Thale l Eine buchstäblich waghalsige Abstiegstour vom Thalenser Hexentanzplatz wäre am Mittwochabend einer Frau aus Potsdam und deren sechs Jahre alter Tochter um Haaresbreite zum Verhängnis geworden. Die beiden Touristen hatten sich beim Abstieg in Richtung Jugendherberge gegen 17.30 Uhr im felsigen Gelände verlaufen und steckten an einem extremen Steilstück fest (die Volksstimme berichtete). "Nur dank der Zeugen, die die verzweifelten Hilferufe der beiden hörten und die Polizei alarmierten, konnten wir noch rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit nach ihnen suchen", berichtete Jens Kowalewski von der Bergwacht Thale.

Gleichwohl wurde die Rettung zum Wettlauf gegen die Zeit und zum Großeinsatz von Feuerwehr, Bergwacht sowie Notarzt und Polizei. Nach dem Eingang des Notrufs mussten die herbeigeeilten Retter die beiden Opfer zunächst im Bergmassiv lokalisieren. "Wir haben zwar die Hilferufe gehört, konnten die Position jedoch weder vom Tal noch vom Hexentanzplatz eingrenzen", sagte der Ortswehrleiter der Thalenser Feuerwehr, Rainer Stuck. Wegen der einbrechenden Dunkelheit zählte jede Minute. Neben der alarmierten Bergwacht wurde ein Polizeihubschrauber aus Magdeburg angefordert. "Dessen Besatzung konnte die beiden aus der Luft lokalisieren und die Leute von der Bergwacht dirigieren."

"Ich weiß nicht, was gewesen wäre, wenn wir Polizeihubschrauber und Bergwacht nicht gehabt hätten."

Rainer Stuck, Ortswehrleiter Thale

Dabei sei auch die ganze Dramatik deutlich geworden: Die Mutter war auf dem Steilstück rund zehn Meter abgerutscht und kam nicht zurück zur Tochter. Die Sechsjährige traute sich, rund 70 Meter über dem Fuße des Bodetals, allein keinen Schritt mehr zu. "Wir haben uns herangearbeitet und Mutter und Tochter aus der höchst misslichen Lage befreit", sagt der Thalenser Bergwacht-Chef Jens Kowalewski.

Der 54-Jährige, der nach dem Notruf mit acht ehrenamtlich tätigen Kletterprofis ins Bodetal geeilt war, schnallte sich das völlig entkräftete und verängstigte Mädchen auf den Rücken und seilte sich vorsichtig mit ihr zusammen ins Tal ab. Dort warteten bereits Einsatzkräfte der Feuerwehr sowie Notarzt und Rettungssanitäter auf die Unglücksraben, die die Tortur unverletzt überstanden.

Für Feuerwehrchef Rainer Stuck hat dieser Einsatz, der die Retter bis etwa 21 Uhr in Atem hielt, einmal mehr die Bedeutung der Bergwacht gezeigt: "Ich selbst kenne mich überhaupt nicht aus in dem Gelände, das ja fast schon alpin ist. Und ich will auch gar nicht darüber nachdenken, was am Mittwoch gewesen wäre, wenn wir Polizeihubschrauber und Bergwacht nicht so schnell vor Ort gehabt hätten", sagte der Wehrleiter, der deutliche Worte findet: "Das hätte ganz, ganz böse ausgehen können."