In der Diskussion um den Grundschulstandort Harsleben hat sich jetzt auch Wegelebens Bürgermeister Hans-Jürgen Zimmer (CDU) zu Wort gemeldet. Er sieht die Chance auf Fördermittel zur Renovierung der Schule in seinem Ort schwinden, sollte die Einrichtung in der Nachbargemeinde wieder eigenständig werden.

Wegeleben/Harsleben l Derzeit ist die Schule in Harsleben nur eine Außenstelle der Wegelebener Grundschule. Eine Schließung des Hauses zum neuen Schuljahr verhinderte Verbandsgemeinde-Bürgermeisterin Ute Pesselt (Buko) durch zähe Verhandlungen mit den Landesschulamt. Der Harslebener Lehranstalt, die die vorgegebenen Mindestschülervorgaben aus der Schulentwicklungsplanung nicht erfüllte, drohte ein ähnliches Schicksal wie den Häusern in Groß Quenstedt und Ditfurt, die 2014 dichtgemacht wurden. Letzendlich erreichte die Verbandsgemeinde-Bürgermeisterin einen akzeptablen Deal: Harsleben blieb als Wegelebener Außenstelle erhalten.

Das geschah unter Vorbehalt. Sollten sich die Vorgaben des Landes ändern, müsse die Lage in Harsleben neu besprochen werden. Genau das ist jetzt geschehen, das Land hat die Mindestschülerzahlen bei 60 Kindern quasi eingefroren. Harsleben erfüllt diese Vorgabe künftig wieder. Der Sozialausschuss der Verbandsgemeinde wird sich auch mit diesem Thema auf seiner Sitzung am Montag, 19 Uhr, in der Roten Schule in Wegeleben befassen. Eine durchaus feurige Debatte ist zu erwarten.

Nicht zuletzt, weil SPD-Finanzstaatsekretär Jörg Felgner bei seinem kürzlichen Besuch buchstäblich Öl ins Feuer gegossen hat (die Volksstimme berichtete). Bei seinem Aufenthalt in Hedersleben und Wegeleben hatte sich dieser für die Beibehaltung der bisherigen Außenstellen-Lösung ausgesprochen. Sollten beide Lehranstalten künftig wieder getrennt werden, sei mit Fördermitteln nicht zu rechnen, ließ der Staatssekretär verlauten.

Und: Fakt ist, dass an beiden Standorten umfangreiche Renovierungen notwendig sind, um den strengen Brandschutzvorschriften Genüge zu tun. Das unterstreicht Ute Pesselt gegenüber der Volksstimme.

Die Worte von Jörg Felgner ließen die Diskussion auf heftige Weise aufleben. Gleich zwei Leser-Zuschriften erreichten die Volksstimme. In der Ausgabe am 26. Februar kamen Olaf Fricke aus Harsleben und K. Buchner aus Quedlinburg zu Wort. Sie kritisierten den Staatsekretär und seine Äußerungen. Während Fricke unterschwellig Eingriffe in die Eigenverwaltung der Kommune befürchtete, stellte Buchner fest, dass eine Zusage von Fördermitteln jeglicher Art noch fehle.

Das bringt nun wiederum Wegelebens Bürgermeister Hans-Jürgen Zimmer auf die Palme. "Ich kann ja Lokalpatriotismus durchaus nachvollziehen", meint er. "Die Schließung einer Grundschule - egal wo, beeinträchtigt die Lebensqualität gerade der jungen Familien und trägt nicht zur weiteren Entwicklung, sondern zum Ausbluten vor allem ländlicher Regionen bei."

Fest stehe aber auch, dass das Land mit der Schulentwicklungsplanung Kriterien vorgegeben habe. Wenn der Staatssekretär Felgner nun nochmals bekunde, dass keine Schule gefördert werde, wenn die Verbandsgemeinde Harsleben und Wegeleben als Standorte erhalten wolle, besteht aus Zimmers Sicht an dieser Aussage kein Zweifel.

"Ich kann die beiden Leser-Äußerungen nicht nachvollziehen", setzt der Bürgermeister fort. "Als Baumensch weiß ich, dass alle Schulneubauten zu DDR-Zeiten als sogenannte zweizügige Polytechnische Oberschulen errichtet wurden. Keines dieser Häuser hatte je eine Aula." Einen solchen Raum überhaupt in die Diskussion einzubringen sei seiner Meinung nach völlig verfehlt.

Dann wendet er sich dem Thema Sporthalle zu. "Die Halle in Wegeleben gehört nicht der Verbandsgemeinde, sie ist Eigentum der Stadt", hebt Zimmer hervor. "Ein Förderantrag zur Sanierung wurde von uns bereits per Beschluss an das Land gestellt. Grundschule und Halle in einen Topf zu werfen, geht also schon aufgrund unterschiedlicher Eigentumsverhältnisse gar nicht." Die Frage, ob die Harslebener Grundschule eventuell zu einer Bauruine verkomme, liege letztlich am Ideenreichtum des Gemeinderates in einem späteren Nutzungskonzept des Objektes und habe absolut nichts mit den Vorgaben des Landes zu tun.

"Wenn Ute Pesselt beim Besuch des Staatssekretärs mit später längeren Schulwegen in Australien und anderen Staaten argumentiert, ist das weit hergeholt und für die Grundschüler und deren Eltern nicht nachvollziehbar", sagt Zimmer. "Es ist aber auch nicht zu verstehen, wenn die Eltern, der Gemeinderat und Bürgermeister Holger Bauermeister (CDU) von Harsleben damit argumentieren, dass die Schüler dann künftig eine Grundschule in Halberstadt besuchen würden."

Diese Sicht der Dinge helfe den Menschen in der Verbandsgemeinde Vorharz kein Stück weiter. Vielmehr sollte man sich doch die Frage stellen, warum sich schon über Jahre hinweg niemand auf die ausgeschriebene Schulleiterstelle in Harsleben beworben habe. "Diese wichtige Funktion übt ebenfalls schon seit Jahren die Wegelebener Schulleiterin Heike Stiemer aus", erinnert der Wegelebener Bürgermeister. "Und das tut sie in der Tat mit Einsatzwillen und Herzblut."

Zimmer erinnert auch daran, dass der Verbandsgemeinderat im Rahmen der Schulentwicklungsplanung, eindeutig einen Beschluss für den Schulstandort Wegeleben gefasst habe. "Wenn diese Entscheidung jetzt wieder zur Disposition steht oder gar vom Verbandsgemeinderat gekippt werden sollte, werde ich alles daran setzen, dass der Standort Wegeleben auch gefördert wird."

Sollte es in der Endkonsequenz für beide Orte keine Fördergelder geben, dann sei das eben so. "Auch ich kämpfe für den Erhalt unserer Schule und weiß nicht nur unsere Ratsmitglieder, sondern die gesamte Bevölkerung der Stadt sowie ihrer Ortsteile hinter mir", fügt der Bürgermeister hinzu. Es sei schlimm genug, dass Wegeleben im Jahr 2003 den Sekundarschulstandort verloren habe, der nach Zimmers Meinung durchaus zu halten gewesen wäre.

"Zum Schluss sei mir noch ein Hinweis gestattet", sagt Zimmer: "Der Verbandsgemeinderat hat sich mehrheitlich eindeutig für den Kindergarten-Neubau in Harsleben ausgesprochen, es wurde sogar ein nicht unbeträchtlicher Kredit in Millionenhöhe aufgenommen. Wo bitte bleibt denn jetzt das Solidarprinzip?"