete 11 000 Euro.

Dass so ein Richtfest selbst bei zwei Grad plus und Schneeregen schweißtreibend sein kann, haben Oberbürgermeister Andreas Henke (Linke), Dr. Volker Bürger vom Lionsclub Halberstadt, AWZ-Geschäftsführer Detlef Rutzen sowie Vertreter von Volksbank Harz, der KoBa Harz und des Gleimhauses zu spüren bekommen. Die Initiatoren und Unterstützer des Projekts "Eine Fachwerkfassade wandert" schlugen die letzten drei Nägel - immerhin jeweils 220 Millimeter lang - in den Dachgiebel der Fassade.

"Wir wollen mit dem Wiederaufbau kein Disneyland in Halberstadt schaffen oder die Stadt verkitschen. Das Projekt gibt vielmehr einen interessanten Einblick wie Halberstadt vor der Zerstörung am 8. April 1945 ausgesehen hat", unterstrich Andreas Henke. "Mit dem Vorhaben wird ein Stück Fachwerkgeschichte und Handwerkskunst der Stadt erhalten", sagte Volker Bürger. "Das Vorhaben ist der Beweis, dass soziale Projekte wichtige Vorarbeiten für das Handwerk leisten können", betonte Detlef Rutzen vom Aus- und Weiterbildungszentrum (AWZ). Mithilfe der von der KoBa Harz finanzierten Arbeitsbeschäftigung seien die alten Holzbalken sortiert, vorgereinigt und katalogisiert worden.

Mitarbeiter der Firma Adams aus dem Schachdorf Ströbeck haben etwa ein Viertel der Holzkonstruktion, die aus dem Jahr 1461 stammt, erneuern müssen, wie Jens Klaus, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, berichtete. Ursprünglich sei man davon ausgegangen, dass das Haus etwa 100 Jahre jünger sei. Eine dendrochronologische Untersuchung des Holzes und ein fast nicht mehr zu lesender Hinweis in einem Holzbalken hätten sichere Beweise für das 15. Jahrhundert als Baujahr erbracht.

Die feierliche Übergabe der Fassade erfolgt am 9. Mai anlässlich des 25. Geburtstages des Lionsclubs Halberstadt.

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