Dardesheim hatte bisher das Privileg, als kleiner Ort sogar noch zwei Lebensmittelgeschäfte zu haben. Am heutigen Dienstag um 12 Uhr aber schließt für immer der Laden am Lindenberg.

Dardesheim l "Wir werden alle traurig sein. Uns Älteren fällt es eben schwer, die Treppe zum Einkaufsmarkt am Rathausplatz empor zu steigen", sagte Hedwig Schubert bei ihrem letzten Einkauf im Geschäft von Heidemarie Wrackmeyer. Das Gebäude mit dem Ladenraum ist verkauft worden.

Vor genau 20 Jahren, im März 1995, übernahm Heidemarie Wrackmeyer mit einer Gewerbeanmeldung das kleine Geschäft am Lindenberg. Als Nachfolgerin von Ingrid Droop, die den damaligen Konsum leitete, hat sich die Berßelerin seinerzeit schnell in Dardesheim beruflich eingelebt. Mit ihrer direkten Art überraschte sie zwar zunächst ihre Kunden, wurde aber schnell akzeptiert, und das nicht nur bei den Älteren. Zuspruch fand sie auch bei der Jugend. In manch netten Gesprächen teilten ihr die damaligen Kinder die größeren und kleinen Sorgen mit. Jetzt kamen einige als junge Erwachsene vorbei und verabschiedeten sich von Heidemarie Wrackmeyer.

Zahlreiche in den letzten Tagen überreichte Blumengeschenke in ihrem "kleinen Lädchen", wie es Wrackmeyer liebevoll formulierte, künden von der Anerkennung ihrer Arbeit. Mit einem vielfältigen Angebot für den täglichen Bedarf erfüllte sie die Wünsche ihrer Kunden. Bestellungen per Telefon hat sie angenommen. Blumen erhielt sie auch von Friedrich Marquard, der praktisch täglich im Laden eingekauft hat.

Mit einem Dankeschön möchte sich Heidemarie Wrackmeyer bei ihren Kunden für die jahrelange Treue bedanken. "Unterm Strich waren wir alle zufrieden, und kein Mensch ist unfehlbar", kommentierte sie.

Mit ihr geht die Ära einer alten Verkaufseinrichtung im Ort zu Ende. Es gab in Dardesheim Zeiten, in denen es so viele Geschäfte und Gewerke gab, dass eigentlich jeder jedem etwas verkaufte. 1920 übernahm Richard Schliephake von seiner Mutter, Hermine Schapper, am Lindenberg ein Kolonialwarengeschäft. 1939 baute er das Nebenhaus aus und konnte damit sein Geschäft vergrößern. Als Kriegsveteran bekam er das Privileg, im Ort Tabakwaren und Spirituosen zu verkaufen. Aus dieser Familie ging übrigens auch Helmut Schliephake hervor, der mehrere Schriften über die Geschichte Dardesheims hinterlassen hat.

Zum Jahresende 1963 wurde der Laden an den Konsum verpachtet. Später folgte die Kohow-Genossenschaft, bis Heidemarie Wrackmeyer das Geschäft übernahm. Sie hat in Staßfurt eine Lehre als Fachverkäuferin für Lebensmittel absolviert. Im Jahre 1975 heiratete sie nach Berßel und übernahm eine Arbeitsstelle in Schauen. Danach folgten die 20 Jahre in Dardesheim. Künftig wird sie in PUK-Geschäften als Springerin im Harzvorland arbeiten. Für die Dardesheimer aber fällt mit der Ladenschließung ein Stück Geschichte und Lebensqualität weg.

Ortsbürgermeister Ralf Voigt erklärte: "Es wird nach einer Lösung gesucht, um den Ausfall dieser Versorgungseinrichtung im Ort zu kompensieren."