Die Mitglieder der Langensteiner Feuerwehr sehen sich mit einer steigenden Zahl von Einsätzen konfrontiert. Ein entscheidender Grund ist die Atemschutz-Gruppe, die sie stellen. Die Truppe wird oft gerufen.

Halberstadt/Langenstein l Sebastian Rindert kann die Zahlen aus dem Effeff herbeten: Zu insgesamt 85 Einsätzen seien die Langensteiner Wehrmitglieder im vorigen Jahr gerufen worden. "Neben 40 Bränden gab es 18 Fälle, in denen unsere technische Hilfeleistung gefragt war, und leider auch 27 Notrufe, die sich als Fehl-Alarmierungen entpuppten", berichtete der Ortswehrleiter kürzlich in der Jahreshauptversammlung der Wehr. Mache unterm Strich 85 Fälle für die kleine Ortsfeuerwehr unweit der Kreisstadt. Dass deren aktiven Mitglieder stark gefordert worden seien, habe jedoch eine Ursache, erinnert der 38 Jahre alte Hauptbrandmeister im Gespräch mit der Volksstimme: Die Langensteiner bilden mit 15 Frauen und Männern die Atemschutz-Überwachungstruppe und sind daher bei allen schwierigeren Einsätzen im Stadtgebiet sofort gefragt. Und das mache die Truppe wiederum auch stolz.

Jene fachliche Aufteilung sei kurz nach der Eingemeindung vorgenommen worden. Während beispielsweise Mitglieder der Sargstedter Ortswehr bei größeren Einsätzen die Verpflegung managen, sind die 15 Langensteiner die rückwärtigen Dienste für die Einsatzkräfte, die unter Atemschutz agieren. "Wir betreuen und überwachen die Atemschutzgeräteträger, sind für den Nachschub an Technik und Atemgas verantwortlich und unterstützen den Einsatzleiter", beschreibt Sebastian Rindert das Aufgabenspektrum.

Ein Spektrum, das ganz automatisch viele Einsätze nach sich ziehe: "Wenn es im Stadtgebiet um Gebäude-Brände, unklare Feuer und Einsätze mit Gefahrstoffen geht, werden wir sofort alarmiert. Hinzu kommen ausgelöste Brandmeldeanlagen in Einrichtungen mit behinderten, pflegebedürftigen oder kranken Personen", erklärt Rindert. Und damit nicht genug: Alle Fälle, die von den Leitstellen-Mitarbeitern als Mittelbrände klassifiziert würden, riefen ebenfalls sofort die Langensteiner auf den Plan. In Zahlen ausgedrückt: 47 der 85 Einsätze der Ortswehr im Jahr 2014 schlugen laut Rindert zu Buche, weil die Atemschutz-Truppe gerufen wurde.

Auch sonst mussten die 28 aktiven Wehrmitglieder keineswegs über Langeweile klagen. Im Sommer 2014 waren es vor allem Dauerregen und sintflutartige Regenfälle, die die Langensteiner - ebenso wie andere Wehren im Harzkreis - forderten. "Anfang Juli galt es viele Keller leerzupumpen", erinnert Rindert. Die Langensteiner hätten einen ganzen Tag lang Keller im Ameos-Klinikum leergepumpt.

Kaum waren die Folgen der Dauerregenfälle im Stadtgebiet vorbei, ging es Ende Juli nach Ilsenburg. Dort hatten extreme Regenfälle Schlamm und Geröll von den Hängen in die Stadt gespült. Als die Ilsenburger der Situation allein nicht mehr Herr werden konnten, rückte Verstärkung aus dem ganzen Kreisgebiet an. Und dann, erinnert Rindert, waren auch noch 40 Brandeinsätze, darunter das Großfeuer im Küchengarten und die vielen Brandstiftungen in der Altstadt.

Daneben investierten die Langensteiner auch 1600 Stunden in die Fortbildung. Und die Kameraden unterstützten Vereine und Einrichtungen im Ortsteil bei Veranstaltungen und Festen, darunter Kindergarten und Bikerfreunde. Ferner halfen die Kameraden, im Ortsteil Böhnshausen den Feuerlöschteich zu reparieren sowie von Gestrüpp und Bäumen zu befreien.

Der Wehrchef rechnet auch in diesem Jahr mit viel Arbeit. "Wir hatten in den ersten beiden Monaten bereits 20 Einsätze - gut möglich, dass wir im Jahresverlauf auf über 100 kommen." Deshalb sei die Wehr immer auf der Suche nach neuen Mitstreitern. "Montags um 19 Uhr treffen wir uns zum Dienstabend im Gerätehaus - Interessenten sind immer willkommen", betont Sebastian Rindert.