Dass sie nicht nur an schnaufenden Dampfrössern interessiert, sondern auch auf historische Straßenbahnen neugierig sind, bewiesen 27 britische Eisenbahnfans beim Besuch in Halberstadt. Sie erkundeten das komplette Streckennetz, besuchten das Depot und stellten viele Fragen.

Halberstadt l Andrew Thompson kommt nicht zum ersten Mal auf dem Hauptbahnhof an. "Ich habe Halberstadt als eine interessante und liebenswerte Stadt entdeckt. Allein wegen seiner Kirchen, dem Domschatz und der anderen Sehenswürdigkeiten ist sie einen Besuch wert. Und wegen des Straßenbahnnetzes, das man mit historischen Bahnen erkunden kann", so der Reiseleiter von Railway Touring. Diesmal hat er 27 britischen Eisenbahnfans im Gefolge, von denen er weiß, dass sie sich nicht nur für Dampfloks interessieren, sondern "ganz scharf auf Fahrten mit der Tram" sind.

Empfangen werden die Frauen und Männer von Axel Wöhlbier, Geschaftsführer der Halberstädter Verkehrs GmbH (HVG), der sie zum historische Triebwagen 30 (Baujahr 1966) begleitet, den Susanne Glanz anschließend via Herbingstraße zum Depot steuert. Mit unterwegs ist Astrid Schneider, eine ehemalige Mitarbeiterin im Unternehmen, die wieder einmal in ihre Straßenbahneruniform von vor 1989 geschlüpft ist, eine historische Wechselkasse dabei hat und damit beliebtes Fotomotiv der weit gereisten Gäste ist.

Im Straßenbahndepot an der Gröperstraße schlagen die Herzen der Briten höher und ihre Fotoapparate klicken wie schon unterwegs beim Fotostop. Hier stehen historische Triebwagen verschiedener Generationen aufgereiht zur Besichtigung. Selbst den Besuch der Werkstatt lässt sich keiner entgehen, wo Axel Wöhlbier den Neugierigen Auskunft gibt und Fragen beantwortet.

Dann nimmt die Gruppe auf den Holzbänken im Lindner-Triebwagen 31 (Baujahr 1939) Platz und erlebt Straßenbahnnostalgie pur auf Teil 2 der Stadtrundfahrt. Diese führt zunächst zur Wendeschleife am Sargstedter Weg und dann in entgegengesetzte Richtung bis zur Endstation Klusberge.

Als das fast zehn Kilometer umfassende Schienennetz in der Harzkreisstadt komplett "erfahren" war, nutzen die Bahnreisenden die verbleibende Zeit, um Halberstadt individuell zu entdecken. Auf der Wunschliste stehen vor allem der Dom und sein Schatz.

"Wir führen Eisenbahn-Fans zu besonderen Strecken auf der ganzen Welt", berichtet Andrew Thompson, Mitarbeiter des Spezialanbieters Railway Touring. "Die aktuelle Reise ,Highlights of Germany - Harz Mountains and Berlin` hält für die Besucher eine Menge Sehens- und Erlebenswertes bereit." Auf dem Programm stehen unter anderem ein Besuch der UNESCO-Weltkulturerbe-Stadt Quedlinburg, wo eine Sonderfahrt mit der Dampflok durchs Selketal führt. Als Höhepunkt der Harzreise gilt die Reise zum Brocken. "Alle waren total begeistert, zumal das schöne Wetter und die herrliche Winterlandschaft der Fahrt zusätzliche Pluspunkte verliehen", so Thompson. Das HSB-Rover Ticket erlaubt allen einen Tag lang noch eine individuelle Erkundung des Schmalspureisenbahnnetzes.

"Bevor wir nach Halberstadt gekommen sind, hat uns ein Schweizer Bus ,Saurer Alpenwagen` aus dem Jahre 1959 noch zum Wernigeröder Schloss und danach zum Bahnhof gebracht. Letzte Station der Germany-Tour ist Berlin, wo die Vielfalt des Schienenverkehrs erkundet und selbstverständlich nicht auf den Besuch von Sehenswürdigkeiten in der deutsche Hauptstadt verzichtet wird", sagt Andrew Thompson und versichert beim Abschied, im Herbst mit einer nächsten Gruppe erneut nach Halberstadt zu kommen (siehe Kasten).