Mit dieser Ausstellung hat der Schäfers-Hof-Verein ins Schwarze getroffen. Seit Sonntag sind dort historische Postkarten und Fotos von Osterwieck aus der Sammlung von Hans Natzenberg zu sehen.

Osterwieck l Schon seit über 20 Jahren sammelt Hans Natzenberg historische Ansichten von Osterwieck. Fündig wird er oft auf Flohmärkten in der Region. Mittlerweile ist er aber als Sammler schon so bekannt, dass er Postkarten oder Fotos gleich direkt angeboten bekommt. Sein Fundus umfasst einige hundert Bilder, darunter etwa 150 Postkarten.

Die älteste gedruckte Postkarte ist übrigens von 1898, auf die Natzenberg natürlich besonders stolz ist. Das ist er ebenso auf das Foto von der Häuserzeile am Markt, die vor dem großen Stadtbrand Anfang 1884 an der Stelle des heutigen Rathauses und "Deutschen Hauses" stand.

"Früher gab es sechs Postkartenhersteller in Osterwieck", berichtete Hans Natzenberg. Gedruckt worden sei aber alles bei Zickfeldt, der früher auch die Ilse-Zeitung herausgab.

Die Besucher, die den ganzen Sonntag über für Leben im Schäfers Hof sorgten, sahen viel Vergangenes, das heute so nicht mehr existiert. Die Häuserzeile der längst abgerissenen Neukirchenstraße 6 bis 8 zum Beispiel. Nur wenige werden heute wissen, dass der Osterwiecker Markt auch mal Adolf-Hitler-Platz hieß, wie einer Postkarte von 1939 zu entnehmen ist. Auf einem Nachkriegsfoto vom Markt sind Verkehrswegweiser nach Hessen und Deersheim in russischer Sprache zu sehen.

Noch mehr solcher Aha-Effekte stellen sich beim Besuch ein. So bei den vielen Ladengeschäften, die die Vorfahren in den Fachwerkhäusern unterhielten. Oder bei der Farbgebung der Häuser in den handcolorierten Bildern betrifft.

Trotz seiner großen Sammlung hat Natzenberg noch einige Wünsche. Dazu gehören Fotos vom "Bunten Hof" und ganz besonders eine Postkarte von "Jürgens Saalbau", die er auf einem Flohmarkt schon gesehen hat, ihm aber einfach zu teuer war. "Irgendwann bekomme ich die schon noch."

Neben den Bildern hat Hans Natzenberg auch einige Hefte und Bücher der Ausstellung beigelegt. Zum Beispiel eine Festschrift vom 50-jährigen Bestehen der Zuckerfabrik, etliche weitere Schriften über die Stadt von den Anfängen bis zum Ende des 20. Jahrhunderts.

Mittlerweile dient ein Zimmer seiner Wohnung nur dem Hobby. "Meine Frau hat Verständnis dafür", sagt der Sammler. "Ich bin Osterwiecker, wurde hier geboren", nennt er seine Motivation und weiß, dass es noch weitere Sammler in der Stadt gibt.

Für Hans Natzenberg ist es nach 2012 bereits die zweite Ausstellung im Schäfers Hof. Diese jetzt ist aber noch umfangreicher als damals. Dass er selbst längst gefühlte tausend Geschichten zu den Häusern und Postkarten erzählen kann, das können Besucher nochmal am kommenden Sonnabend, 7. März, und Sonntag, 8. März, jeweils von 10 bis 16 Uhr erleben. Dann betreut Natzenberg die Schau wieder selbst. Ansonsten kann sie den ganzen März über montags bis freitags von 10 bis 16 Uhr besichtigt werden.