Das Ansinnen im Huy ist glasklar: Der Trink- und Abwasserzweckverband Vorharz (TAZV) soll auch im kleinen Huy-Ortsteil Wilhelmshall weiter für die Abwasserentsorgung verantwortlich sein. Die Gemeinderäte haben in ihrer Sitzung einen einmütigen Beschluss gefasst. Wie der TAZV darauf reagiert, ist offen.

Gemeinde Huy/Wilhelmshall l Einmütig gefasst, sagt Bürgermeister Thomas Krüger (CDU), und inhaltlich umissverständlich sei der Antrag, den der Gemeinderat Huy verabschiedet hat. Adressat ist der TAZV, genauer: dessen künftige Verbandsversammlung, die sich aller Wahrscheinlichkeit nach Anfang April konstituieren wird. Inhaltlich geht es um die Abwasserbeseitigung im kleinen Huy-Ortsteil Wilhelmshall. Dort sieht der TAZV laut internem Konzept und nach den Worten von Geschäftsführer Carl Haffke eine "dauerhaft dezentralen Lösung" vor, die "die Anwohner in Eigenregie bewerkstelligen" sollen, wie er jüngst gegenüber der Volksstimme sagte. Genau das wollen die Kommunalpolitiker im Huy ändern: Sie fordern - nun per Ratsvotum - eine Änderung jenes Konzeptes und wollen den TAZV in dem Mini-Ortsteil in die Pflicht nehmen und die Abwälzung der Verantwortung auf die Einwohner verhindern.

Im Prinzip, bringt es Bürgermeister Krüger auf den Punkt, sei es ja egal, wie der TAZV die Problematik löse. Eine Insellösung mit einem kleinen Klärwerk für die gut 15 Anwohner - wie seit vielen Jahrzehnten praktiziert - sei ebenso denkbar wie der Anschluss ans zentrale Entsorgungsnetz im Huy. Letztlich müsse der TAZV die effektivste Lösung finden. Allein: "Der TAZV ist hier in der Pflicht, nicht die Anwohner."

Die sehen das ebenso, verdeutlicht Werner Gringmuth. Der 71-Jährige lebt seit 1966 in der kleinen Siedlung unweit von Huy-Neinstedt und kennt die örtlichen Rahmenbedingungen wohl wie kaum ein anderer. Und: Gringmuth ist pensionierter Kommunalexperte, war nach der Wende viele Jahre Hauptamtsleiter und Vize-Bürgermeister in der Gemeinde Huy.

"Wilhelmshall hatte schon immer eine Kläranlage, schon seit 100 Jahren", erinnert er. Als 1958 die Tuberkulose-Heilstätte hier angesiedelt wurde, sei die Technik modernisiert worden - nach den damals üblichen Verfahren als biologische Kläranlage." Anschließend nahm selbige den Weg der DDR-typischen Entwicklung. Sie wurde mehr oder weniger auf Verschleiß gefahren.

Ein Zustand, der laut Gringmuth auch nach der Wende anhielt. "Der WAZ Huy-Fallstein hat als Vorgänger des TAZV nichts gemacht, da ist nie was passiert." Trotzdem, so der Wilhelmshaller, hätten die Anwohner stets Abwassergebühren zahlen müssen, als wären sie an das zentrale WAZ-Entsorgungsnetz angeschlossen.

Seine Kritik macht Gringmuth nicht daran fest. Er formuliert sie vielmehr mit Blick auf den Fakt, dass der TAZV nunmehr, wo die Kläranlage zwingend saniert oder durch einen kompletten Neubau ersetzt werden muss, die Bürger in die Pflicht zu nehmen versuche. "Die haben uns zwei Alternativen vorgeschlagen. Entweder baut sich jeder selbst eine Kleinkläranlage - wofür uns fast allen schon der nötige Platz fehlt. Oder - Variante zwei - wir bauen eine Gemeinschaftskläranlage, der TAZV gibt was dazu und wir sollen sie dann selbst betreiben." Gringmuth hat auf beide Varianten eine klare Antwort und spricht dabei offenkundig auch für die übrigen Wilhelmshaller: "Das machen wir nicht."

Schon aus Prinzip nicht, betont der 71-Jährige, für den die rechtlichen Fakten klar sind: "Die Gemeinde hat die Aufgabe Abwasserentsorgung an den TAZV übertragen, wir zahlen seit Jahr und Tag Gebühren, der TAZV ist in der Pflicht."

Nach dem einmütigen Votum im Gemeinderat weiß Gringmuth den Huy hinter dieser Forderung. Wie der TAZV, genauer, die Verbandsversammlung, das sehen, bleibt abzuwarten. Das Thema Wilhelmshall dürfte als eines der ersten auf der Tagesordnung des neuen Verbandes stehen.

Und die Zeit drängt. Nach Krügers Worten will die Wasserbehörde bei der Kreisverwaltung bis Ende März eine Entscheidung, wie es mit der Kläranlage in Wilhelmshall weitergeht. Eine Frist, die allein aus terminlichen Gründen kaum zu halten sein dürfte.

Wie der TAZV-Geschäftsführer die aktuelle Entwicklung sieht, bleibt zunächst offen. Carl Haffke wollte sich auf Anfrage nicht äußern.