Der Hessener Schlossturm ist wieder geöffnet. Etwa 80 Besucher kamen am Sonntagnachmittag, um einen Vortrag zu erleben und vom Turm Ausblicke auf die Dächer des Dorf zu genießen.

Hessen l "Vom Burgturm zum Schlossturm. Ein kleiner Ausblick in die weitere und neue Geschichte des Turmes der Oberburg" lautete der Titel des Lichtbildervortrags von Klaus Bogoslaw im Ostflügel des Schlosses. Der Vorsitzende des Schloss-Fördervereins und seine Mitstreiter zeigten sich von den vielen Besuchern, die aus dem Raum zwischen Halberstadt und Wolfenbüttel kamen, überrascht.

"Der Besuch ist absolut gut", sagte auch der Ortschronist Peter Rühland. "Einfach toll", freute sich Maik Haim, der mit anderen Ehrenamtlichen am Kuchentisch half.

Mit ihrer schönen Gitarrenmusik umrahmte Sophie Braune aus Osterwieck die gelungene Festveranstaltung. "Gut, dass wir über alle Zerstörungen Informationen bekommen haben", sagte Petra Gifhorn aus Hessen. Margarete Kretschmar betonte: "Es ist sehr gut, dass unser Schloss saniert worden ist." Positiv über das jüngste Bauvorhaben am Turm und den Vortrag äußerten sich auch Barbara und Waldemar Kröhnke gegenüber der Volksstimme.

Klaus Bogoslaw ging auf die Geschichte und Nutzung der beiden Türme und die im Jahr 1589 erfolgte Deckenmalerei im Schlossturm ein. "Nach 1560 wurde der Schlossturm umgebaut", erklärte er. Die Besucher erfuhren, dass die Wendeltreppe aus Verteidigungsgründen rechts drehend errichtet worden ist. Nach den Worten des Vorsitzenden sei die Aussichtsplattform "ein offenes Refugium" gewesen.

Bereits im Jahr 2011 habe man im Dachstuhl "Faulstellen, viele Schadstellen, Holzwürmer und Wurmfraß ohne Ende" gesichtet. "Es war fünf vor zwölf", erklärte Klaus Bogoslaw. Auch seien alle Entlastungsbögen "mit starken Auswaschungen" defekt gewesen.

"Der Turm war früher geputzt", ergänzte der Redner. Während der jüngsten Sanierungsmaßnahme haben Fachleute den Turm mit einem Spezialmörtel eingeschlemmt und dadurch gleichzeitig die Fugen verfüllt. Das gesamte Mauerwerk wird so nachhaltig geschützt. Die Gaube in der Turmspitze wurde so gebildet, dass Fledermäuse einfliegen können. Dabei wies Bogoslaw auch auf Turmfalken im Hausmannsturm hin. Evamaria Wolff aus Hornburg sprach von einer "schönen Dokumentation, viel Idealismus und einer hervorragenden Vereinsarbeit." Sie ergänzte lobend: "Viel Herzblut für die Nachkommen. Wunderbar. Selbst an den Naturschutz wurde gedacht."

Interessant sei es gewesen, den Einbau der schweren Balken zu beobachten. "Eine fantastische Arbeit, ein Traum", ließ der Chef des 20 Jahre alten Fördervereins aufhorchen. Er bezeichnete die Zusammenarbeit mit den Werkstätten für Denkmalpflege und anderen Handwerkern als "sehr angenehm".

Auf eine Vergoldung des großen Turmknopfes habe man verzichtet, weil eine frühe Vergoldung nicht erkennbar gewesen sei. "Viel Aufwand. Lieber ein saniertes Fenster mehr als eine Vergoldung, wenn wir nicht wissen, wie lange sie hält", erklärte der Referent, der nach seinem fast einstündigen Vortrag für zahlreiche Besucher im Schlossturm die Türen öffnete. Viele Interessierte gingen die 125 Stufen hinauf und stellten bei der trüben Witterung fest, wie schön der Ausblick erst sein muss, wenn die Sonne scheint.

"Wenn wir uns nicht vor 25 Jahren auf den Weg gemacht hätten, wäre dieses Bauwerk verfallen. Das Wahrzeichen soll in der Sonne erstrahlen", sagte Osterwiecks Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (Buko) zu den Besuchern.

Klaus Bogoslaw wies während des Vortrages auf die Steinscheune der Unterburg hin, deren Kern aus dem 14. Jahrhundert stammt. "Vielleicht lässt sich hier später einmal ein großer Vortragsraum einrichten", ließ er mit einer neuen Idee aufhorchen. "Möge alles lange halten, der Turm auf Hessen blicken und wir immer Frieden haben", beendete Bogoslaw seine mit viel Applaus bedachten Ausführungen.

Die Turmsanierung kostete 332 000 Euro. In der Summe sind überwiegend Fördergelder enthalten. Der SPD-Landtagsabgeordnete Ronald Brachmann teilte zum Schluss gegenüber der Volksstimme mit: "Ohne Schlossverein würde hier eine große Ruine stehen. Das Land hat gern geholfen. Mit Blick auf die Steinscheune fügte er hinzu: "Der Raum ist heute überfüllt gewesen. Ein größerer Raum wäre sinnvoll."

Die Mitglieder des Fördervereins Schloss Hessen bereiten derweil die Ausstellung "20 Jahre Förderverein" vor. Eine Festveranstaltung mit Ausstellungseröffnung ist am 25. April um 19 Uhr vorgesehen. Einen Tag später findet ab 10 Uhr die diesjährige Pflanzenbörse statt.

 

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