Wie eine Seifenblase ist der Plan geplatzt, im Süden Halberstadts einen Wildpark zu errichten. Die Betreibergesellschaft hat Insolvenz angemeldet, die Investoren sind zerstritten.

Halberstadt l Ein Natur-Eldorado für Touristen aus nah und fern sollte mit dem Wildpark "Wilde Weiden" im Süden Halberstadts entstehen. Der Plan: 200 Bisons weiden auf dem einstigen Militärgelände, Themen-Wanderwege, ein Info-Center und ein Ferienpark entstehen, kündeten die Investoren vollmundig an. Ernüchternd ist die Realität. Drei Jahre nach Start des Projekts auf dem etwa 240 Hektar umfassenden Areal an der Friedrich-List-Straße sucht man den Touristenmagneten vergeblich. Den Sprung vom Reißbrett in die Realität hat nur ein 28 Hektar umfassender Solarpark geschafft, der mit einer Leistung von 18,2 Megawatt Ökostrom produziert.

Haben sich die Stadtverwaltung Halberstadt und der Stadtrat, die die Rahmenbedingungen zum Aufbau des Wildparks geschaffen haben, vorführen lassen? Im Rathaus betont man, dass sich die Flächen zu keinem Zeitpunkt im Eigentum der Stadt befunden haben. Die habe der Bund an Privat verkauft. Verwaltung und Stadtrat haben die Konzeptidee nur begleitet, heißt es auf Volksstimme-Nachfrage. Die Chancen, dass die Pläne für den Wildpark umgesetzt werden, sind nach Einschätzung der Stadtverwaltung gering. Die Kommune habe Kenntnis von schwerwiegenden Unstimmigkeiten zwischen den Gesellschaftern der betroffenen Firmen. Eine, die WW Harzland, habe bereits Insolvenz angemeldet. "Da dies die Betreibergesellschaft für `Wilde Weiden` werden sollte, gehen wir davon aus, dass die Projektidee nicht mehr, jedenfalls nicht in absehbarer Zeit und von den bisher handelnden Personen, umgesetzt werden kann", resümiert Rathaussprecherin Ute Huch.

Involviert ist die Kommune trotzdem in das glücklose Vorhaben - finanziell. Es gibt einen Vertrag zwischen Stadt und Investoren. In diesem ist eine Strafe für den Fall festgeschrieben, dass der Wildpark nicht fertiggestellt wird. Die Forderung: 50 000 Euro für das millionenschwere Projekt. "Die Strafe konnte noch nicht eingefordert werden, weil sie erst fällig wird, sollte das Vorhaben nicht bis zum 30. September 2017 übergabefertig sein", informiert Ute Huch. Nichtsdestotrotz sei das Geld als Forderung bereits im Insolvenzverfahren geltend gemacht worden.

Kritiker und Skepiker hatten die Stadt davor gewarnt, die Reihenfolge des Plans auf Investoren-Wunsch hin zu ändern. Ursprünglich sollte erst der Wildpark und dann der Solarpark entstehen. Bereits bei der Vorstellung des Vorhabens 2011 im Stadtentwicklungsausschuss warnte CDU-Stadtrat Hans-Joachim Purfürst davor, dies zu ändern. Er und andere Ausschussmitglieder sahen die reale Gefahr, dass der Wildpark vorgeschoben wird, um letztendlich nur einen Solarpark bauen zu können. Bedenken, die kurze Zeit später in den Wind geschlagen wurden - mit dem bekannten Ergebnis. Auf die Volksstimme-Frage, ob die Verwaltung den Investoren auf den Leim gegangen sei, heißt es aus dem Rathaus: "Die Reihenfolge war politischer Wille." Ob es zur Realisierung der "Wilden Weiden" geführt hätte, wenn der Stadtrat starr an seiner einmal beschlossenen Reihenfolge festgehalten hätte, müsse offen bleiben, so Ute Huch..

Die Verwaltung versucht dem noch etwas Gutes abzugewinnen. Der ursprüngliche Zustand des Areals habe sich erheblich verbessert. "Die Gesellschaft hat nachweislich explosive Munition und Munitionsteile in Größenordnung geborgen sowie Grundwasser gefährdende Stoffe entsorgt. Unter diesem Gesichtspunkt bewerten wir das Projekt auch ohne `Wilde Weiden` positiv." Die gesamte Umsetzung wäre wünschenswert gewesen.