Erfolgreich läuft die Spendenaktion für den Bismarckturm. Der Verein Halberstädter Berge möchte den abgeschlagenen Namenszug wieder herstellen lassen. Etwa 5000 Euro sind bereits zusammengekommen.

Halberstadt (geg) l Der Verein Halberstädter Berge hat sich ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: Schon bald soll wieder der Namenszug Bismarck über dem Eingang des zu Ehren des Gründervaters und ersten Kanzlers des Deutschen Reiches errichteten Turmes in den Spiegelsbergen stehen. Um das Projekt realisieren zu können, startete der Verein kürzlich einen Spendenaufruf (Volksstimme berichtete).

"Die bisherige Resonanz ist sehr gut", schätzte Roswitha Hutfilz ein. Sie verwies auf zahlreiche Einzelspenden mit dem Gesamtergebnis von 1800 Euro, als ihr am Fuße des über 100 Jahre alten Bauwerkes ein Scheck über 1000 Euro überreicht wurde. Überbringer waren Dr. Ulrich Heucke und Jörg Gardzella. Der Arzt und der Architekt gehören der achtköpfigen Investorengemeinschaft an, die in der Bismarckstraße einem imposanten Backsteingebäude aus dem Jahr 1899 eine Zukunft geben wollen. Über 100 Jahre diente es als Schulhaus, schon bald werden dort Patienten in einem Praxis- und Therapiezentrum ein- und ausgehen. Zu den großzügigen Unterstützern gehört auch die Allianz Umweltstiftung, wie Chris Schöne, Vorsitzender des Vereins Halberstädter Berge, informierte. Weitere 2500 Euro will die Stiftung spenden.

"Weil das künftige Ärztehaus in der Bismarckstraße steht und sich der Geburtstag von Bismarck, der auch als Sozialreformer gilt, am 1. April zum 200. Mal jährt, haben wir zwei gute Gründe, das Projekt zu unterstützen", sagte Gardzella. "Alle, die in das Haus einziehen werden, fühlen sich mit Halberstadt und der Umgebung sehr eng verbunden", nannte Heucke einen weiteren wichtigen Grund. Außerdem habe sich ein gutes Miteinander zwischen der Investorengruppe und der Stadt entwickelt. "Wir haben bisher gute Unterstützung bekommen. Da möchten wir gern auch etwas zurückgeben", bekräftigte der Architekt.

"Schön, dass sich Privatleute engagieren. Ohne sie wäre vieles nicht möglich." - Jörg Gardzella, Architekt

Roswitha Hutfilz war nicht nur von der Motivation, sondern auch der Spendenhöhe begeistert. Damit können zwei Buchstaben finanziert werden.

Das B und das R wurden bereits vergeben. Nach kurzer Abstimmung einigten sich die beiden Schecküberbringer auf C und K. Sie hoffen, dass sich weitere Spender anschließen werden und der Namenszug in alter Form zeitnah wieder über dem Eingang angebracht wird.

Abgeschlagen wurde er in den 1960er Jahren. Zu dieser Zeit plante man, den Turm in eine Schul- und Volkssternwarte umzubauen, berichtet Roswitha Hutfilz auf der Aussichtsplattform des Sandsteinturmes. Dieser Gedanke wurde aber wieder verworfen. Kurz darauf erfolgte die Umbenennung in "Turm des Friedens". Seit der Wende heißt er wieder offiziell "Bismarckturm".

Für die Ausführung des Namenszuges standen zwei Varianten zur Debatte.

Der Denkmalschutz empfahl statt einer Edelstahlausführung das sogenannte Aufmörteln, welches zwar geringfügig teurer ist, jedoch dem Original viel mehr entspricht.

"Am 1. April wollen wir den Baustart mit einem ,ersten Spatenstich` symbolisch vollziehen", kündigte Roswitha Hutfilz an und verwies auf ein nahe gelegenes kleineres Projekt, das schon bald abgeschlossen sein wird. "Etwa 100 Meter östlich des Turmes existierte mal eine Bismarckbank. Diese wurde jetzt nach alten Bauzeichnungen im Aus- und Weiterbildungszentrum rekonstruiert. Demnächst wird sie auf das bereits gegossene Fundament montiert."

"Schön, dass sich Privatleute engagieren. Ohne sie wäre vieles nicht möglich", bemerkte Jörg Gardzella. Dem stimmte Roswitha Hutfilz zu und machte darauf aufmerksam, dass auch der am 22. März 1907 feierlich eingeweihte 22 Meter hohe Turm durch Spendengelder finanziert worden war, welche ein extra gegründetes Bismarckturm-Komitee gesammelt hatte. 38 000 Goldmark (entspricht heute etwa 196 00 Euro) hat der Bau damals gekostet, wie Ortschronist Werner Hartmann recherchierte.

Fast jeder Halberstädter kennt das Bauwerk. Von der Aussichtsplattform hat man einen großartigen Blick über Halberstadt, das Harzvorland und bei gutem Wetter sogar bis zum Brocken. Der Turm ist zwar verschlossen, aber wer ihn besichtigen möchte, kann sich den Schlüssel ausleihen, informiert Chris Schöne. Er ist im Kassenhaus des Tiergartens hinterlegt. Gegen eine Schutzgebühr wird der Schlüssel ausgehändigt und bei Rückgabe das Geld erstattet.

Spenden unter Verwendungszweck "Bismarckturm" werden auf dem Vereinskonto IBAN DE26810520000339824760 gesammelt