Energie ist teuer. Das spürt die Stadt Osterwieck, selbst wenn sie von den Versorgern Sonderkonditionen eingeräumt bekommt. Im Bauausschuss des Stadtrates wurde jetzt angeregt, angesichts der Haushaltslage durch Neuausschreibungen die Stromkosten zu senken.

Stadt Osterwieck l Anlass der Diskussion im Bauausschuss waren die Haushaltszahlen des Fachbereichs Bau und hierbei die Kosten fürs Straßenlicht. 180 000 Euro standen dafür im Entwurf. "Ich gehe aber davon aus, dass wir weniger brauchen", sagte Fachbereichsleiter Detlef Schönfeld. Woraufhin Jens Kiebjieß (Bündnisgrüne) anregte, den Strom als Paket, also für alle Orte, auszuschreiben. "Man kann Geld sparen, ohne dass es uns wehtut." Und Hans-Jörg Gifhorn (Aktive Bürger) fügte hinzu, man könne die Ausschreibung auch auf alle Gebäude ausdehnen.

Tatsächlich ist der Strom ein großer Posten im Haushalt. 275 000 Euro zahlte die Stadt Osterwieck 2014 an die Versorger, davon entfielen 145 000 Euro auf das Straßenlicht. Schönfelds Hoffnung auf geringere Kosten sind also berechtigt.

Vor allem beim Straßenlicht ist in den letzten Jahren schon kräftig an Stromkosten gespart worden. Und zwar durch die Umrüstung auf Energiesparleuchten. 2008 erfolgte das bereits in Lüttgenrode und Stötterlingen, 2009 in Wülperode, Göddeckenrode und Suderode. 2011 gab es die Umstellung in Deersheim, 2012 begann sie in Hessen, 2013 in Rohrsheim, 2014 in Zilly. Dieses Jahr ist sie für Bühne, Hoppenstedt und Rimbeck geplant, 2016 für Veltheim und Osterode, 2017 in Berßel und 2018 in Rhoden. In Dardesheim läuft bereits ein Pilotprojekt, bei dem die noch sparsamere, aber von der Anschaffung teurere LED-Technik eingesetzt wird. Osterwieck und Schauen haben in ihren Laternen auch Energiesparleuchten, finanziell wirkt sich das für die Orte jedoch nicht aus. Sie besitzen seit 2009 Wartungsverträge über zehn Jahre mit dem Netzbetreiber Avacon zu festen Pauschalpreisen.

In den Orten, wo bereits Energiesparleuchten installiert sind, ist der Einspareffekt deutlich ablesbar. In Deersheim und Hessen zum Beispiel sanken die Stromverbräuche um mehr als die Hälfte, in Rohrsheim im Vergleich zu 2010 sogar auf ein Drittel. Was sich auch in den Kosten trotz zwischenzeitlicher Tariferhöhungen niederschlägt.

Am teuersten ist das Straßenlicht in Osterwieck. Für den Pauschalvertrag zahlt die Stadtverwaltung jährlich 50 000 Euro, in Schauen sind es 9000 Euro. Wie günstig es mit eigenen Energiesparleuchten geht, zeigen andere Beispiele: Schauen hat knapp 500 Einwohner, aber die weit größeren Orte Deersheim und Hessen liegen heute unter den Schauener Kosten.

Unabhängig von den Stromverbrauchssenkungen denkt man in der Stadtverwaltung schon seit einiger Zeit daran, den Strom günstiger zu bekommen. Vertragspartner für Straßenlicht (außer Osterwieck und Schauen) und Gebäude ist derzeit E.ON. In jeweils einem Rahmenvertrag für Allgemeinstrom und Straßenbeleuchtungen sind die Energiemengen der Einheitsgemeinde bereits gebündelt. Diese Rahmenverträge laufen in der Regel zwei Jahre. Vor Ablauf der Laufzeit wird über zu liefernde Energiemengen und Preise verhandelt. Gleichzeitig werden auch andere Angebote geprüft.

Bisher, so berichtete Wirtschaftsförderer Peter Eisemann, seien die Verträge stets verlängert worden. E.ON ist nicht nur Grundversorger, sondern hat auch kommunale Miteigentümer. So hält die Stadt Osterwieck - ursprünglich noch aus der Nachwendezeit der EVM (Energieversorgung Magdeburg) - über die Kowisa Anteile an dem Energieversorger.

Die Stadtverwaltung will sich zum Ende dieser Vertragsperiode nach Alternativen umsehen und andere Anbieter abfragen. Überlegt wird auch, durch eine Bündelung der Strommengen gemeinsam mit der Nachbargemeinde Huy den Umfang zu erhöhen und so gegebenenfalls bessere Preise erzielen zu können. "Hier sind wir aber erst am Anfang", erklärte Eisemann.

Beim Erdgas wird übrigens ebenfalls an eine Änderung gedacht, aber laut Wirtschaftsförderer erst mittelfristig. Hier gebe es in den Orten mehrere Anbieter, in der Regel den jeweiligen Grundversorger.

Unterm Strich erwartet Peter Eisemann aus den reinen Stromkosten keine sensationellen Einsparungen. Angesichts der etwa eine Million Kilowattstunden Gesamtverbrauch ergäbe ein Cent je Kilowattstunde eine Ersparnis von 10 000 Euro im Jahr. Einen Cent Unterschied zu erhalten, sei jedoch nach Einschätzung des Osterwiecker Wirtschaftsförderers keineswegs zu erwarten, weshalb die Einsparungen noch geringer ausfallen dürften. Vor diesem Hintergrund müsse man bei einer Veränderung des Anbieters auch im Auge behalten, wie hoch der städtische finanzielle Aufwand ist und was dann letztendlich übrig bleibt.